König moniert Namen
Umstrittene Umbenennungen im Afrikanischen Viertel sorgen weiter für Verwirrung

Der Bezirk will den Nachtigalplatz in Manga-Bell-Platz umbenennen. Der Name ist völlig falsch, sagen die Nachfahren von Rudolf Duala Manga Bell, den der Bezirk eigentlich ehren will. | Foto: Dirk Jericho
  • Der Bezirk will den Nachtigalplatz in Manga-Bell-Platz umbenennen. Der Name ist völlig falsch, sagen die Nachfahren von Rudolf Duala Manga Bell, den der Bezirk eigentlich ehren will.
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Über 500 Widersprüche sind beim Bezirksamt gegen die umstrittene Umbenennung der Lüderitzstraße, der Petersallee und des Nachtigalplatzes eingegangen. Jetzt protestieren auch die Nachfahren von Rudolf Duala Manga Bell, der einen Manga-Bell-Platz bekommen soll.

Das Chaos um die Straßenumbenennungen im Afrikanischen Viertel nimmt immer groteskere Züge an. Schon zweimal mussten die von der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und dem Bezirksamt beschlossenen Namen geändert werden, weil die Schreibweisen falsch waren oder eine skurrile Verwechslungsgefahr entdeckt wurde. Die Lüderitzstraße sollte laut Beschluss vom April 2018 in Cornelius-Frederiks-Straße umbenannt werden. Doch dann fiel auf, dass die Schreibweise nicht korrekt war. Der Widerstandskämpfer in Deutsch-Südwestafrika (dem heutigen Namibia) schreibt sich mit „ck“; so stehts auf dem in Namibia errichteten Ehrenmal. Per neuem Beschluss von Oktober 2018 bekam Cornelius dann sein „c“ dazu: Im Amtsblatt Nummer 52 wurde am 28. Dezember die beabsichtigte Umbenennung in Cornelius-Fredericks-Straße bekanntgegeben.

Douala oder Duala?

Noch kruder ist die Umbenennung der Umbenennung des Nachtigalplatzes. Der Bezirksamtsbeschluss von April 2018, den Nachtigalplatz in Bell-Platz umzubenennen, wurde auf Beschluss der BVV im Oktober in Manga-Bell-Platz präzisiert. Den Linken war die peinliche Tatsache aufgefallen, „dass die Benennung Bell-Platz oder Familie-Bell Platz zur Verwechslung mit dem Reichskolonialminister Johannes (Hans) Bell (1868-1949) führen kann und in der internationalen Wahrnehmung bereits geführt hat“, hieß es in der Begründung. Der Manga-Bell-Platz soll Emily Douala (1881-1936) und Rudolf Douala Manga Bell (1873-1914) ehren, König der Duala im heutigen Kamerun.

Doch wie sich erneut herausstellt, ist es nicht so einfach mit der afrikanischen Namensgebung und den Schreibweisen. Jetzt monieren die Nachfahren von Rudolf Douala Manga Bell, dass der Name Manga-Bell-Platz „keineswegs die Person bezeichnet, die geehrt werden soll“, schreibt Jean-Pierre Félix-Eyoum der Bezirksverordnetenversammlung. Der pensionierte Sonderschullehrer Félix-Eyoum lebt seit 1971 in Bayern und ist der Großneffe von Rudolf Duala Manga Bell. Er schreibt Duala und nicht Douala.
Die Duala sind ein Volk im heutigen Kamerun. Douala, die größte Stadt Kameruns, ist nach dem Volk der Duala benannt. Duala ohne „o“ ist die deutsche Schreibweise. Der amtierende Duala-König ist Jean-Yves Eboumbou Dualla Bell. Dualla mit Doppel-L ist wieder eine eigene Schreibweise. Wie Félix-Eyoum in seinem Brief berichtet, hat er seinen König angerufen, um ihm von der geplanten Ehrung ihrer gemeinsamen Vorfahren zu berichten. „Beim Gespräch mit dem König fiel uns ein gravierender Fehler auf“, so Félix-Eyoum. „Der Name Manga-Bell ist eine Erfindung der Kolonialherren, die damals einen Familiennamen gebraucht haben“, erklärt der Lehrer. Er bezeichnet heute noch die ganze Familie, nicht eine Person. Manga-Bell, so Félix-Eyoum weiter, sei wie im Deutschen sowas wie Schmidt oder Maier. In dem Brief an BVV und Bezirksamt steht auch, dass der amtierende König Jean-Yves Eboumbou Dualla Bell gern zur feierlichen Umbenennung mit dann korrektem Namen – Duala-Manga-Bell-Platz – eingeladen werden möchte.

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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