Stadtspaziergang
Die wirkliche Mitte Berlins entdecken

Diese Platte markiert die Mitte von Berlin.
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  • Foto: Bernd S. Meyer
  • hochgeladen von Hendrik Stein

Zur 192. Berliner-Woche-Führung lade ich Sie zum Mittelpunkt Berlins ein. Der befindet sich nicht, wie man denken könnte, am Fernsehturm oder an der Siegessäule. Nein, der Mittelpunkt Berlins befindet sich in Kreuzberg und er hat sogar eine Adresse: Alexandrinenstraße 13, 10969 Berlin.

Eine rechteckige Steinplatte markiert diesen Mittelpunkt – laut Inschrift verantwortet vom Vermessungsamt Kreuzberg in Zusammenarbeit mit der Steinmetz- und Bildhauer-Innung Berlin. Die Festlegung „Flächenschwerpunkt Berlins von 1996“ zeigt den Umriss des Stadtgebiets der damals 23 Bezirke und hebt den mittigsten und zweitkleinsten, nämlich Kreuzberg, deutlich heraus. Sogar mit einem dicken Pfeil. Davor kam der Spandauer Ortsteil Staaken-West wieder zum vereinigten Berlin, aber auch ein von Ahrensfelde nach Marzahn eingemeindetes Neubaugebiet und der Endbahnhof der U5, der trotz seines Namens nicht mehr zum märkischen Hönow, sondern zum Hellersdorfer Hönow-West gehört.

In Kreuzberg kann man mit wenigen Schritten begreifen, wie Berlin einst gewachsen ist. Bis 1860 endete die Alexandrinenstraße im Süden der alten Luisenstadt noch vor der Zollmauer. Draußen umschloss der Landwehrkanal die Stadtgrenze. Wo rund 130 Jahre lang eine Ziegelsteinmauer war, stehen seit Anfang des 20. Jahrhunderts die eisernen Hochbahnstützen. Die Namen der alten Zoll-Stadttore sind aber noch in den Bahnhofsnamen der Linie eins aufgehoben.

Das riesige Patentamt an der Gitschiner Straße ist zu jener Zeit schon mitten in die Stadt gebaut worden. Die Grenze  Berlins war zu Wilhelminischen Zeiten bis ans Tempelhofer Feld gerückt. In den 1880er-Jahren hatte Berlins Stadtbaurat Hermann Blankenstein das Lehrerwohnhaus der 1. Realschule Alexandrinenstraße 4/5 in seinem seriellen Klinker-Klassizismus der späten Schinkelschule entworfen. Auch damals war das noch Luisenstadt. Wussten Sie, dass die alte Neuenburger Straße gegenüber an die heutige Schweizer Stadt Neuchâtel erinnert, die lange die preußischen Könige von Berlin aus regierten?

Um die Alexandrinenstraße stehen die Häuser der Otto-Suhr-Siedlung aus den Jahren 1958 bis 1963. Die meisten Bäume ringsum ragen längst über die Drei- bis Viergeschosser hinaus, selbst das einzige Hochhaus steht mitten im Grünen. Weite Wiesenflächen laden zum Spielen ein. So umschließt den Mittelpunkt Berlins eine großzügiges Wohnidyll, auch die nahe Schule erinnert mit ihren Pavillonbauten an den modernen und sozialen Wiederaufbau der Stadt in den Jahren des Kalten Krieges.

Dort steht auch das kleinste Fachwerkhaus Kreuzbergs. Schräg über die Straße fallen die Betonkuben der einstigen katholischen St. Agnes-Kirche ins Auge. Heute ist dies ein Kunstort, und so wunderte es mich nicht, als Transport-Profis mit ihrer Hebetechnik eine mächtige weiße Flügelfigur ins Innere des Hauses bugsierten. Wie man hört, ist dies eine Arbeit des amerikanischen Künstlers Daniel Arsham, inspiriert von der berühmten Nike von Samothrake, einer antiken Plastik aus dem zweiten Jahrhundert vor Christi, die heute im Pariser Louvre steht. Im griechischen Götterhimmel war die Nike für den Lob des Sieges wie auch des Friedens zuständig, römisch hieß sie Viktoria. Gibt es beides längst in Berlin: Auf der Siegessäule die Goldelse des Bildhauers Friedrich Drake und von seinem Lehrer Christian Daniel Rauch eine viel bescheidenere kleine Nike oben auf Cantians Friedenssäule im Mehringplatz-Rondell.

Der Spaziergang beginnt am 25. September um 11 Uhr. Treffpunkt ist die Ecke Gitschiner und Alexandrinenstraße am Patentamt, zu erreichen mit der U1 und der U3 bis U-Bahnhof Prinzenstraße.

Die Führung ist für Leser der Berliner Woche kostenlos. Allerdings ist eine vorherige Anmeldung erforderlich: Am Dienstag, 21. September, in der Zeit von 10 bis 12 Uhr anrufen unter Tel. 887 27 71 00.

Autor:

Bernd S. Meyer aus Mitte

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