Am Himmel kehrt keine Ruhe ein: Informationsabend über Tegeler Flugbetrieb

Rainer Teschner-Steinhardt (rechts) und Martin Lambert sind erst im Februar erneut zum Vorsitzenden beziehungsweise Vize der Fluglärmschutzkommission gewählt worden.
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Reinickendorf. Termin festgelegt, Termin verschoben: Während der Hauptstadtflughafen BER auf sich warten lässt, herrscht in Tegel Hochbetrieb. Der Himmel über Reinickendorf kommt nicht zur Ruhe, und viele Anwohner sind mit ihren Nerven am Ende – was sich bei einer Info-Veranstaltung der Fluglärmschutzkommission Ende Mai deutlich zeigte.

1459 Tage waren am 31. Mai seit dem geplanten Eröffnungstermin des Großflughafens BER vergangen – für sämtliche Besucher der Info-Veranstaltung exakt 1459 Tage zu viel. Einige Gäste machten auch aus ihrer Skepsis, dass der BER überhaupt an den Start geht, keinen Hehl, dafür aber ihrem Unmut Luft. „Ich höre den Krach der Flieger quasi ununterbrochen“, seufzte ein Anwohner. „Langsam mache ich mir ernsthaft Sorgen um meine Gesundheit.“

Zum Treffen eingeladen hatten der Vorsitzende der Fluglärmschutzkommission Rainer Teschner-Steinhardt und sein Vize, Baustadtrat Martin Lambert (CDU). Beide engagieren sich seit Jahren im Gremium – mit dem Ziel, die Lärmbelastung für die Tegel-Anrainer einigermaßen in Grenzen zu halten. Was angesichts des unverminderten Flugbetriebs kein leichtes Unterfangen ist. „Tegel steht nach München, Düsseldorf und Frankfurt aktuell an vierter Stelle, wenn es um Bewegungszahlen und Passagiere geht“, so Teschner-Steinhardt.

Worüber die rund 30 Reinickendorfer, die zum Info-Abend ins Rathaus Reinickendorf gekommen waren, am meisten klagten: der Flugverkehr in den späten Abendstunden und nachts. „Ich habe erst gestern gezählt. Von 23 bis 23.20 Uhr düsten neun Maschinen über unser Haus“, brachte es ein Besucher auf den Punkt. Wie eine solche Anzahl mit dem Nachtflugverbot in Einklang zu bringen sei, wie viele Ausnahmen es davon gebe, wer die erteile und warum – wollten die Betroffenen wissen. „Es gibt in Tegel kein ausgesprochenes Nachtflugverbot, vielmehr handelt es sich um eine Nachtflugbeschränkung“, antwortete der Kommissionschef. Das heißt: Der Regelverkehr geht bis 22 Uhr, bis 23 Uhr dürfen verspätete Flieger landen. Selbst danach erteilt die Oberste Luftfahrtbehörde, bisweilen auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, in Einzelfällen Sondererlaubnis für Starts und Landungen. Ausnahmen gibt es sogar in der Zeit von 24 bis 6 Uhr – etwa für Ambulanz- und Militärflüge. Auch die Postflieger nach Stuttgart heben dank Monopol mitten in der Nacht ab.

Bei Verspätungen müssen die Fluggesellschaften ordentlich zahlen

„Wir sind mit der Entwicklung abends eigentlich schon recht zufrieden“, sagte Stadtrat Lambert. „Früher hatten wir noch größere Probleme, zum Beispiel mit Air Berlin, deren Flieger sich ständig verspäteten und nach 22 Uhr landeten. Das kommt jetzt fast nicht mehr vor.“ Außerdem habe die Fluglärmschutzkommission erreicht, dass die Geldbußen für Ankünfte nach dem planmäßigen Zeitfenster deutlich drastischer sind: Bis zu 500 Prozent Aufschlag zahle eine Fluggesellschaft, wenn eine ihrer Maschinen verspätet lande. „Das Geld kommt aber nicht bei uns an“, hieß es aus dem Publikum. „Uns nutzt das gar nichts.“

Ob sie selbst daran glauben, dass der BER 2018 eröffnet, ließen Teschner-Steinhardt und Lambert aktuell offen. „Zweimal haben wir in der Fluglärmschutzkommission schon Abschied gefeiert“, räumte der Vorsitzende ein. „Nun sind wir im Februar erneut für zwei Jahre gewählt worden – ich gehe davon aus, dass es das letzte Mal war.“ Das wird die Zeit zeigen. bm

Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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