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Toter Winkel im Visier: Polizei warnt vor Unfallgefahren beim Abbiegen

Perspektivwechsel: Vom Lkw aus sind Thomas Bentz und seine Kollegen nur gut zu erkennen, wenn sie nah dran sind.
Perspektivwechsel: Vom Lkw aus sind Thomas Bentz und seine Kollegen nur gut zu erkennen, wenn sie nah dran sind. (Foto: Ulrike Kiefert)

Tote Winkel sind im Straßenverkehr ein tägliches Risiko. Vor allem Radfahrer unterschätzen oft die Gefahr. Deshalb klärt die Polizei regelmäßig auf.

Elf Tonnen schwer, fünf Meter lang, zwei dreißig breit: Wer bei diesem Lkw unter die Räder kommt, ist „Matschepampe“. Ein drastisches Wort, zugegeben. Aber es beschreibt genau das, was passieren kann, wenn der tote Winkel unterschätzt wird. Denn der ist heimtückisch.

Wie, das merkt man erst, wenn man sich selbst auf den Fahrersitz setzt. Zur Demonstration hat Bernhard Lemmé einen Absetzcontainer vorgefahren. Wer kleiner als 1,80 Meter ist, muss den Hals schon etwas recken, um im Weitwinkelspiegel die signalgelbe Plane in Gänze zu erfassen. Polizeibeamte des Abschnitts 21 haben sie auf dem Pflaster des Arcaden-Vorplatzes an der Klosterstraße ausgebreitet. Damit sie der Wind nicht wegweht, stehen rot-weiße Hütchen drauf. „Und, sehen Sie uns“, fragt Polizeikommissar Thomas Bentz, der sich mit zwei Kollegen auf der Plane postiert hat. Die markiert punktgenau den toten Winkel des Lkw. „Ja, schon, aber Sie sind ziemlich weit weg“, kommt es aus der Fahrerkabine zurück. Das Auge ist von dieser Höhe aus ungeübt, erst recht im Weitwinkelmodus. Bis es sich daran gewöhnen will, sind die drei Polizisten schon unter die Räder gekommen.

Es geht weniger um die Lkw-Fahrer

Zum Glück ist das alles nur eine Trockenübung. Den Beamten ging es bei ihrer Präventivaktion zum „Toten Winkel“ am 11. April auch nicht vorrangig um den Lkw-Fahrer – der muss beim Abbiegen natürlich auch aufpassen – sondern vielmehr darum, wie Radfahrer und Fußgänger Unfälle aufgrund des toten Winkels vermeiden können. „Denn sie sind besonders gefährdet und erleiden bei Zusammenstößen oft schwerste oder gar tödliche Verletzungen“, sagt Thomas Bentz. Der Polizeikommissar ist sich sicher: Mit der nötigen Aufklärung lassen sich solche Unfälle vermeiden und damit Leben retten.

Berlin zählt aktuell bereits den neunten Verkehrstoten, und damit zwei mehr als bis April des Vorjahres. Unter den tödlich Verunglückten waren drei Radfahrer. Zwei starben, weil sie beim Abbiegen übersehen wurden. In Spandau kam es am Hauptknotenpunkt Altstädter Ring, Carl-Schurz-Straße, Klosterstraße und Seegefelder laut Polizeistatistik zu 16 Abbiegeunfällen im gesamten letzten Jahr. Insgesamt gab es an dieser Kreuzung 88 Verkehrsunfälle mit drei Schwerverletzten und 23 Leichtverletzten, darunter fünf Radfahrer und sechs Fußgänger.

Bernhard Lemmé: "Rücksichtnahme ist am wichtigsten!"

Lkw-Fahrer Bernhard Lemmé erlebt brenzlige Situationen fast täglich. Meist an Kreuzungen. „Einen Unfall hatte ich glücklicherweise aber noch nicht.“ Seine Lkw hat Lemmé, der ein Entsorgungsunternehmen leitet, allesamt mit zusätzlichen Weitwinkelspiegeln ausgerüstet. Ob sie für alle Lkw Pflicht werden sollen, wird gerade politisch diskutiert. Einige Autohersteller haben in die sogenannten A-Säulen ihre Laster optische und akustische Warnsignale eingebaut. Die hält auch Bernhard Lemmé für sinnvoll. Vor allem aber fordert er im Verkehr mehr gegenseitige Rücksichtnahme.

Die mahnt auch die Polizei immer wieder an, ebenso wie die Vorsicht. Die wichtigsten Faustregeln: Augen auf im Straßenverkehr, wenn möglich Blickkontakt suchen und raus aus dem toten Winkel. Im Zweifel auf den eigenen Vorrang verzichten, sagt Thomas Bentz, also warten, bis der Lkw abgebogen ist.

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