Blick hinter die Kulissen werfen
Tag der offenen Tür in der Gipsformerei am 8. Dezember 2019

Zu den beliebtesten Repliken der Gipsformerei gehört die Büste der Nofretete.
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  • Zu den beliebtesten Repliken der Gipsformerei gehört die Büste der Nofretete.
  • Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Gipsformerei / Dirk Laessig
  • hochgeladen von Manuela Frey

Am 8. Dezember 1819 wurde die Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin als „Königlich Preußische Gipsabgussanstalt“ durch Friedrich Wilhelm III gegründet. Aus diesem Anlass lädt die Gipsformerei 200 Jahre später, am Sonntag, 8. Dezember, zu einem Tag der offenen Tür.

Besucher können sich auf kostenfreie Rundgänge durch Werkstätten und Depots sowie praxisnahe Präsentationen in der weltweit größten, noch heute aktiven Museumsmanufaktur freuen.

Die Gipsformerei wurde 1819 durch König Friedrich Wilhelm III. als „Königlich Preußische Gipsabgussanstalt“ gegründet und gehört seit 1830 zu den Königlichen, heute Staatlichen Museen zu Berlin. Damit ist sie deren älteste Institution. Als weltweit größte, noch heute aktive Kunstmanufaktur ihrer Art verfügt die Gipsformerei über ein mehrere Tausend Stücke umfassendes Konvolut von Formen, Master- und Malmodellen. Seit 200 Jahren fertigt sie hochwertige Kunstrepliken aus lokalen, überregionalen und internationalen Museen an. Zum Bestand gehören über 7000 Abformungen von Originalkunstwerken aus nahezu allen Epochen und Weltkulturen, die auf Wunsch gefertigt werden können. Unter ihnen befinden sich neben vielen Arbeiten unbekannter Meister Formen und Abgüsse von über 400 bekannten Künstlern aus der Antike bis zur Neuzeit.

Repliken der Nofrete sind nach wie vor beliebt

Zu den beliebtesten Repliken der Gipsformerei gehört die Büste der Nofretete, deren Original sich heute im Neuen Museum befindet. Mit der ersten öffentlichen Präsentation der Nofretete im Jahr 1924 avancierte die Modellbüste aus der Bildhauerwerkstatt des Thutmosis zum begehrten Kultobjekt; die erste Replik der Nofretete erschien bereits unmittelbar nach ihrem Fund im Dezember 1912 im Jahr 1914 im Inventarbuch der Gipsformerei.

Quadriga wäre ohne die Gipsformerei verloren gewesen

Gäbe es die Gipsformerei nicht, wäre Berlin heute um ein Wahrzeichen ärmer: Die Quadriga des Brandenburger Tores, 1793 von Johann Gottfried Schadow modelliert, wurde noch im Jahre 1942 abgegossen, bevor sie im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde. Nach einigem Hin und Her zwischen Ost und West wurde 1957 in monatelanger Arbeit ein neues, originalgetreues Bildhauermodell der Quadriga von der Gipsformerei hergestellt. Nach diesem Muster konnte die Bronzegießerei Noack die Figurengruppe in Kupfertreibarbeit neu produzieren. Schadows Quadriga ist eines von über 600 Beispielen für zerstörte, verschollene, beschlagnahmte oder gestohlene Originale, die als Abformungen in der Gipsformerei bewahrt werden. Hinzu kommen Werke, deren Erhaltungszustand sich seit der Abformung erheblich verschlechtert hat oder die in Einzelteile zerstreut sind. Als Dokumentation der zeitlichen Veränderung werden die Abgüsse somit selbst zum Original und sind eine wichtige historische Quelle.

Einblick in den Arbeitsalltag

Der Tag der offenen Tür am 8. Dezember gibt Besuchern Einblicke in den facettenreichen Arbeitsalltag der Gipsformerei: Mitarbeiter bieten halbstündlich stattfindende Führungen in die Depots sowie Rundgänge zu ausgewählten Objekten, wie dem Zeus-Giebel aus Olympia, an. In Präsentationen wird die Fertigung von Museumsrepliken aus unterschiedlichen Formarten – von der historischen Gelatine- und Stückform bis zur modernen Silikonform – vorgeführt. Alle Fertigungsstufen vom Formbau über die Feinretusche bis zur farblichen Fassung durch Skulpturenmaler werden erläutert. Besucher können sich zudem über die Restaurierung von kriegsgeschädigten Kulturgütern informieren. Eine Kinderrallye sowie Getränke und Snacks runden das Angebot für die ganze Familie ab.

Sonderausstellung in der James-Simon-Galerie

Anlässlich ihres 200-jährigen Jubiläums zeigt die Gipsformerei noch bis zum 1. März 2020 die Ausstellung „Nah am Leben“ im Sonderausstellungsraum der James-Simon-Galerie. Mit rund 200 Exponaten erschließt die Ausstellung den Bestand der Gipsformerei querschnittsartig und geht der Idee nach, dass die Abformung dem Leben (und dem Tod) buchstäblich am nächsten kommt. Sie macht die tragende Bedeutung der Abformung in der Geschichte der Bildhauerei deutlich und weicht Grenzlinien zwischen Kunst, Nicht-Kunst, Handwerk und Wissenschaft auf. Von Tierabgüssen über Totenmasken von Geistesgrößen des 19. Jahrhunderts, Körperteilmodelle aus der Künstlerausbildung und den sensiblen Sammlungsbestand von Menschenabgüssen aus kolonialen Kontexten wird der Bogen zu prominenten Werken von Donatello, Auguste Rodin, Marcel Duchamp oder George Segal und zeitgenössischen Arbeiten geschlagen.

Der Tag der offenen Tür findet statt am 8. Dezember von 11 bis 16 Uhr in der Sophie-Charlotten-Straße 17/18. Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich, wegen begrenzter Platzanzahl kann es zu Wartezeiten kommen.

Autor:

Manuela Frey aus Charlottenburg

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