"Kleener Werner" ganz groß
Werner Sicherheitstechnik feiert 50-jähriges Bestehen

Die Frage der Nachfolge ist geklärt: Wolfgang Werner (links) wird das Geschäft an seinen Sohn Andreas und seine Tochter Sabrina übergeben. Der Chef wollte das Foto in der Nähe der Tätigkeit machen lassen, mit der alles begann: Schlüssel zufeilen.
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  • Die Frage der Nachfolge ist geklärt: Wolfgang Werner (links) wird das Geschäft an seinen Sohn Andreas und seine Tochter Sabrina übergeben. Der Chef wollte das Foto in der Nähe der Tätigkeit machen lassen, mit der alles begann: Schlüssel zufeilen.
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Mit 6,99 D-Mark auf dem Postscheckkonto hat Wolfgang Werner einst den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. In diesem Jahr wird die Werner Sicherheitstechnik GmbH 50 Jahre alt – und floriert.

„Na hol’ doch den kleenen Werner“, haben sich Schauspieler wie Wolfgang Völz oder Friedrich Schoenfelder zugerufen, wenn wieder einmal einer ihrer Schlüssel zu den Spinden in der Garderobe der Ku’damm-Bühnen abriss und im Schloss steckte. Der „kleene Werner" kam dann mit seiner blauen Werkzeugkiste rüber von seiner Wohnung und half den Schauspielern aus der Patsche.

Heute ist Wolfgang Werner 75 Jahre alt und grinst, wenn er an die Geschichten von früher denkt. „Das kam gar nicht so selten vor“, erinnert er sich. „Bei den Generalproben wurde gerne mal Alkohol getrunken und die Kreuzbartschlüssel waren empfindlich. Natürlich musste ich anschließend auch noch einen mittrinken.“

Gelernter Maschinenbauer war Werner ursprünglich – und zwar ein guter. Als solcher, so sagt er heute, landete man damals meist als Werkzeugmacher in einer Fabrik. „Das wollte ich nicht.“ Er heuerte also bei einem Schlüsseldienst in der Nürnberger Straße an. „Mein Chef konnte es nicht fassen, wie schnell ich ihm die Schlüssel gefeilt habe. Auf das Hundertstel genau, das war für mich ganz normal.“ Er war nicht nur handwerklich begabt, sondern auch geschäftstüchtig. So leierte er den Umzug des Geschäfts an den Tauentzien an, gegenüber vom Kaufhaus des Westens. „Das war gut für uns, aber ich bin mit meinem Chef nicht klar gekommen.“ Für Wolfgang Werner war klar: Selbstständig wollte er sein. Sein erster Laden lag an der Kantstraße, vis-à-vis der heutigen Hausnummer 86. „Der war nur 1,68 breit, richtig klein“, sagt er und verrät die nächste kuriose Geschichte: „An dem Tisch hier im heutigen Tresorraum, hatte damals die Bank ihren Sitz, die mir den Startkredit in Höhe von 15.000 D-Mark bewilligt hat.“

Eröffnet wurde am 1. Februar 1970. Werner feilte fleißig Schlüssel und baute Schlösser um. Nach und nach erweiterte er sein Angebot. Seine Qualität sprach sich herum, schon bald musste er expandieren. 1976 hatte er bereits sieben Mitarbeiter, in diesem Jahr gründete er auch die Werner Alarmanlagen GmbH. Ein benachbarter Laden nach dem anderen wurde geschluckt. „Ich brauchte Schaufenster, zum Beispiel für die Sicherheitstüren. Das war wichtig, damals gab es keinen Onlinehandel. In der Auslage stand dann auch einmal ein kleines Auto wie ein Messerschmitt Kabinenroller, als Blickfang.“

Bis ins Jahr 2000 lief alles blendend, dann wollte der Vermieter die Mietverträge gar nicht beziehungsweise nur um ein weiteres Jahr verlängern. „Das ging für mich nicht, ich musste umziehen.“ Das tat Wolfgang Werner dann auch, an den heutigen Standort. „Der Umzug war nach 34 Jahren an der gleichen Adresse die Hölle“, erinnert er sich. „Ein echter Schlag ins Kontor.“

Den Ausbau übernahm Werner aus Kostengründen selber, handwerklich keine einfache Aufgabe und auch der Amtsschimmel setzte ihm zu: „Ich habe den ersten Bauantrag an das Bezirksamt Charlottenburg geschickt. Als ewig keine Reaktion kam, habe ich nachgefragt und erfahren, dass der Eingangsbereich der neuen Adresse die Postleitzahl von Charlottenburg hat und der hintere Bereich zu Wilmersdorf gehört. Weil ich beim Bauamt Charlottenburg Alarm gemacht habe, waren die dann aber recht freundlich im Rathaus Wilmersdorf“, sagt er und lacht.

Wolfgang Werner hat in seinem Arbeitsleben hartnäckig allen Widrigkeiten getrotzt, Marketing- und Betriebswirtschaftsschulungen waren für ihn selbstverständlich. Er hat oft die richtigen Marktnischen erkannt, wie vor dem Mauerfall, als er in der DDR günstig Alarmzentralen für Geldspielautomaten bauen ließ und sie im Westen Berlins an die Kneipiers verkaufte. „Ein echter Markt, denn die Automaten wurden gerne geknackt“, sagt er und fordert dazu auf, an dem Schaltkästchen zu riechen. „So roch damals das Putzmittel im Osten.“

Werner wird seinen beiden Kindern Sabrina, 36 Jahre alt, und Andreas (53) ein grundsolides Unternehmen mit mehr als zwei Dutzend Mitarbeitern überlassen. Sein dritter Sohn hat ein eigenes Unternehmen in der Steiermark. Die Firma Werner macht mittlerweile auch in Tresore, baut Sicherheitstüren ein und beklebt sie mit Sicherheitsfolie, richtet Alarmanlagen ein, hält rund um die Uhr seine Notrufzentrale besetzt und – ganz wichtig: Sie bietet ihre Produkte mit den entsprechenden VDS-Zertifikaten an. „Das verlangen die Sachversicherer, heute dringlicher als je zuvor.“ Noch eine Besonderheit ist die „Schlüsseldeponie“: Wer Sorge hat, er könnte sich eines Tages aussperren, kann bei Werner einen Haustürschlüssel hinterlegen.

Ohne seine Frau Silvia wäre seine Erfolgsgeschichte nicht möglich gewesen, das weiß er. "Sie ist auch in der Firma tätig und einfach sensationell." Heute ist er noch an zweieinhalb Tagen im Geschäft, ansonsten frönt er seinem großen Hobby, dem Golfspiel. Gefeiert wird das Jubiläum mit geladenen Gästen in einem Hotel. Die Kunden können sich am Geburtstag selber, Sonnabend, 1. Februar, mit der Firmengeschichte vertraut machen.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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