Oldtimer am Handgelenk
Ein berühmtes Berliner Original feiert 150. Geburtstag

Leonhard R. Müller trat mit seiner Berliner Uhrenmanufaktur das Erbe der legendären Askania-Werke an.
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  • Leonhard R. Müller trat mit seiner Berliner Uhrenmanufaktur das Erbe der legendären Askania-Werke an.
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„Askania“ ist mit 150 Jahren Berlins älteste und zugleich jüngste Uhrenmanufaktur. Denn die Werke wurden zweimal gegründet – zuletzt 2004 von Firmenchef Leonhard R. Müller.

George Lucas und Robert „Kool“ von „Kool and the Gang“ haben eine. Auch Heidi Hetzer und Udo Walz trugen sie. Askania, die Hauptstadtuhr. Echte Handarbeit Made in Berlin. Ticktack macht es auch am Puls von Leonhard R. Müller. Der Chef trägt eine „Avus“ mit schwarzem Ziffernblatt, passend zum dunklen Sakko. Inspiriert von der legendären „Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße“ kommt die Uhr im Original-Askania-Design der 1920er-Jahre daher. „Ihr Ziffernblatt ist nach einer Borduhr designt“, sagt Müller. Was den Zeitmesser gut lesbar macht. Die Avus war auch die Lieblingsuhr von Heidi Hetzer. Die berühmte Rallyefahrerin hatte sie sogar bei ihrer Weltreise dabei. Der Mann im dunklen Sakko muss es wissen, er hat ihr die Uhr verkauft.

Leonhard R. Müller ist Vorstandschef der Askania AG mit Stores und Werkstätten in Charlottenburg und Mitte. Hier werden Edel-Chronografen mit den Namen Tempelhof, Tegel, Quadriga oder Taifun produziert. „Wieder produziert“ muss es korrekt heißen, denn Askania ist eine der ältesten Uhrenmanufakturen in der Stadt und zugleich eine der jüngsten. Denn die Werke – der Name geht auf das Adelsgeschlecht der Askanier zurück – wurden zweimal gegründet. 1871 von Carl Bamberg, einem Protegé von Carl Zeiss. Diese Firma produzierte nicht nur Uhren, sondern auch Präzisionsgeräte für die Luftfahrt, Schiffskompasse, Borduhren und Kameras. Volker Schlöndorff drehte mit so einer historischen Filmkamera Szenen für seine „Blechtrommel“. 1971 kaufte Siemens die Askania-Werke auf. Die zweite Gründung war 2004, als Leonhard R. Müller das Erbe antrat und in seiner Uhrenmanufaktur die Herstellung hochwertiger Armbanduhren aufnahm. Die Rechte am Firmennamen hatte er Siemens abgekauft. In Berlin saß die neue Uhrmacherwerkstatt von 2005 bis 2011 zunächst in einem Hinterhofbau an der Roennebergstraße in Friedenau. 2007 eröffnete Müller die Manufaktur mitsamt Flagshipstore in den Hackeschen Höfen in Mitte. Die andere Adresse ist heute am Kurfürstendamm 170, wo Askania mit Showroom und Museum im eleganten Palais Holler residiert.

Der Firmenchef stammt selbst aus der „Goldstadt“ Pforzheim, die bis in die 1970er-Jahre Sitz zahlreicher Uhrenhersteller war. Zur Uhr kam Müller aber vor allem über ein persönliches Erlebnis. „Meine beiden Großväter schenkten mir zur Konfirmation Taschenuhren“, erzählt der Gründer. Von der Mechanik des Uhrwerks mit seinen Zahnrädchen war er so fasziniert, dass er sich vornahm, beruflich mit Uhren zu arbeiten. Er ließ sich bei Christian Dior ausbilden, der auch Uhren entwarf. Es folgten Jahren in der Schweizer Uhrenindustrie. In alten Publikationen und Fachzeitschriften begegnete Müller häufig dem Namen Askania und er entdeckte auch Abbildungen von alten Fliegeruhren. Seine Neugier war geweckt: „Ich wollte wissen, was aus dieser Firma geworden ist.“ Als er Siemens später die Namensrechte abgekauft hatte, beauftragte Müller in seiner Heimatstadt Pforzheim einen Uhrmachermeister damit, zwei historische Askania-Pilotuhren nachzubauen. Gleichzeitig ging er auf die Suche nach Partnern zur Firmengründung.

Heute ist Askania wieder ein authentischer Teil von Berlin. Das Besondere an der Hauptstadtuhr und zugleich ihr Alleinstellungsmerkmal ist, dass die mechanischen Uhren (mit Handaufzug) von sechs ausgebildeten Uhrmachern nach Originalplänen oder alten Originalen zusammengebaut werden. Das dauert einen halben oder einen ganzen Tag, je nachdem, ob die Uhr noch einen Sekundenzeiger, einen Kalender oder eine Stoppuhr hat. Zum Team gehören zudem 14 Kreative und Kaufleute. Rund 14 Uhrenmodelle hat die Manufaktur im Sortiment. Verkauft wird auch in die USA, Mexiko, Japan oder Dubai.

Über mangelnde Kundschaft kann sich Leonhard R. Müller nicht beklagen. Selbst in Zeiten des Smartphones nicht. „Handy und Armbanduhr, das ist so, wie wenn einer ein ganz modernes Auto hat und dazu noch einen Oldtimer fährt.“ Außerdem kann man sich mit einer Uhr hübsch kleiden, sagt Müller. Erst recht mit einer noblen Askania. Und natürlich haben der Herr und die Dame von Welt damit immer den Zeitgeist im Blick. Denn Askania-Uhren gehen auf die Sekunde genau. „Ich habe jedenfalls noch nie was anderes gehört“, sagt Müller. Einen großen Traum wollen sich der Firmenchef und sein Team unbedingt noch erfüllen. „Dass wir unsere eigenen Uhrenwerke herstellen und sie nicht mehr einkaufen müssen.“ Das ist der Plan, „wenn Corona vorbei ist“.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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