"Angriffe auf unsere Demokratie"
Unbekannte zerstören Bücher in der Bezirkszentralbibliothek

Stefan Bruns, Leiter des Amts für Weiterbildung und Kultur, Bibliotheksleiter Boryano Rickum und Kulturstadtrat Matthias Steuckardt (von links) an der Vitrine mit den zerstörten Büchern. Vorn stehen weitere Werke, die sich kritisch mit rechten Strömungen auseinandersetzen.
  • Stefan Bruns, Leiter des Amts für Weiterbildung und Kultur, Bibliotheksleiter Boryano Rickum und Kulturstadtrat Matthias Steuckardt (von links) an der Vitrine mit den zerstörten Büchern. Vorn stehen weitere Werke, die sich kritisch mit rechten Strömungen auseinandersetzen.
  • Foto: Stadtbibliothek
  • hochgeladen von Susanne Schilp

Erneut wurden in der Bezirkszentralbibliothek "Eva-Maria-Buch-Haus" an der Götzstraße zerstörte Bücher entdeckt. Offenbar stehen hinter den Taten rechtsextremistische Motive. Die Mitarbeiter reagieren mit einer Ausstellung und Veranstaltungsreihe.

Bereits Anfang August ging die Bibliothek an die Öffentlichkeit: Sieben zerschnittene Bücher waren damals zu beklagen. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sich kritisch mit rechten Tendenzen, mit linken Theorien oder mit der Geschichte des Sozialismus beschäftigen. Am 15. September teilte Kulturstadtrat Matthias Steuckardt (CDU) den Bezirksverordneten dann mit, dass vier weitere zerstörte Titel gefunden worden seien. Eine anschließende Inventur zeigte: Zudem waren acht Bücher ähnlichen Inhalts verschwunden.

Wachschutz eingesetzt

Nadja Gragert-Klier, Sprecherin der Bezirksbibliotheken, informiert: „Wir haben Anzeichen dafür, dass es mindestens drei Fälle gab. Die Bücher wurden immer nach dem gleichen Muster zerstört. Vermutlich ist das auf den Kunden-Toiletten passiert, die Bücher wurden dann dort oder im Publikumsbereich einfach liegen gelassen.“

Der oder die Täter sind unbekannt. Die Polizei wurde informiert, die Bibliothek hat einen Wachschutz installiert und andere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Schon nach dem ersten Angriff hatte die Bibliothek im Foyer eine Ausstellung eröffnet. Sie zeigt die zerschnittenen Bücher und präsentiert unter dem Motto „Starke Seite“ ausleihbare Medien zu Thema. Zusammengestellt wurde sie von den Auszubildenden der Bibliothek.

Zudem geht am Donnerstag, 28. Oktober, um 19 Uhr eine Veranstaltungsreihe an den Start. Das Autoren-Duo Patrick Stegemann und Sören Musyal liest aus „Die rechte Mobilmachung – Wie radikale Netzwerkaktivisten die Demokratie angreifen“, anschließend diskutiert es unter anderem mit dem Bibliotheksleiter und mit Stadtrat Steuckardt. Der sagt: „Die Feigheit, die hinter diesen Vorfällen steckt, ist unerträglich. Diese Angriffe auf unsere Bücher sind auch Angriffe auf die Grundwerte unserer Demokratie. Doch das bestärkt uns umso mehr, entschlossen und zusammen gegen rechte Übergriffe zu stehen.“

Bei der Formulierung der Willensbekundung konnten die Bezirksverordneten noch nicht wissen, dass es inzwischen weitere Buchfunde gegeben hat. Insgesamt 19 Titel sind zerschnitten oder gestohlen worden. Das änderte jedoch im Grundsatz nichts.

Politisch motiviert

Dass die Zerstörung politisch motiviert war, steht für die Verordneten außer Zweifel. Den Bibliotheksmitarbeitern sprachen sie Lob für die Courage aus, die Vorfälle zu veröffentlichen. Die ersten sieben zerstörten Werke hätten bereits dank Spenden oder Schenkungen ersetzt werden können. Die Verordneten regten an, weitere Exemplare zu beschaffen und in sämtlichen Bibliotheken im Bezirk zu präsentieren. Darunter befinden sich Titel wie „Der Riss: wie die Radikalisierung im Osten unser Zusammenleben zerstört“ von Michael Kraske, „Marx für Eilige“ von Robert Misik und „Völkische Landnahme: alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“ von Andreas Speit. Für die Beschaffung sagten die Verordneten bis zu 2000 Euro aus BVV-Sondermitteln zu.

Bei der Sitzung bezeichnete der Grünen-Verordnete Bertram von Boxberg die Taten als „geistige Brandstiftung“ und erinnerte an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz. Die Haltung der AfD gegenüber den Zerstörungen bezeichnete er als den „Tiefpunkt meiner politischen Arbeit der letzten fünf Jahre“.

Die AfD wollte nämlich die Willensbekundung nur in Teilen mittragen. In ihrem gestellten Ersatzantrag forderte die Fraktion, auch Taten wie die Schmierereien am Robert-Blum-Gymnasium zu erwähnen. „Dort wird zu Gewalt gegen politisch Andersdenkende aufgerufen und der Schuldirektor als Schwein bezeichnet, weil er eine Veranstaltung mit Vertretern aller im Bundestag und Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien dulden wollte. Die Tat ist dem Linksextremismus zuzuordnen“, schreibt die AfD. Die anderen Fraktionen lehnten den Ersatzantrag geschlossen ab.

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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