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Angriff auf die Abbrecherquote: Mentoren der Ausbildungsbrücke unterstützen Lehrlinge

Regelmäßig treffen sich Azubi Ilknur und ihr Mentor Antje, um Fragen zur Ausbildung zu besprechen.
Regelmäßig treffen sich Azubi Ilknur und ihr Mentor Antje, um Fragen zur Ausbildung zu besprechen. (Foto: JoM)

2012 wurde in Berlin ein Drittel der geschlossenen Ausbildungsverträge frühzeitig aufgelöst. Der Senat reagierte und startete das Landesprogramm Mentoring. Es fördert unter anderem das erfolgreiche Projekt Ausbildungsbrücke: Darin begleiten Mentoren die Azubis die komplette Ausbildungszeit hindurch bis zum Abschluss.                                         

„Das Landesprogramm war eine Reaktion darauf, dass Berlin im Jahr 2012 zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern die Statistik der Ausbildungsabbrüche angeführt hat“, sagt Lina Gühne, Koordinatorin bei der Ausbildungsbrücke. Für 2012 hatte eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung ergeben, dass in Berlin 33,4 Prozent der geschlossenen Ausbildungsverträge frühzeitig gelöst wurden.

Ein Mittwoch im März. Für Mentorin Antje und Azubi Ilknur, die ihre vollen Namen privat halten möchten, ist es wieder Zeit für ein Treffen. Alle zwei Wochen kommen die Wirtschaftsfachwirtin und die Bürokauffrau in Ausbildung zusammen, um über ihren Beruf zu sprechen. Ilknur stellt Fragen zum Lernstoff aus der Berufsschule, Antje erklärt, gibt Tipps für die nächste Prüfung und spricht mit Ilknur über Arbeitsperspektiven. Seit fast zwei Jahren schon. Mittlerweile ist so etwas wie Freundschaft entstanden.

„Ich will Spaß am Lernen vermitteln“, sagt Antje „Eine gute Ausbildung ist eine Lebensgrundlage, sollte aber keine reine Pflichtübung sein.“ Das sieht auch Ilknur so. In der Berufsschule, sagt sie, sei der Lehrplan manchmal so voll, dass sich leicht Lücken aufstauten. Diese wollte sie von Anfang an schließen, denn gute Noten sind ihr wichtig. „Wenn mir Antje etwas erklärt, fühlt sich das aber nicht wie Nachhilfe an. Das ist mehr ein Erfahrungsaustausch in netter Atmosphäre.“

Bevor die Probleme zu groß werden

Im Landesprogramm Mentoring steckt der Gedanke: Azubis brauchen eine unabhängige Unterstützung, bevor ihnen die Probleme in der Lehre über den Kopf wachsen. Seit 2013 setzen unterschiedliche Träger das Mentorat für die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales um. Die Ausbildungsbrücke ist dabei ein Projekt der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Um eine gute Betreuung zu gewährleisten, durchlaufen die Mentoren eine Fortbildung im Umfang von 20 Stunden. Dabei beschäftigen sie sich mit ihrer eigenen Rolle im Tandem, mit Rechten und Pflichten der Auszubildenden, sensibler Gesprächsführung und interkultureller Kompetenz. „Wir haben dort auch besprochen, wo man sich Hilfe suchen kann, wenn man mit Situationen überfordert ist“, sagt Antje. Ihr jetziges Mentorat sei zwar ein „seichter Normalfall“, aber es gäbe auch Azubis mit ernsthaften psychischen Problemen oder schwierigem Umfeld.

Mit der individuellen Hilfestellung spiegelt die Ausbildungsbrücke eine Erkenntnis des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Dieser hat in seinem Ausbildungsreport 2017 die Probleme von Azubis während der Lehre untersucht. Viele von ihnen machen regelmäßig Überstunden, oft fehlen Ausbildungspläne und feste Strukturen. Auch zu wenig fachliche Anleitung beklagten die dort Befragten. Dazu sehen sich viele in der Berufsschule nicht gut auf Prüfungen vorbereitet. Lernschwächen, alte Defizite aus der Schulzeit, Differenzen mit Vorgesetzten, private Belastungen – je nach Konstellation kann sich aus all diesen Komponenten der Entschluss eines Abbruchs zusammenbrauen. „Wir setzen gleich am Anfang der Ausbildung an, noch bevor sich Probleme verfestigen“, sagt Koordinatorin Gühne. Einen festen zeitlichen Rahmen gäbe es für die Mentorate nicht. „Es dauert, solange es dauert.“

Wie wichtig das Mentorenprogramm des Berliner Senats ist, zeigt ein Blick in eine andere Statistik: Unter den teilnehmenden Auszubildenden brechen laut einer Erhebung von 2015 lediglich 9,8 Prozent ihre Lehre ab. Im Bundesdurchschnitt ist die Abbrecherquote mehr als doppelt so hoch. Und bis heute ist insgesamt die Quote der Auszubildenden, die in der Hauptstadt frühzeitig ihren Lehrvertrag auflösen, nicht gesunken.

Weitere Infos gibt es auf www.azubimentoring.de.
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