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Haltung bewahrt
Kinosaal im Rathaus wird nach Marlene Dietrich benannt

Der Kinosaal im Rathaus Schöneberg wird demnächst den Namen des Weltstars Marlene Dietrich erhalten.

„Eine Benennung des Kinosaals nach Marlene Dietrich würdigt die Schönebergerin, die Haltung gegenüber dem Naziregime zeigte“, lautete das Argument, mit der die SPD-Fraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg um Zustimmung der anderen Fraktionen geworben hatte.

In der Tat hat die 1901 in der damaligen Stadt Schöneberg geborene und in der Leberstraße aufgewachsene Marlene Dietrich sich gegen ihre Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten verwahrt.

Dietrich, der 1930 der Durchbruch mit der Hauptrolle der Lola Lola in „Der blaue Engel“ von Josef Sternberg gelungen war und die im selben Jahr für ihren ersten Film in den USA vor der Kamera stand, lehnte 1936 Angebote des Propagandaministers Josef Goebbels ab, einen Film in Deutschland zu drehen.

Stattdessen drehte sie mit Ernst Lubitsch und Billy Wilder, mit Orson Welles und Alfred Hitchcock. 1939 nahm sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an und engagierte sich im Krieg als Truppenbetreuerin der amerikanischen GIs. Als „Captain Dietrich“ trat sie vor US-Soldaten in Nordafrika, Frankreich und Italien auf. Dafür wurde Marlene Dietrich vom amerikanischen Kriegsministerium mit dem höchsten Orden für Zivilisten ausgezeichnet.

Eine Tournee führte sie 1960 nach Deutschland, wo ihr Bewunderung, aber auch Ablehnung als „Landesverräterin“ entgegenschlug. Seit 1978 bis zu ihrem Tode 1992 lebte Marlene Dietrich zurückgezogen in Paris. Sie ist auf dem Künstlerfriedhof an der Stubenrauchstraße in Friedenau begraben.

Bevor der SPD-Antrag in der BVV einstimmig beschlossen wurde, gab es noch eine Irritation im Plenum. Die Linke hatte eine Stunde vor der Sitzung einen Änderungsantrag eingebracht, ihn später aber zurückgezogen. Die Linke wollte den Kinosaal im Rathaus nach der gebürtigen Neuköllnerin Inge Meysel (1910-2004) benennen. Die Volksschauspielerin hatte lange in Schöneberg gelebt.

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