Aufrecht in den Tod
Eine Gedenktafel in der Wartburgstraße führt zu Robert Uhrig

Portal mit Gedenktafel links an Robert Uhrigs Wohnhaus.
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  • Portal mit Gedenktafel links an Robert Uhrigs Wohnhaus.
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Auf einem Spaziergang durch den Kiez fällt am schmucken Wohnhaus in der Wartburgstraße 4 eine Gedenktafel ins Auge. Sie ist dem Werkzeugmacher Robert Uhrig gewidmet.

Der 1903 in Leipzig Geborene, der in einer Schlosserfamilie aufwächst, war „der Leiter der größten antifaschistischen Widerstandsgruppe der KPD in Berlin“, so der Text der Tafel, die am 20. Oktober 1987 enthüllt wurde.

In Berlin lässt sich Uhrig zum Werkzeugdreher ausbilden, geht anschließend auf Wanderschaft und legt 1921 die Prüfung zum Ingenieur ab. Im Vorjahr ist er der Kommunistischen Partei beigetreten. Eifrig besucht der junge Mann die parteieigene Marxistische Arbeiterschule. Deren Hauptziel ist die Vermittlung der kommunistischen Idee und des „Handwerkszeugs“ für kommunistische Propaganda und Agitation. Für die Partei arbeitet Robert Uhrig als Betriebsgruppenfunktionär.

1929 tritt der Kommunist eine Stelle in der der Versuchsabteilung für Radioröhren der Firma Osram in Moabit an. Im Unternehmen in der Sickingenstraße leitet Robert Uhrig eine Betriebszelle der Partei. Laut KPD-Statut von 1925 war die „Betriebszelle in der Fabrik, im Bergwerk, in der Werkstatt, im Büro, im landwirtschaftlichen Betrieb usw.“ die „Grundlage der Parteiorganisation, ihr Fundament“. 1934, die Nazis sind an der Macht, wird Robert Uhrig zum ersten Mal verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, eine Untergrundzeitung herausgegeben und Geld für Inhaftierte gesammelt zu haben. Uhrig wird zu eindreiviertel Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau verbüßt. Nach seiner Entlassung beteiligt sich Robert Uhrig weiter am Widerstand gegen die NS-Diktatur. Er leitet illegale kommunistische Gruppen in über 20 Berliner Rüstungsbetrieben. Er knüpft Verbindung zu anderen antifaschistischen Widerstandsgruppen. Seine Organisation arbeitet mit Gruppen in Essen, Hannover, Hildesheim, München, Dortmund und Hamburg zusammen, hält Kontakte bis nach Kopenhagen, in die Niederlande und nach Prag – dort sitzt das Auslandssekretariat des Zentralkomitees der KPD. 1940 ist Robert Uhrig der Kopf des kommunistischen Widerstands in Berlin.

Doch zwei Jahre später zerschlägt die Gestapo Uhrigs Organisation. Am 4. Februar 1942 wird er verhaftet. Mehr als zwei Jahre ist er im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert, bevor ihm vor dem Volksgerichtshof in Berlin der Prozess gemacht wird. Am 7. Juni 1944 wird Robert Uhrig zum Tode verurteilt. Er stirbt am 21. August im Zuchthaus Brandenburg unter dem Fallbeil. In seinem Abschiedsbrief an seine Frau Charlotte (1907-1992) schreibt der Todgeweihte: „Mein Leben hat doch viel Schönes und Lebenswertes gehabt, und vor allem hatte ich ein Ziel vor Augen. Es war nicht, als Spießer achtzig Jahre alt zu werden. Wenn ich heute in den Tod gehe, so tue ich das aufrecht... Mein letzter Gedanke gilt Dir und einer freien Menschheit.“

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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