Buchautor und Heimatforscher
Christian Simon kennt viele Geschichten über den Friedhof Bergstraße

Die Grabstelle von Carl Schwartz. Nach dem Bankier ist die Schwartzsche Villa benannt. Christian Simon weiß so manche Geschichte über das Grab und zur Person des Bankies zu erzählen.
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  • Die Grabstelle von Carl Schwartz. Nach dem Bankier ist die Schwartzsche Villa benannt. Christian Simon weiß so manche Geschichte über das Grab und zur Person des Bankies zu erzählen.
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Auf dem Friedhof Bergstraße sind wenige berühmte Personen begraben. Die „großen Namen“ findet man hier nicht. Aber wenn es um Heimatgeschichte geht, erzählt der Friedhof viele Geschichten. Auch aus diesem Grund gehört er zu den Lieblingsplätzen von Christian Simon.

Zu Beginn des Spaziergangs über den Friedhof und durch ein Stück Steglitz-Geschichte weist der ausgewiesene Experte für Heimatgeschichte auf ein Bauwerk hin, dass heute gar nicht zum Friedhof gehört: Der Wasserturm. Das markante Gebäude wurde von 1916 bis 1919 gebaut. Weil der Turm auf einer Anhöhe, den „Rauhen Bergen“ errichtet wurde, konnte man ihn damals von überall her sehen. So wurde er zum Wahrzeichen von Steglitz. Als Wasserspeicher diente der Turm aber nie. Heute hat der Arzneimittelverlag hier seinen Sitz.

Als nächste Sehenswürdigkeit kündigt Simon den Bogenschützen an. Das Denkmal wurde 1933/34 den Gefallenen des 1. Weltkrieges gewidmet und damals in der Kaserne Emmichblock in der Malteser Straße aufgestellt. 1943 wurde die Bronzefigur bei einem Bombenangriff beschädigt und geborgen. Erst 1957 wurde sie restauriert und für die Gefallenen der Weltkriege auf dem Steglitzer Friedhof aufgestellt.

Auf dem Weg zum Bogenschützen geht es an der Grabstelle von Carl Schwartz vorbei. Auch über den Kommerzienrat und Bankier, der von 1828 bis 1915 lebte, weiß Simon einiges zu erzählen. Der Name Schwartz ist in Steglitz bekannt, weil sich der Bankier eine Villa errichten ließ, die heute seinen Namen trägt: Die Schwartzsche Villa. „Die erste Beisetzung fand übrigens nicht auf dem Friedhof, sondern im eigenen Garten statt – dem heutigen Park der Schwartzschen Villa“, erzählt Simon. 1953 wurde er umgebettet.

Beim Spaziergang durch die Grabreihen fallen Namen auf Grabsteinen ins Auge, die auch den nicht so Versierten in der Heimatgeschichte bekannt vorkommen: Walter Leistikow und Freiherr von Hünefeld. Der eine ein bekannter Landschaftsmaler und der andere ein Pilot, der als erster mit einem Propellerflugzeug den Atlantik von Osten nach Westen überquerte. Und auch Gustav Büchsenschütz sagt dem einen oder anderen etwas. Richtig, der Mann hat das Wanderlied „Märkische Heide“ mit dem Refrain „Steige hoch du roter Adler...“ geschrieben. Nach der Wende wurde es zur inoffiziellen Landeshymne des Landes Brandenburg.

Zwischen den kleinen Anekdoten zu den Grabstellen verrät Christian Simon, dass er früher gar keinen Bezug zu diesem Friedhof hatte. Erst die Nachforschungen für ein Buch über den Friedhof führten ihn häufiger hier her. Gemeinsam mit dem Heimatforscher Wolfgang Holtz recherchierte er ein Jahr lang intensiv für den Friedhofsführer, der 2010 vom Arzeinmittelverlag herausgegeben wurde.

Sein Interesse an der Heimatgeschichte wurde aber schon viel früher geweckt. „Das war 1973, als ich 13 Jahre alt war. Zum 100-jährigen Jubiläum der Giesensdorfer Grundschule sollte ich etwas über die Geschichte der Schule herausfinden“, erinnert sich der 59-Jährige, der seit 1966 in Lichterfelde Süd lebt. Im Archiv des Steglitzer Heimatvereins stieß er auf Original-Zeitungsausschnitte über die Geschichte seiner Schule. Der Grundstock für seine erste Publikation. „Seit dem hat mich die Heimatgeschichte nicht mehr losgelassen“, sagt er.

Er schrieb Artikel für den Heimatverein und den Steglitzer Lokalanzeiger. Immer wieder Neues über die Geschichte seines unmittelbaren Umfeldes aufzuspüren, wurde bald mehr als nur ein Hobby. Nach seinem Studium der Geografie, Politologie und Grundschulpädagogik entstand die Idee, ein Buch herauszugeben. „Ich habe einen so großen Fundus an Fakten. Die wollte ich gern zu einem Steglitz-Buch zusammenfassen“, sagt Simon.

1997 erschien dann sein erstes Buch „Steglitz im Wandel der Geschichte“. Es folgten weitere Publikationen und 2004 veröffentlichte er das erste „Bezirkslexikon Steglitz-Zehlendorf“. Das „Steglitz-Lexikon“ mit vielen neuen Fakten ist im November vergangenen Jahres erschienen. Auch in diesem Werk hat Simon ein Kapitel dem Friedhof Bergstraße gewidmet.

Und wer den Friedhof einmal heimatkundlich fundiert erkunden möchte, dem sei der Friedhofsführer zum Friedhof Bergstraße mit dem Titel „Gräber und gelebtes Leben“ empfohlen. Das Buch informiert über das Leben von insgesamt 118 Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhe fanden. 56 der Gräber können noch besucht werden, die anderen wurden inzwischen eingeebnet.

Die Grabstelle von Carl Schwartz. Nach dem Bankier ist die Schwartzsche Villa benannt. Christian Simon weiß so manche Geschichte über das Grab und zur Person des Bankies zu erzählen.
Christian Simon vor dem Wasserturm auf dem Friedhof Bergstraße. Der Friedhof gehört zu den Lieblingsplätzen des Heimatforschers.

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