Grüne Oase und Rückzugsort
Kleingärten werden immer beliebter

Kleiner Plausch am Gartenzaun: Kerstin Möbius und Robert Diebold freuen sich auf die neue Gartensaison.
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In der Kleingartenanlage Schutzverband am Immenweg in Steglitz ist die Natur aus dem Winterschlaf erwacht. Vögel zwitschern, die ersten Bienen summen und Frühblüher sorgen für Farbakzente in den Gärten. In den kleinen Parzellen wird auch wieder gewerkelt. Das Kreischen einer Säge ist zu hören, Tische und Stühle werden heraus geräumt. Die Laubenpieper genießen die Sonnenstrahlen und das erste Grün.

Kerstin Möbius und Robert Diebold sind Gartennachbarn. Sie freuen sich darauf, endlich wieder mehr Zeit in ihrem Garten verbringen zu können. Kerstin Möbius kennt die kleine Kolonie zwischen Steglitzer Damm und Bismarckstraße schon von Kindesbeinen an. Ihr Grundstück ist seit 1954 im „Familienbesitz“. Hier haben schon schon ihre Großeltern Gemüse angebaut.

Sie selbst hat die Parzelle im Jahr 2000 von ihren Eltern übernommen. Sie weiß also bestens, wie das Leben in der Kleingartenkolonie funktioniert. „Ich bin mit den Pflichten und Freuden aufgewachsen“, sagt sie. Heute ist sie Vorsitzende des Kleingartenvereins. Als solche schaut sie selbst im Winter zwei Mal in der Woche auf ihrer Parzelle vorbei. „Es gibt immer etwas zu tun“, sagt sie.

Gartenarbeit sei auch Entspannung

Aber die Gartenarbeit sei für sie auch Entspannung. Und am Ende werde man schließlich für seine Arbeit belohnt. „Es ist einfach schön zu erleben, wie alles wächst und gedeiht. Und Tomaten aus eigener Ernte schmecken einfach so viel besser, als die aus dem Supermarkt“, schwärmt sie.

Robert Diebold hat seine Parzelle auf der Anlage erst seit sechs Jahren. Eigentlich, so erzählt er, hatte er sich im Alter von zwölf Jahren geschworen „nie wieder Garten!“. Schon als Kind hatte er viel im Garten arbeiten müssen. Als er und seine Frau dann aber auf der Warteliste ganz oben standen und eine Parzelle im Kleingartenverein Schutzverband angeboten bekamen, habe sich seine Gattin durchgesetzt. Seitdem ist der Kleingarten so etwas wie ein zweites Zuhause geworden. Die Gartenarbeit überlasse er seiner Frau. Denn fürs Unkrautjäten habe er zwei linke Hände, fügt er schmunzelnd hinzu. Wenn es aber etwas zu bohren oder zu hämmern gebe, gehe sein Herz auf.

Oase der Ruhe mitten in der Großstadt

„Wir wohnen nur ein paar hundert Meter weit entfernt und sind sehr oft hier. Wir genießen die Ruhe in unserer kleinen Oase, während ein paar Straßen weiter der Verkehrslärm tobt“, sagt Diebold. Er empfindet die Kleingartenkolonie mitten in der Stadt als ein Kleinod.

Hier lebt die Natur wieder auf, Insekten fühlen sich wohl und auch jede Menge kleines Getier. Für Vögel und Insekten sei der Garten ein Paradies. „Es ist einfach schön, das Gesumme und Vogelgezwitscher zu genießen und zu erleben, wie sich der Garten über das Jahr verändert. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken“, schwärmt Diebold. Auf seinem Grundstück hat er zum Beispiel im Frühjahr regelmäßigen Besuch von einem Entenpärchen. „Die kommen immer zu zweit und baden in unserem kleinen Gartenteich.“ Erklären könne er sich das nicht, aber er freut sich über die Besuche. „Offensichtlich fühlen sich die beiden hier wohl“, sagt er.

Grillen und fachsimpeln in Gemeinschaft

Der 73-Jährige schätzt auch den Gemeinschaftssinn der Kleingärtner. „Hier wird nicht lange gefragt, ob Hilfe benötigt wird. Es wird einfach angepackt, wenn größere Arbeiten anstehen.“  Jeder habe ein Ohr für den anderen, es werde gemeinsam gegrillt und gefachsimpelt. „Das ist schon etwas Besonderes. Mitten in der Großstadt geht man sonst oft grußlos aneinander vorbei und lebt mehr für sich.“

Wartezeit auf Parzelle bis zu acht Jahre

Bereut hat er es nicht, sich für den Garten entschieden zu haben. Man stecke viel Arbeit rein, aber bekäme auch viel zurück. „Es ist nicht nur das Idyll mitten in der Stadt. Wir ernten auch, was das Zeug hält: Rhabarber, Kräuter, Bohnen, Tomaten, Kartoffeln und zum Schluss Rosenkohl.“
All dies sind wohl Gründe, warum Kleingärten auch bei jungen Menschen immer beliebter würden, vermuten Diebold und Möbius. Immer mehr Familien bewerben sich für eine eigene Scholle. „Die Wartelisten sind lang und im Durchschnitt beträgt die Wartezeit acht bis zehn Jahre“, sagt die Vorsitzende der Kleingartenanlage. Vor allem jetzt, während der Corona-Pandemie mit allen ihren Einschränkungen, wünschten sich immer mehr Menschen einen Rückzugsort, an dem ihre Alltagssorgen für einen Moment vergessen könnten.

Autor:

Karla Rabe aus Steglitz

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