Unisex-Toilette sorgt für Unmut: Dicke Luft im ersten geschlechtsneutralen Rathausklo

Ein kleines Schild gegen die Diskriminierung: Dem Unisex-Klo ist egal, welchem Geschlecht man anhört.
  • Ein kleines Schild gegen die Diskriminierung: Dem Unisex-Klo ist egal, welchem Geschlecht man anhört.
  • Foto: Thomas Schubert
  • hochgeladen von Thomas Schubert

Charlottenburg. Jedes geschlechtliche Selbstverständnis ist willkommen beim Wasserlassen im ersten Unisex-Klo des Bezirks. Aber ob Bürger es als solches kennen und gerne nutzen, ist fraglich. Dem entgegen steht der Geruch.

Wer es kennt, nähert sich ihm widerwillig. Nach dem Betätigen der Türklinke atmet man besser durch den Mund. Das Unisex-Klo, vor rund zehn Monaten eröffnet und direkt neben der Bibliothek im Rathaus Charlottenburg verortet, soll verhindern, dass sich jemand wegen seines Geschlechts diskriminiert fühlt. So gut meinten es jedenfalls die Bezirksverordneten mit ihrem einstimmigen Bitte um eine „Prüfphase“ für ein solches Örtchen.

Was die Umwidmung eines ganz normalen Herrenklos wirklich bringt, wollte man in der Praxis erproben. Noch ist das Experiment nicht abgeschlossen, da wünschen die ersten schon eine Änderung der Versuchsanordnung. Ob man den besonderen Lokus im Rathaus nicht an einer weniger stark besuchten Stelle verorten kann? SPD-Politikerin Christiane Timper fragt nach. Denn sie weiß, dass die Unisex-Toilette zu den besonders stark genutzten Aborten gehört.

Gestank kommt aus den Rohren

Übernutzung versus gute Erreichbarkeit – das ist aus Sicht von Immobilienstadträtin Dagmar König (CDU) der Konflikt, den man in Kauf nehmen muss. Man habe sich bei der Erprobung der öffentlichen Unisextoilette bewusst für einen stark frequentierten Standort am Eingangstor entschieden. Bei der Umnutzung des Herrenklos schien der Aufwand klein und der Erkenntnisgewinn groß. „Der Gestank kommt hauptsächlich aus den Toilettenrohren“, sagt König zum Vorwurf der mangelnden Hygiene. „Das Rohrsystem ist in diesem Hause nun einmal ein sehr altes. Wenn es nicht genügend gewässert wird, steigen Gerüche auf.“ Das geschehe keineswegs nur in der Unisex-Toilette, sondern auch an etlichen anderen Orten im Gebäude, wie die Stadträtin aus eigener Erfahrung weiß.

Sie habe Putzleute bereits angewiesen, zusätzlich Reinigungsmittel in die Schüsseln zu kippen. „Aber aufgrund des hohen Zeitdrucks wird es wohl oft vergessen“, mutmaßt König. Ob denn schon Erfahrungsberichte von Besuchern vorliegen, die den Sonderlokus bewusst aufsuchen? Stadträtin König verneint dies – und möchte Nutzungsverhalten auch nicht aktiv observieren. Bedarf an weiteren Unisex-Toiletten gebe es bisher keinen. tsc

Autor:

Thomas Schubert aus Charlottenburg

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Ugur Yaman - Der Gründer und Experte von Optic Hair
4 Bilder

Optic Hair beherrscht sein Handwerk
Mit einer Haarpigmentierung in Berlin bei Optic Hair erreichen Sie einen natürlich aussehenden Stoppel-Effekt auf Ihrer Kopfhaut

Eine Haarpigmentierung Berlin ist der sanfteste Weg zu vollem Haar. Ganz ohne Skalpell und Narben füllt sich das Haarkleid wieder auf. Verständlich, dass viele Alopezie-Patienten die sanfte Behandlung als Gamechanger sehen. Endlich können sie sich auch ohne Transplantation wieder frisch, jung und selbstbewusst fühlen – ganz ohne horrende Haarpigmentierung Kosten. Haarpigmentierung bei Optic Hair – lichtem Haar keine ChanceLichte Stellen im Haarkleid sind eine psychische Belastung, der sich...

