Bezirksamt will Dauersperre / Umbau Pichelsdorfer nicht vor 2021
Weißenburger bleibt abgehängt

Das rot-weiße Absperrgitter blockiert seit einem Jahr die Einfahrt in die Weißenburger Straße.
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  • Das rot-weiße Absperrgitter blockiert seit einem Jahr die Einfahrt in die Weißenburger Straße.
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Zwölf Monate nach der Testphase macht das Bezirksamt Nägel mit Köpfen. Die Weißenburger Straße soll an der Kreuzung zur Pichelsdorfer dauerhaft gesperrt werden. Nicht alle sind dafür.

Die Einfahrt zur Weißenburger Straße wird nicht wieder geöffnet. Stattdessen soll eine bauliche Dauerlösung die provisorische Blockade an der Kreuzung zur Pichelsdorfer Straße ersetzen. Das gab das Bezirksamt jetzt bekannt. „Der endgültige Umbau dieses Verkehrsknotens kann aber erst im Zuge der Gesamtbaumaßnahme Pichelsdorfer Straße erfolgen“, teilte Baustadtrat Frank Bewig (CDU) mit. Weil die Verkehrslenkung Berlin (VLB) das jetzige Provisorium mit Absperrgitter und Einfahrt-Verbotsschild jedoch über den 30. April 2019 hinaus nicht genehmigt, will das Bezirksamt schon mal Bordsteine verlegen lassen, Poller und Verkehrszeichen fest installieren. Finanziert werden soll das mit den Fördermitteln, die 2019 für den Baustart auf der Pichelsdorfer Straße vorgesehen waren. Der aber verspätet sich erneut.

Knapp 70 Prozent der Befragten
befürworten die Dauersperre

Seine Entscheidung zur Dauersperre begründet das Bezirksamt mit der „großen Zustimmung aus der Bevölkerung“ und den „nur geringen Auswirkungen auf den Individualverkehr in den Nebenstraßen“. Das hätten Verkehrszählungen und Umfragen im Kiez ergeben. Die hatte das Bezirksamt mit Beginn der probeweisen Sperrung im Januar 2018 auch angekündigt. Mittlerweile liegen die ersten Auswertungen vor. In der Summe fällt die Resonanz laut Bezirksamt überwiegend positiv aus. So ergab eine Umfrage des Geschäftsstraßenmanagements Wilhelmstadt (Sanierungsgebiet) unter Gewerbetreibenden, dass eine Mehrheit der Schließung zustimmt. Eine Fragebogenaktion des Sanierungsmanagers KoSP unter Anwohnern brachte mit fast 70 Prozent Befürwortern ein ähnliches Ergebnis. Laut Verkehrszählung hat sich das Verkehrsaufkommen in den Nebenstraßen während der Testphase nicht erhöht oder sogar verringert. Beispielsweise in der Zimmerstraße und Brüderstraße. Mehr Verkehr gibt es dagegen in der Adamstraße und Betckestraße. Auch die Stadtteilvertretung (STV) ist mehrheitlich für das Abhängen der Weißenburger. Was nicht verwundert, denn die STV, konkret die AG Verkehr, hatte die Idee. Erklärtes Ziel: Die Kreuzung entschärfen und die Wohnstraßen östlich der Pichelsdorfer vom Durchgangsverkehr entlasten.

Die Geschäftsleute aus der Weißenburger Straße sind hingegen nicht mit dieser Maßnahme einverstanden, wie sich bei einem Vor-Ort-Termin der FDP-Fraktion am 25. Februar zeigte. Viele sehen sich nämlich von ihren Kunden abgehängt. Wie Antje Schlegel zum Beispiel, die seit 38 Jahren den „Teeladen“ betreibt. „Meine Kundschaft ist spürbar weniger geworden“, sagte die Geschäftsfrau. Auch die „Bastelbiene“ und „Blume 2000“ sind gegen die Dauerschließung. Zwar ist es in der Weißenburger ruhiger geworden. „Aber seit die Einfahrt gesperrt ist, müssen die Leute einen  Umweg fahren oder finden keinen Parkplatz“, sagte Christiane Müller. Die Inhaberin vom „Schoko-Engel“ und dem Friseursalon gleich um die Ecke ärgerte sich aber noch über etwas anderes. „Uns wurde gesagt, die Kreuzung wird gesperrt, weil sie ein Unfallschwerpunkt ist. Als wir eine Statistik sehen wollten, hieß es dann plötzlich, das sei sie doch nicht, aber man wolle den Verkehr beruhigen.“ Eine ältere Anwohnerin bangte um die „letzten Geschäfte hier“. Nach zwei Stunden waren 22 Anwohner und Gewerbetreibende gegen die Sperrung, einer dafür. „Das werden wir dem Stadtrat so mitteilen“, kündigte Matthias Unger an. Der FDP-Fraktionschef will parallel dazu eine kleine Anfrage an das Bezirksamt richten.

Haben die Wasserbetriebe getrödelt?

Wie aber geht es mit dem Vorhaben voran, die Pichelsdorfer Straße baulich zu verschönern? Erster Spatenstich sollte schon 2016 sein, dann 2019. Doch daraus wird nichts. „Uns wurde vom Bezirksamt mitgeteilt, dass die Wasserbetriebe doch erst noch Leitungen erneuern müssen, obwohl sie frühzeitig in die Projektplanung eingebunden waren“, berichten die Stadtteilvertreter Emilio Paolini und Frank Meyer. „Das ist ärgerlich. Wir sagen den Leuten, es geht endlich los und dann passiert wieder nichts.“

Bei den Berliner Wasserbetrieben geht man von August 2020 aus. Frühestens. Ein Jahr später könne dann das Tiefbauamt damit beginnen, die Bürgersteige neu zu verlegen, informierte Sprecher Stephan Natz. Aufwendig erneuert werden muss vor allem die Regenwasserkanalisation. „Die reicht bei Starkregen nicht mehr aus“, so Natz. In den nächsten vier Wochen wollen die Wasserbetriebe prüfen, ob die Pichelsdorfer Straße für die Kanalarbeiten in zwei Abschnitte aufgeteilt werden kann. Damit es schneller geht. Zurück weist Stephan Natz den Vorwurf, dass die Wasserbetriebe hier etwas versäumt hätten. „Wir fangen unsererseits erst an zu planen, wenn wir vom jeweiligen Bezirk die Ausführungsplanung bekommen, also den Straßenbauentwurf. Oder eine schriftliche Erklärung, dass wir beginnen können.“ Dieses Prozedere kenne jeder Bezirk. Was die Pichelsdorfer Straße angeht, so wissen die Wasserbetriebe von dem Bauvorhaben schon länger. „Das ist richtig“, so Stephan Natz. Entsprechend informiert habe das Bezirksamt die Wasserbetriebe aber erst im April 2018. „Mündliche Absprachen sind für uns nicht verbindlich.“

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