Kunst ist produzierendes Gewerbe
Das Umspannwerk Wittenau wird zum Kreativstandort

Vom Filmdreh über Kunstinstallation bis Restaurant ist im Umspannwerk Wittenau alles möglich.
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In der Breitenbachstraße 32 steht das Umspannwerk Wittenau, ein Koloss aus roten Klinkersteinen, erbaut 1925–1929. In Betrieb ist das Werk nicht mehr. 2015 haben es Henry Howe und seine Partner von Vattenfall gekauft. Sie entwickeln das Areal zum Kulturstandort „für Künstler, die aus der Innenstadt verdrängt werden“.

Momentan gäbe es mehrere Interessenten für das fast 100 Jahre alte, denkmalgeschützte Industriegelände, sagt Howe. Da wäre etwa das Fraunhofer Institut, das sich vorstellen kann, dort ein Prototypencenter aufzubauen. Dabei würden Startups Unterstützung bei Machbarkeitsstudien und der Zertifizierung ihrer Ideen bekommen. Ein guter Zweck, meint Howe, denn ein solches Zentrum trüge dazu bei, dass die Patente für fortschrittliche Produkte in Deutschland blieben und weltmarktfähige Prototypen in Berlin produziert würden. Auch das Konzept eines Gastwirts findet Howe spannend. Dieser möchte im Gebäude eine Lagerhalle für seine Lebensmittel anlegen, die gleichsam Restaurant mit industriellem Charme sein soll. Auch Proberäume für Bands, mittlerweile ein knappes Gut in der Stadt, seien denkbar.

Endgültig entschieden ist für das Umspannwerk allerdings noch nichts. Denn bei allen Überlegungen ist den Eigentümern eines wichtig: Das Gelände soll ein Refugium für Künstler und die Kreativwirtschaft sein, die es in der Innenstadt vor allem wegen der hohen Mieten schwer haben, noch Räume zu finden. „Das Einfachste wäre gewesen, ein Verwaltungskonzept mit festen Nutzern zu entwickeln. Wir haben das bewusst nicht gemacht“, sagt Howe. Ein Verwaltungskonzept, das bedeute oft: Der Meistbietende sichert sich den Zuschlag. Das Umspannwerk Wittenau aber soll in erster Linie kreativen Ideen Raum bieten und obendrein eine gewisse Wandelbarkeit behalten, die vielen Künstlern Chancen eröffnet.

Kunst ist ein mächtiger Wirtschaftsfaktor

„Ich sehe das Projekt auch als Standortentwicklung für Reinickendorf“, sagt Howe, der selbst im Bezirk geboren und aufgewachsen ist. Künstler in den Norden zu holen, brächte auch der Gegend einen Mehrwert, mache sie attraktiver und belebe sie. Zum Glück, sagt er, habe er im Stadtplanungsamt einen Ansprechpartner gehabt, der das genau so sieht. Kunst sei produzierendes Gewerbe, habe dieser gemeint, als Howe und seine Partner ihm die Pläne vorstellten. Kunst wird dort also als Teil desjenigen Wirtschaftssektors gesehen, der für ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes verantwortlich ist.

Dass ein begehrtes Industrieareal nach diesen Grundsätzen entwickelt wird, ist in Berlin selten. Das Umspannwerk Wittenau wird nur an ausgewählte Projekte, etwa Filmfirmen, die einen Drehort suchen, vermietet. Den Verwaltungsaufwand eingerechnet, reicht es, um die Instandhaltungskosten zu decken. 25.000 Euro fallen jährlich dafür an, davon alleine 8000 Euro Grundsteuer. Der Strom wird nur angeschaltet, wenn er gebraucht wird. So spart die Verwaltung bei Leerstand Geld und gerät nicht unter Druck, sich konzeptionell unpassende Mieter suchen zu müssen. Bereits 2015 hat Howes Firma das Areal Vattenfall abgekauft, doch seine große Stunde schlägt erst noch.

Den Roten Drachen
endlich wachküssen

Wer das Werk in Zukunft bespielen wird, das wird auch die für Januar 2019 geplante Ausstellung „Unseen Westeros“ von preisgekrönten Animationskünstlern der HBO-Erfolgsserie „Game of Thrones“ mit beeinflussen. Diese stellen im gesamten Gebäude die Landschaften der Fantasywelt aus. Wenn alles gut läuft, kann sich Howe eine Verlängerung der Ausstellung vorstellen. Und wer weiß, wer durch das Event noch so auf den Komplex aufmerksam wird? „Der rote Drache hat lange darauf gewartete, dass er wachgeküsst wird“, sagt Howe im Hinblick auf eine Figur der Fantasygeschichte, aber auch auf den ehrwürdigen Klinkerbau. Stadtweite Aufmerksamkeit dürfte dem Umspannwerk Wittenau zu Beginn des nächsten Jahres jedenfalls sicher sein.

Autor:

Josephine Macfoy aus Schöneberg

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