Der gute Geist vom Waldorf Astoria
Linda Urban hat sich als Concierge durchgesetzt

Noch immer sind zumindest in Deutschland weibliche Concierges ungewöhnlich. Linda Urban störte sich nicht daran. Heute gehört sie bereits fast zum Inventar des Waldorf Astoria und zur internationalen Vereinigung ihres Berufsstandes "Der goldene Schlüssel".
  • Noch immer sind zumindest in Deutschland weibliche Concierges ungewöhnlich. Linda Urban störte sich nicht daran. Heute gehört sie bereits fast zum Inventar des Waldorf Astoria und zur internationalen Vereinigung ihres Berufsstandes "Der goldene Schlüssel".
  • Foto: Waldorf Astoria
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Der Kiez-Kompass ist in dieser Woche gleichzeitig ein Nachtrag zum Weltfrauentag am 8. März. Linda Urban, 34 Jahre alt, arbeitet im Hotel Waldorf Astoria als Concierge. Damit hat sie sich nicht nur einen Traum erfüllt, sondern sich auch in einer Männerdomäne etabliert.

Mit Beginn ihrer Ausbildung in der Hotellerie war Linda Urban von diesem Beruf ihrer Branche am meisten fasziniert. Die Chef-Dienstleisterin zu geben, das sollte es sein. 2008 beendete sie ihre Lehre und weil sich zunächst keine Gelegenheit ergab, arbeitete sie vier Jahre lang an der Rezeption. „Ich wollte unbedingt in der Hotellerie bleiben“, berichtet sie. Ein glücklicher Zufall kam ihr dann zu Hilfe: „Mein aktueller Chef, denn ich in der Ausbildung kennengelernt hatte, kam zurück nach Berlin und wollte mich hier im Waldorf Astoria in seinem Team haben“, sagt sie. Weil eine Frau als Concierge damals noch sehr ungewöhnlich war, habe sie der Hoteldirektor beim Bewerbungsgespräch gefragt, warum er denn nun ausgerechnet sie nehmen sollte. „Eine meine Antworten war, dass eine Frau im Team in vielerlei Hinsicht positive Auswirkungen haben könne“, erinnert sie sich.

Der Meinung war der Direktor auch. Deshalb kann sie jetzt das beruflich machen, was sie sich immer gewünscht hat, zum Beispiel die Wünsche der Gäste bereits im Vorfeld ihrer Ankunft oder aber spontan erfüllen. „Oft möchten sie Theater- oder Konzertkarten haben, eine Stadtrundfahrt machen, brauchen etwas von der Apotheke oder benötigen dringend noch ein Geburtstagsgeschenk für die Mutter“, erzählt Urban.  

Sportlicher werde es schon, wenn ein Gast innerhalb der nächsten Stunde einen Ferrari vor der Tür stehen haben möchte oder am nächsten Tag gerne einen Hubschrauber für einen Rundflug chartern will. „Haben wir aber auch beides hinbekommen“, sagt sie. Dankbar war auch die Frau, die auf dem Weg zu einer Halloween-Party war, als eine Naht ihres Kostüms platzte. „Nichts hatte mehr auf, kein Schneider war mehr im Haus. Eine Kollegin und ich haben die Dame quasi wieder in ihr Kostüm hinein genäht. Provisorisch, aber sie konnte auf die Party gehen.“ Einer der Fälle übrigens, für den es gut gewesen sei, eine Frau zu sein. „Ich glaube, mein Kollege hätte das nicht gemacht“, sagt Urban und lacht.

Genau darin liege der ganz große Reiz: „Es gibt immer wieder neue Herausforderungen.“ Der andere: "Es ist ein sehr dankbarer Beruf. Durch die direkte Betreuung erfährt man große Wertschätzung der Gäste und daraus bezieht man wiederum sehr viel Motivation. Das hat man an der Rezeption nicht in dieser Form.“

Und da gibt es ja noch die Berufsvereinigung „Der goldene Schlüssel“, dessen 180 Mitglieder in Deutschland und 4000 Mitglieder weltweit den Namen als Symbol am Revers tragen. „Ich liebe unsere Treffen, auf denen wir uns vernetzten und austauschen. So können wir für den Gast zum Beispiel schnell den Kontakt zum Concierge seines nächsten Hotels herstellen. Beruflich wie sozial ein echter Mehrwert“, sagt Urban.

95 Prozent alle Wünsche, schätzt sie, könnten den Gästen erfüllt werden. Von 7 bis 23 Uhr täglich dienen sie oder einer ihrer drei männlichen Kollegen als Ansprechpartner für die Reisenden aus im besten Fall 232 Zimmern. Freilich erlebt das Quartett nicht jeden Tag kuriose Geschichten, 80 Prozent ihrer Arbeit seien alltägliche Aufgaben, wie Reservierungen im Restaurant oder die Koordination des Limousinen-Services, erklärt Urban. Seit sieben Jahren arbeitet sie nun im Waldorf Astoria als Concierge. Heute staunen auch kaum noch Gäste, dass sie dort eine Concierge begrüßt. „Das war am Anfang noch anders“, sagt sie. Heute seien die Leute höchstens ab und an noch ein wenig irritiert, wenn sie anstelle des Doorman die Tür der Limousine öffne oder einen Autoschlüssel herausgebe.

Ihr Beruf ist der Luxus-Hotellerie vorbehalten, daher seien die Arbeitsplätze begrenzt. Zu einem Concierge könne man sich am besten im Laufe einer Karriere in der Hotellerie entwickeln, für Quereinsteigerinnen sei das eher schwer bis unmöglich, sagt Urban. Aber generell würde sie aufgrund ihrer Erfahrung jungen Frauen schon empfehlen, ihren eigenen Weg zu gehen, auch wenn der noch nicht so breit getrampelt ist. Sie selber wird vorerst keine neue Richtung einschlagen, alles ist für sie derzeit gut so, wie es ist.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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