"Die Menschen haben Hunger!"
Gabi Decker macht armen Senioren den Kühlschrank voll

Kabarettistin Gabi Decker ist nicht einverstanden, wie mit der älteren Generation umgesprungen wird, hilft aber lieber anstatt anzuklagen.
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Corona- Unternehmens-Ticker

Gabi Decker ist wild entschlossen, verarmten Senioren in Berlin zu helfen. Nicht erst seit gestern, aber im Zuge der Corona-Krise um so mehr. „Ich habe gemerkt: Die Menschen haben Hunger!“

Ende vergangenen Jahres beendete Decker ihre Laufbahn als Kabarettistin. Ein letzter, gefeierter Auftritt in der Universität der Künste besiegelte das Ende ihrer Karriere als „Quatschmacherin“, wie sie ihren Beruf bezeichnet. 30 Jahre im Business waren genug, sie wünschte sich Momente, in denen sie alleine irgendwo in Ruhe einen Kaffee trinken kann. „Tatsächlich sehne ich mich nach ein bisschen Langeweile“, sagt sie. Doch die 63-Jährige hat noch jede Menge Energie, dem Vernehmen nach sei es deshalb noch nicht so weit. Und was sie auch sagt: „Irgendwie wollte ich schon immer älteren Menschen helfen.“ Und schickt hinterher: „Ich bin Jüdin, meine Großeltern wurden von den Nazis umgebracht. Ich hatte also keine Oma und keinen Opa. Vielleicht kommt das daher.“

2012 jedenfalls hatte sie die Gabi-Decker-Stiftung mit dem Ziel gegründet, Senioren, die von ihrer kargen Grundsicherung kaum leben können, mit Sachspenden unter die Arme zu greifen. Sie nutzte ihr großes Netzwerk an Freunden und Bekannten, und das war aufgeschlossen, fleißig zu spenden. Gabi Decker wandelte den Mammon in seniorengerechte Betten, Matratzen, Kühlschränke, warme Bettdecken, Kopfhörer für den Fernseher oder Waschmaschinen um und machte damit bedürftige ältere Mitbürger glücklich – kostenfrei. „Heute würde ich keine Stiftung mehr gründen. Von dem Geld dafür hätte ich sehr viele Waschmaschinen kaufen können“, sagt sie und rollt mit den Augen.

In den jüngsten Gesprächen mit genau diesen Menschen fragte sie dann kürzlich aus einem Gefühl heraus und weil die Tafeln seit Beginn der Corona-Krise geschlossen haben nach, wie es denn mit dem eigentlichen Überleben aussehe. „Weil diese Generation sehr bescheiden ist, lauteten die Antworten zunächst so, als wäre alles in Ordnung. Aber ich habe nachgehakt und habe gemerkt: Die Kühlschränke sind leer, diese Menschen haben Hunger.“

"Die Stiftung bin ich"

Die Idee, Senioren mit kostenlosen Lebensmitteln zu versorgen, war geboren. Gabi Decker ließ sich von der Buchhaltung ihrer Stiftung Grünes Licht geben und bietet nun Folgendes zusätzlich an: Bedürftige rufen sie an, sie notiert sich die Einkaufsliste, geht in den Discounter zum Einkaufen, packt die Tüten in den Lieferwagen ihres einen Fahrers und der liefert den Einkauf noch am selben Tag, spätestens aber am nächsten Tag aus. Einzige Bedingung: die Bestätigung der Grundsicherung, die der Fahrer vor Ort abfotografiert. „Einfach und schnell soll es gehen, Soforthilfe eben“, sagt Decker, die entweder persönlich ans Telefon geht oder später den Anrufbeantworter mit der Bestellung abhört. „Die Stiftung bin ich, ich mache das alleine“, sagt sie.

Die Würde älterer Menschen zu erhalten, deren Einsamkeit entgegenzuwirken, auch das steckt hinter dem selbst erteilten Auftrag von Gabi Decker. Sie weiß, dass es von Armut Betroffenen aus Scham schwer fällt, um Hilfe zu bitten. „Aber sie können und sollen wirklich anrufen, das ist keine Schande“, findet sie. Sie wohnt zwar in Charlottenburg, möchte aber ganz Berlin das Angebot machen. „Ich kenne genügend Leute, die mir Hilfe angeboten haben. Die werden dann in die Pflicht genommen“, sagt Decker.

Gabi Decker ist täglich ab 11 Uhr unter der Telefonnummer 433 96 81 zu erreichen. Alle Informationen zu ihrer Stiftung gibt es auf der Homepage www.gabi-decker-stiftung.de.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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