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Kritik am Hundegesetz: Experten sehen in Leinenpflicht Verstoß gegen Tierschutz

Berlin. Berlin bekommt ein neues Hundegesetz - inklusive Leinenzwang. Zwar soll es Ausnahmen für alle geben, die einen Hundeführerschein vorweisen können. Doch Tierschützer sind empört.

Der Senat hat das neue Gesetz verabschiedet. Es muss noch nun ins Abgeordnetenhaus eingebracht werden. Der Entwurf von Justizsenator Thomas Heilmann stößt bei Tierschützern auf Kritik.

Denn nur noch jene Halter, die einen Sachkundenachweis - Hundeführerschein genannt - vorweisen können, sollen ihre Hunde auf ausgewiesenen Flächen ohne Leine laufen lassen dürfen. In Parks, Fußgängerzonen oder anderen öffentlichen Bereichen ist die Leine sowieso Pflicht. Wer den Hundeführerschein macht, geht nach Heilmanns Ansicht wahrscheinlich verantwortungsvoller mit seinem Tier um. Das sehen Tierschützer allerdings anders.

Eisenhart von Loeper, Vorsitzender der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz, hält den Hundeführerschein für ein Alibi, das viel Bürokratie schafft und sozial Schwächere benachteiligt. Seiner Meinung nach brauchen alle Hunde die Möglichkeit, ohne Leine herumzulaufen.

"Unabhängige Sachverständige sagen, dass ansonsten Verhaltensfehlentwicklungen erzeugt werden", so von Loeper. Fehlentwicklungen will Berlin mit dem Gesetz aber eigentlich vermeiden. Der Senat verspricht sich davon, dass die Zahl der Beißattacken sinkt, die sich jedes Jahr in Berlin ereignen.

Von Loeper sieht im umfassenden Leinenzwang einen Verstoß gegen Paragraf 2 der Tierschutz-Hundehaltungsverordnung, der für Hunde "ausreichend Auslauf im Freien" vorschreibt, und kündigt eine Klage gegen das Berliner Vorhaben an. Die Kritik an der Leinenpflicht unterstützt auch der Berliner Tierschutzverein. Eine tiergerechte Haltung werde damit in der Stadt unmöglich gemacht.

Jana Tashina Wörrle / jtw

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