Vor Abriss gerettet
Die zwei Litfaßsäulen am Mexikoplatz bleiben dank des Denkmalschutzes erhalten

Die Litfaßsäule an der Ecke Lindenthaler Allee und Limastraße steht unter Denkmalschutz und wird daher nicht abgerissen.
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  • Die Litfaßsäule an der Ecke Lindenthaler Allee und Limastraße steht unter Denkmalschutz und wird daher nicht abgerissen.
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Bis Ende Juni sollen alle Litfaßsäulen im Stadtgebiet verschwunden sein. Der größte Teil davon wird durch neue ersetzt. Vom Abriss verschont bleiben die denkmalgeschützten. Davon gibt es etwa 50 in Berlin. Einige davon müssen daraufhin noch überprüft werden. In Steglitz-Zehlendorf bleiben von rund 220 nur zwei Exemplare stehen – die beiden Säulen am Mexikoplatz.

Am Mexikoplatz verändert sich nichts. Die Säule vor dem Eingangsgebäude des S-Bahnhofs bleibt, ebenso das Exemplar gegenüber an der Ecke Lindenthaler Allee und Limastraße, denn beide gehören zum Ensemble und Gartendenkmal Mexikoplatz, das unter Schutz steht. Ein ausschlaggebender Grund, wie Juliane Stamm vom Landesdenkmalamt erklärt. „Wir prüfen alle Säulen auf ihr Alter und daraufhin, ob sie in einem Denkmalbereich stehen.“ Ist das der Fall, erhöhen sich die Chancen auf den Erhalt.

Viele Säulen sind historische Nachbauten

Das Exemplar an der Ecke Limastraße, bekrönt von einem prächtigen kuppelartigen Aufbau, ist vermutlich ein Original aus der Zeit um 1905. Die Säule vor dem S-Bahnhof-Eingang mit ihrem „Kopfschmuck“ aus Blätter-Motiven ist allerdings nicht so alt wie sie aussieht. „Sie wurde 1985 zur Eröffnung des restaurierten Platzes aufgestellt und ist ein historischer Nachbau“, erläutert Stamm. Was übrigens für zahlreiche Exemplare gelte. „Es gibt nicht viele, die von Anfang an stehen geblieben sind.“ So seien zahlreiche Säulen im Krieg zerstört worden, wurden als Feuerschutz oder zum Barrikadenbau benutzt.

„Jetzt heißt es, ein Berliner Original würde verschwinden, aber das stimmt so nicht“, sagt Stamm. „Alle 20 bis 30 Jahre werden Säulen schon mal ausgetauscht.“ Zum einen sei die Lebensdauer nicht unbegrenzt, es komme zu Schäden. Die Stahlbewehrungen im Beton rosten, Blechsäulen können umfallen, etwa wenn ein Auto dagegen fährt. Zum anderen ändere sich der Werbemarkt im Lauf der Zeit, auch dann mussten neue Säulen her.

Bleiben in Steglitz-Zehlendorf immerhin zwei alte runde Werbeträger stehen, werden in anderen Bezirken alle vorhandenen Säulen abgebaut – in Marzahn-Hellersdorf, in Neukölln, in Tempelhof-Schöneberg. In Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain und Spandau wird noch geprüft. In Prenzlauer Berg bleiben drei Litfaßsäulen vom Abriss verschont. Sie befinden sich an der Szredzkistraße und am Kollwitzplatz, der genau wie der Mexikoplatz als Ensemble unter Denkmalschutz steht.

Stückkosten liegen bei 2500 Euro

Die Wall GmbH hatte die 2500 Litfaßsäulen in Berlin 2006 übernommen, unterlag aber bei einer neuen Ausschreibung der Stuttgarter ILG-Außenwerbung GmbH. Sie erhielt das Werberecht an Litfaßsäulen für 15 Jahre. Seit Januar baut Wall nun im Auftrag des Senats die alten Säulen ab. Sie sind mit weißem oder buntem Papier ummantelt. Gerüchte, die Beklebung bedeute den Abriss, stimmen nicht. Vielmehr deutet sie daraufhin, dass diese Flächen nicht mehr plakatiert werden dürfen. Die ILG errichtet nach und nach neue Säulen aus Beton, Ende April waren es bereits 350. Die Stückkosten liegen bei rund 2500 Euro.

„Wir haben in 2018 alle 2500 Standorte besichtigt, bewertet und zunächst einmal 1500 ausgewählt“, berichtet Stefan Baumann von der ILG. Für diese Standorte wurden Sondernutzungsgenehmigungen beantragt, die zum Großteil schon vorliegen. Wenn die Säulen stehen, wird ermittelt, was ein Stromanschluss kostet. „Danach entscheiden wir, welche beleuchtet werden“, sagt Baumann. Die verbleibenden 1000 Standorte werden nochmals überprüft und gegebenenfalls neue Anträge auf Genehmigungen gestellt.

Die ILG-Säulen sind dicker als die Berliner. Deren Außendurchmesser liegt bei etwas über einem Meter, die neuen werden einen von 1,18 Meter haben und eine Gesamthöhe von 4,07 Metern, die Nutzfläche beträgt 3,60 Meter.

Zu verdanken sind die damals modernen Reklameträger dem Druckereibesitzer und Verleger Ernst Theodor Amandus Litfaß (1816-1874). Er störte sich am wilden Plakatieren an den Hauswänden und orientierte sich an Paris und London – dort gab es bereits Annoncier-Säulen. Vom Polizeipräsidenten Karl Ludwig von Hinckeldey erhielt Litfaß 1854 die Konzession „zur Errichtung einer Anzahl von Annoncier-Säulen“. Die erste davon wurde am 15. April 1855 in der Münzstraße in Mitte aufgestellt.

Die Litfaßsäule an der Ecke Lindenthaler Allee und Limastraße steht unter Denkmalschutz und wird daher nicht abgerissen.
Auch die Säule vor dem Eingang zum S-Bahnhof gehört zum Gesamtensemble Mexikoplatz.

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