Wenn Friedhöfe Bauland werden
Stephanus-Stiftung und Stadtentwickler planen Wohnungen, Schule, Kita und Pflegeeinrichtungen

Der Friedhof Georgen-Parochial III: Der brach liegende Teil soll in absehbarer Zeit bebaut werden.
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Ungenutzte Flächen zweier Weißenseer Friedhöfe sollen in absehbarer Zeit bebaut werden. Dort sollen unter anderem Wohnungen und Einrichtungen der Stephanus-Stiftung entstehen.

Ein Entwurf für ein städtebauliches Konzept liegt bereits vor. Entwickelt wurde es von der Gruppe Planwerk gemeinsam mit der Stattbau Stadtentwicklungsgesellschaft und dem Redaktionsteam „Wohnen für alle“. Bebaut werden sollen etwa 4,6 Hektar des Friedhofs Georgen-Parochial III zwischen der Kleingartenanlage Frieden und dem noch bewirtschafteten Friedhofsteil und der Gustav-Adolf- und Roelckestraße. Weitere 1,6 Hektar umfasst der 60 bis 80 Meter breite Geländestreifen auf dem Friedhof Segen an der Roelckestraße zwischen Amalien- und Große Seestraße, der ebenfalls bebaut werden soll.

Die Zahl der Bestattungen in Berlin nimmt stetig ab. Außerdem gibt es zunehmend Urnen- und kaum noch Sargbestattungen. Dementsprechend weniger Platz wird auf den Friedhöfen gebraucht. Große Flächen werden seit Jahren nicht mehr bewirtschaftet und liegen brach, was auch die Einnahmen der Friedhofsträger schmälert. Da jedoch Friedhofsträger verpflichtet sind, die Anlagen als Orte der Trauer und der Kultur in einem angemessenen Zustand zu halten, sind Investitionen nötig. Um eine Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben unter diesen Bedingungen zu halten, wurde vor zehn Jahren der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte (EVFBS) als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet. Er kümmert sich um 46 Friedhöfe in sieben Berliner Bezirken, so auch in Pankow. Der EVFBS ist Träger der betreffenden Friedhöfe.

Um nötige Investitionen in Millionen-Höhe tätigen zu können, stellt der Friedhofsverband sukzessive nicht benötigte Flächen als Bauland zur Verfügung. Man setze dabei aber Prioritäten auf sozialorientiertes und genossenschaftliches Bauen, und zu einem kleinen Teil sollen auch Baugruppen die Möglichkeit haben, darauf Wohnraum zu errichten, sagt Siegfried Kleimeier von der Stattbau Stadtentwicklungsgesellschaft.

In Weißensee hat man sich deshalb entschlossen, ein Konzept gemeinsam mit der Stephanus-Stiftung und fünf jungen Genossenschaften zu entwickeln. Das städtebauliche Konzept für die Fläche Georgen-Parochial III sieht eine Vierteilung des Geländes vor, wobei die Teile am Ende wieder zu einer Einheit verschmelzen sollen. Geplant ist, dass an der Gustav-Adolf-Straße eine dreizügige Grundschule mit Sporthalle entsteht. Südlich davon möchte die Stephanus-Stiftung drei Gebäude für betreutes Wohnen, Pflegeeinrichtungen und eine Kita errichten. Westlich von Grundschule sollen fünf weitere Gebäude mit jeweils 50 Wohnungen entstehen. Jedes dieser Häuser wird von einer anderen der „jungen Genossenschaften“ errichtet. Mit im Boot sind die Mietergenossenschaft Selbstbau, die Selbstbaugenossenschaft Berlin, das Studentendorf Schlachtensee, die WBG „Am Ostseeplatz“ und „Bremer Höhe“. Auf der Fläche südlich von den Genossenschaften und der Stephanus-Stiftung sind außerdem noch 10 500 Quadratmeter frei, die für das familienorientierte Wohnen einem Baugruppenprojekt zur Verfügung gestellt werden sollen.

Noch nicht ganz so detailliert ist das Konzept für den Grundstücksstreifen auf dem Friedhof Segen. Dort wird die Stephanus-Stiftung ihr Projekt „Village“ umsetzen. Es soll quasi ein kleines „Dorf“ für geflüchtete Menschen entstehen, und zwar mit Platz für 156 Erwachsene und 34 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Umgesetzt werden soll ein Konzept mit vier Säulen – mit Unterkünften, Bildungs-, Arbeitsintegrations- und Begegnungsangeboten. Das „Village“ soll auf etwa einem Drittel der Fläche errichtet werden. Daran soll sich dann ein neu anzulegender Waldspielplatz anschließen. Schließlich könnte noch ein Neubau mit Wohnungen, Ateliers und Arbeitsräumen in experimenteller Bauweise entstehen. Bei diesem Vorhaben sei aber noch „nicht alles in trockenen Tüchern“, meint Siegfried Kleimeier.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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