Schiedsrichter im Streik
Berliner Fußball-Verband musste alle Spiele absetzen

Ohne Schiri geht es nicht – hier Dr. Severin Fischer in der Partie SV Tasmania gegen SC Charlottenburg im Mai dieses Jahres.
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Berlins Fußball-Schiedsrichter haben gestreikt. Damit reagierten sie auf die immer weiter zunehmende verbale und körperliche Gewalt gegen ihre Person.

Diesen Streik hatte der Schiedsrichterausschuss des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) am 24. Oktober mit deutlicher Mehrheit beschlossen, woraufhin das Präsidium des BFV alle Amateurspiele für das Wochenende 26. und 27. Oktober abgesagt hatte. Betroffen waren rund 1.600 Spiele im Erwachsenen- und Juniorenbereich, Partien im Futsal sowie alle Duelle im Freizeit- und Betriebssportspielbetrieb.

„Es muss irgendetwas passieren“, sagt zum Beispiel Bernhard Klabe, Schiedsrichter für den SC Charlottenburg. Er und seine Kollegen seien in zunehmendem Maße körperlicher Gewalt, der Androhung von körperlicher Gewalt sowie immer ausufernder verbaler Entgleisungen und Beschimpfungen ausgesetzt. „Die Gewalt auf Berlins Plätzen ist in dieser Saison gegenüber der Vorsaison gestiegen“, weiß auch Jörg Wehling, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses. „Bereits jetzt nach wenigen Spieltagen haben wir 109 Vorfälle von Gewalt und Diskriminierung auf den Berliner Plätzen zu verzeichnen.“ In 53 Fällen wurden die Schiedsrichter als Opfer gezählt. „Das sind alarmierende Zahlen, hier ist Handlungsbedarf gefordert und ein deutliches Stopp-Zeichen zu setzen.“

Das Präsidium des BFV kritisierte das eigenmächtige Vorgehen des Schiedsrichterausschusses, sah sich aber aus organisatorischen Gründen dazu veranlasst, alle Spiele abzusagen. Durch das eigenmächtige Handeln seien bereits Spekulationen, Informationen und Absprachen innerhalb der Vereine erfolgt, die nur schwer zu korrigieren gewesen seien, heißt es in einer Mitteilung des BFV.

Zunehmende Gewaltbereitschaft

„Die zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber Schiedsrichtern sehe auch ich mit großer Sorge“, betont BFV-Präsident Bernd Schultz. „Hier gilt es, konsequent und gemeinsam gegen die Täter vorzugehen und alle Möglichkeiten der Sportgerichtsbarkeit auszuschöpfen.“ Gleichzeitig dürfe ein Ausstand von Schiedsrichtern aber immer nur die letzte Konsequenz sein. Aus seiner Sicht seien noch nicht alle Möglichkeiten der Präventionsarbeit ausgeschöpft worden.

In den Vereinen zeigt man überwiegend Verständnis für die Entscheidung der Schiedsrichter. Viele Beteiligte – Spieler und Verantwortliche – hätten noch immer die Wichtigkeit und Bedeutung der Schiedsrichter für ein Fußballspiel nicht verstanden, betont zum Beispiel Said Müller, Trainer beim Berlin-Ligisten FC Brandenburg 03. Die Referees verdienten mehr Anerkennung und Respekt. Fehler passierten und gehörten zum Spiel. An anderer Stelle heißt es, dass dieser Streik auch und ganz besonders die Falschen treffen würde, nämlich alle die, die sich Woche für Woche absolut korrekt auf dem Fußballplatz verhalten würden. Und das sei – so auch BFV-Geschäftsführer Kevin Langner – die absolut überwiegende Mehrheit aller Berliner Fußballer.

Es wird aber auch der Finger in eine ganz andere Wunde gelegt: So ist immer wieder zu hören, dass es nicht zuletzt die Sportgerichtsbarkeit mit oft zu milden Urteilen verpasse, ein deutliches Zeichen zu setzen.

Autor:

Michael Nittel aus Reinickendorf

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