  • Bezirk Mitte
  • 16.05.22
  • 17× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
In einem Notfall muss alles ganz schnell gehen.

Caritas-Klinik Dominikus Berlin-Reinickendorf
Aus dem Alltag einer Notärztin

Bei einem Notfall sind die ersten Minuten entscheidend. In Sekundenschnelle muss der Notarzt Entscheidungen treffen und lebensrettende Maßnahmen einleiten. Oft kann er in letzter Minute helfen, doch manchmal gelingt es auch nicht. Nerven wie DrahtseileBei aller Hektik braucht es Nerven wie Drahtseile, um ruhig und konzentriert zu bleiben. Im letzten Jahrzehnt hat sich die Notfallmedizin zu einer eigenen, hochspezialisierten Fachrichtung weiterentwickelt – immer mit dem Ziel zu helfen, weil jede...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 11.05.22
  • 91× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Dr. Michael Pieschka
3 Bilder

Caritas.EndoskopieZentrum.Berlin
Warum eine Darmspiegelung Leben retten kann

Die Experten des Caritas.EndoskopieZentrum.Berlin geben Antworten rund um das Thema Darmspiegelung und Darmkrebsvorsorge. Gemeinsam leiten Dr. Michael Pieschka und Dr. Christian Breitkreutz das Endoskopiezentrum der Caritas Gesundheit an den Standorten in Reinickendorf und Pankow. Warum ist Darmkrebsvorsorge sinnvoll? Dr. Pieschka: Darmkrebs ist ein „stiller“ Krebs – wenn man ihn bemerkt, ist es fast immer zu spät. Deshalb ist Vorsorge so wichtig. Über 90 Prozent der bösartigen...

  • Pankow
  • 09.05.22
  • 104× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Die fortschreitende Digitalisierung erleichtert unser Leben immer mehr. Kein Wunder also, dass auch die Telemedizin immer mehr Befürworter verzeichnet.

Für Ärzte und Patienten
10 Vorteile von Telemedizin

Die fortschreitende Digitalisierung erleichtert unser Leben immer mehr – egal ob es um Bankangelegenheiten, Behördengänge oder die Inanspruchnahme von Lieferdiensten geht. Kein Wunder also, dass auch die Telemedizin immer mehr Befürworter verzeichnet (Quelle: ntv.de). Gerade in Zeiten von Pandemien wird besonders deutlich, wie wichtig die Telemedizin ist – und was sie alles leisten kann. Doch wo genau liegen ihre Vorteile? In diesem Artikel werden wir die Vorzüge der Telemedizin genauer unter...

  • Bezirk Mitte
  • 07.04.22
  • 369× gelesen
WirtschaftAnzeige
Wir beraten Sie gern und heben uns daher ab, Ihre Individualität auch auf dem letzten Weg zu wahren.
3 Bilder

Wir sind für Sie da
Für einen Abschied nach Ihren Vorstellungen

„Die Beerdigung soll ganz einfach sein - auf der grüne Wiese, anonym. Keiner, soll sich um eine Grabpflege kümmern und es soll günstig sein.“ Diesen oder ähnliche Sätze hören wir öfter von unseren Kunden. Wir, Theodor Poeschke Bestattungen, führen nicht nur aus, sondern beraten Sie umfangreich über die neuen, pflegefreien und oft deutlich günstigeren alternativen Bestattungsmöglichkeiten. So sparen Sie leicht 500 bis 600 Euro. Wir sind für Sie da, damit Sie auf Ihre Art Abschied nehmen können....

  • Bezirk Spandau
  • 04.05.22
  • 153× gelesen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.