Amsel, Drossel, Fink und andere Stars
"Die Vögel" im Theaterforum

Wie einem der Schnabel gewachsen ist.
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  • Wie einem der Schnabel gewachsen ist.
  • Foto: Manfred Eulenbruch
  • hochgeladen von Thomas Frey

Die Vorlage stammt aus der Antike. Verfasst hat sie der griechische Dichter Aristophanes, der um 445 bis etwa 385 vor Christus gelebt hat. Das Stück ist sehr modern. Es handelt von Abschottung, neuem Denken, Machtwillen, Hybris. Selbst ohne heutige Anklänge, etwa aus dem Bereich Social Media, wird das schnell klar.

"Die Vögel" heißt diese, so der Untertitel, "Wunschtraum-Komödie" und ist die diesjährige Eigenproduktion des Theaterforum Kreuzberg. Das Haus an der Eisenbahnstraße widmet sich unter der Regie von Anemone Poland speziell vergessenen oder selten gespielten Bühnenwerken. Auch "Die Vögel" ist keine Klassiker auf den Spielplänen. Zu Unrecht, wie gerade diese Inszenierung zeigt.

Zwei Athener Bürger haben genug von dem Trubel, vor allem der Überfremdung in ihrer Heimatstadt. Sie machen sich auf die Suche nach einem neuen Lebensort und haben dabei schnell die Vögel im Visier. So frei zu leben, über allem zu schweben wie die Flügeltiere, würde sehr zu ihren Vorstellungen passen.

Natürlich etwas geordneter. Die Vögel brauchen einen eigenen Staat zwischen Himmel und Erde. Ummauert, damit weder die Götter von oben, noch die Menschen von unten darin Zugang finden. Was uneingeschränkte Herrschaft über beide bedeuten würde. Amsel, Drossel, Fink und die anderen wären dann die wirklichen Stars. Waren sie eigentlich schon immer, nur haben sie sich darum bisher nicht gekümmert. Das sollen sie jetzt aber, durch die beiden Erdbewohner, denen Flügel wachsen.

Die Vogelvertreter sind zunächst skeptisch, willigen dann aber ein. Das neue Vogelreich, genannt Wolkenkuckucksheim, entsteht. Dort läuft es dann aber etwas anders, als es sich Spatz, Nachtigall und Co vorgestellt haben. Im Innern werden renitente Arten bestraft, aufmüpfige Hühner landen auf dem Grill. Von außen versuchen zunächst Menschen, den Vögeln ihre Verordnungen und Gesetze aufzudrücken. Als das nicht gelingt, verlegen sie sich auf Unterwürfigkeit, auch das ohne Erfolg. Tauglich sind die Erdbewohner aber für den Handel. Etwa den Ankauf von Vogelfedern.

Die Götter, ihres direkten Kontaktes zur Menschheit beraubt, drohen zunächst mit Krieg, treten dann in Verhandlungen ein und domestizieren schließlich den Vogelstaat mit einer List.

Tierisches Musical

In dieser Parabel können Analogien ohne Ende transportiert werden. Das macht das Theaterforum mit Lust. Schon durch zahlreiche sprachliche Vogel-Variationen. Haben die nicht schon deshalb ältere Rechte, weil die Menschen sie ständig im Mund führen? Der hat "eine Meise", Raffkes werden als "Geier" bezeichnet, Schreiberlinge sind "Schmutzfinken", die gerne "Enten" produzieren. Sie und viele andere sind "schräge Vögel".

Das wird häufig durch Songs untermalt, durch eigene Reime, aber auch vieles aus dem Vogel-Volksliedgut: "Kommt ein Vogel geflogen" oder "Alle Vögel sind schon da". Weshalb die Theaterforum-Vögel auch ein tierisches Musical sind.

Die Botschaft ist seit Aristophanes gleich geblieben. Menschen, die sich über ihre Spezies erheben, ein Reich über ihnen aufbauen, Mauern errichten, Fremde fernhalten wollen, produzieren vor allem Chaos und Leid, gerade auch bei denen, die ihnen nachlaufen oder hier hinterher fliegen.

Theaterforum Kreuzberg, Eisenbahnstraße 21. Aufführungen bis 5. April, freitags bis sonntags um 20 Uhr; Eintritt: 18, ermäßigt zehn Euro, Berlinpass-Inhaber fünf Euro. Tickets unter ¿70 07 17 10 oder www.tfk-berlin.de.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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