Mehr Frauen an die Spitze
Unternehmerin Alexandra Knauer setzt sich für Chancengleichheit und Lohngerechtigkeit ein

Alexandra Knauer im Labor ihres Unternehmens.
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  • Foto: KNAUER/Florian Bolk
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Am 10. März ist Equal Pay Day. Er markiert symbolisch den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen und signalisiert, wie fair Frauen und Männer in Deutschland bezahlt werden. Je früher das Datum, desto gerechter geht es in der Arbeitswelt zu. Das heißt aber auch: Vom 1. Januar bis 10. März arbeiten die Frauen quasi umsonst. Für die Unternehmerin Alexandra Knauer ein Unding. Der Equal Pay Day bei Knauer war der 8. Januar.

Der diesjährige Equal Pay Day war ursprünglich auf den 14. März festgelegt und hat sich um vier Tage nach vorn geschoben. Das sei zwar positiv, „aber solange der Equal Pay Day erst im März stattfindet, sind die Dinge noch im Argen“, sagt Alexandra Knauer. Die Unternehmerin leitet das Familienunternehmen Knauer Wissenschaftliche Geräte mit Sitz in Zehlendorf in zweiter Generation. Hier werden seit 59 Jahren HighTech-Messgeräte für Forschung und Wissenschaft entwickelt. Eigentlich noch immer eine Männerdomäne, sollte man meinen. Doch Alexandra Knauer setzt sich als Geschäftsführerin von Anfang an für Chancengleichheit ihrer derzeit 160 Mitarbeiter ein. „Ich achte darauf, dass Frauen die gleichen Aufstiegschancen bekommen wie Männer“, betont sie. Es sei ihr wichtig, dass es in ihrem Unternehmen keine strukturelle Benachteiligung bei der Bezahlung gibt. Das gelte für Frauen und Männer, aber auch für Mitarbeiter mit und ohne Migrationshintergrund.

Knauer berechnet Verdienstgefälle

Für die Lohngerechtigkeit im Unternehmen wird jedes Jahr der sogenannte Gender Pay Gap, also das geschlechterspezifische Lohngefälle, berechnet. „2021 ist der Gender Pay Gap bei uns erneut gesunken und beträgt nur 2,2 Prozent. Die offizielle Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland liegt immer noch bei knapp 20 Prozent. Daher sind wir sehr stolz auf unser Ergebnis“, sagt die Firmenchefin und hofft, auch andere Chefinnen und Chefs zu mehr Achtsamkeit und Nachahmung zu inspirieren und jedes Jahr zu rechnen und zu prüfen, ob die Bezahlung von Männern und Frauen ausgewogen ist. Bisher ist ihr kein Unternehmen bekannt, dass die auch tut und die Zahlen publik macht.

Dass bei KNAUER Chancengleichheit im Job nicht nur leeres Gerede ist, zeigt sich auch im hohen Anteil von Frauen im Betrieb. Eine Frauenquote von über 40 Prozent, dazu Mitarbeiter aus 16 Nationen und Fachkräfte aus unterschiedlichen Berufsgruppen fördern ein inspirierendes und produktives Betriebsklima und tragen zur Vielfalt bei. Darüber hinaus sind 43 Prozent aller Führungspositionen von Frauen besetzt.

Frauen in Spitzenpostionen eine Ausnahme

Auch in dieser Hinsicht ist das Familienunternehmen eine Ausnahme. Frauen an der Spitze von Unternehmen sind noch lange keine Normalität. „Wir sehen das im Bereich der Vorstände. In Berlin haben wir 31 Unternehmen im DAX. Ende 2020 besetzten lediglich zwei Frauen Vorstandsposten“, erklärt Alexandra Knauer. Offensichtlich tue sich ohne Quote nur sehr wenig. „Quoten können Schwung in den Veränderungsprozess bringen und ich hoffe, sie können dann auch bald wieder abgeschafft werden.“

Aber solange Frauen deutlich seltener technische und naturwissenschaftliche Fächer studieren, sei der Pool an Frauen dort recht klein und nur wenige schafften den Weg an die Spitze von Unternehmen. „Die Weichen werden sehr früh gestellt: Mädchen wählen oft und Kunst und Sprachen als Leistungskurse und nicht Fächer wie Chemie und Mathe“, sagt die engagierte Unternehmerin, die sich auch in der Verantwortung sieht, noch mehr Mädchen für naturwissenschaftliche und technische Berufe zu begeistern. Das gelingt auch jedes Jahr am Girls Day, an dem sich das Unternehmen seit mehr als 15 Jahren beteiligt. Knauer plant den Tag als ein Event. Sechs bis zehn Mädchen können an verschiedenen Stationen praktische Erfahrungen sammel n und die unterschiedlichen Bereiche des Betriebs kennenlernen. „Die Mädchen sind sehr neugierig und jedes Mal begeistert“, sagt die Firmenchefin. So bewerbten sich junge Frauen, die das Unternehmen beim Girls Day kennengelernt haben.

Vorbildhafte Unternehmerin

Für ihr Engagement wurde Alexandra Knauer mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem ist sie eine von rund 200 vom Bundesministerium für Wirtschaft ausgezeichneten Vorbild-Unternehmerinnen und gehört zu den erfolgreichsten Arbeitgebern Deutschlands.

Alexandra Knauer ist Schirmherrin des bezirklichen Unternehmerinnennetzwerkes Connecting Women und 2017 der „Charta der Vielfalt“ beigetreten.

Alexandra Knauer im Labor ihres Unternehmens.
Den Equal Pay Day erreichte das Zehlendorfer Unternehmen bereits am 8. Januar. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen liegt bei Knauer in diesem Jahr bei 2,2 Prozent.
Autor:

Karla Rabe aus Steglitz

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