Vor 150 Jahren bestieg Theodor Fontane den Turm von St. Nikolai
Der Luginsland ins Havelland

Fontane beschrieb vom Turm aus die zackigen Linien der Zitadelle.
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Zum 150. Jubiläum der Kirchturmbesteigung von St. Nikolai durch Theodor Fontane lud die Leiterin des Kirchenmuseums Spandovia Sacra, Sabine Müller, am 8. Dezember zu einem außerplanmäßigen Aufstieg ein.

Zumindest das Wetter muss zu Fontanes Zeiten besser gewesen sein. Kaum hat die kleine Gruppe der Jubiläumsbesteigung die Plattform der sogenannten Laterne erklommen, beginnt es zu regnen. Fontane schreibt von einem „klaren Dezembertag“, an dem er in die Laterne steigt, jenem luftigen, an den Barock erinnernden Turmaufsatz in knapp 54 Metern Höhe, der nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg im Jahr 1989 wieder hergestellt wurde.

Fontane kannte sich in Spandau aus

Bevor Fontane zum Lob des „Luginsland“ kommt, als den er den Kirchturm betrachtet, hat er schon die in der Kirche vorhanden Wappen und Grabmale beschrieben, und auch den Steinaltar erwähnt, den der Zitadellenbaumeister Rochus zu Lynar gestiftet hat. Spandau war kein Neuland für Fontane. Sabine Müller berichtet, dass er eine Tante mütterlicherseits in der Zitadellenstadt hatte, und daher wohl mit den örtlichen Begebenheiten vertraut war.

Die müssen noch sehr ländlich gewesen sein. Fontane stellt sich vor, wie er im Juni üppige Wiesen sehen könnte. Jetzt sieht er einen „grauen Himmel über grauem Land“, aus dem irgendwo ein „Krähenvolk“ aufsteigt. Und noch etwas anderes bewegt sich. Fontane erblickt einen Damm, auf dem sich zwei Eisenbahnzüge begegnen. Mit der Hamburger Eisenbahn war die Moderne ins Havelland gekommen.

Zweifel an Merian-Ansicht im Turm

Für die Schilderung der Kirche hat Fontane auch Zeichnungen angefertigt, wie ein in der Staatsbibliothek aufbewahrtes Manuskript zeigt. Schließlich sollte es ihm nicht so gehen wie dem Schöpfer der Merian-Ansicht von Spandau, die im Aufgang zum Turm zu finden ist. Da wurde die Havel als Spree ausgewiesen, und ob der Turm der Kirche lange vor der barocken Umgestaltung von 1744 tatsächlich so viele Spitzen hatte, weiß heute niemand.

Der Aufstieg zum Turm ist heutzutage bequemer als zu Fontanes Zeiten. Der Turm hat sich eher zu einem gediegenen Museum entwickelt. Die Besteigung des Turms ist wieder regelmäßig möglich von April bis Oktober.

Autor:

Christian Schindler aus Reinickendorf

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