Demonstratives Massenkiffen: Aktionstag für Cannabisfreigabe im Görlitzer Park

Dicke Dinger: Dieses Rohr soll 42 Zentimeter lang sein.
4Bilder
  • Dicke Dinger: Dieses Rohr soll 42 Zentimeter lang sein.
  • Foto: Thomas Frey
  • hochgeladen von Thomas Frey

Rauch und ein typischer Duft lagen am 20. April geballter als sonst über den Resten des Pamukkale-Brunnens im Görlitzer Park. In einigem Abstand wurde das Treiben von etwa einem halben Dutzend Polizisten beobachtet, die aber nicht eingriffen.

Das ganze war als sogenannter 420 Smoke-In vom Berliner Hanfverband angekündigt worden. Die Zahlenreihe bezog sich auf das Datum sowie den exakten Termin um 16.20 Uhr. Denn der 20. April wurde inzwischen zum Aktionstag für die Freigabe von Cannabis ausgerufen.

Darum ging es auch bei diesem Massenkiffen. Haschisch oder Marihuana sollen in Deutschland endlich völlig straffrei geraucht und legal bezogen werden können, fordert nicht nur der Hanfverband. Bisher ist das nur in wenigen Ausnahmefällen möglich. Aus medizinischen Gründen können einige Konsumenten die Ware seit 2017 auf Rezept bekommen. Nutznießer hatten beim Smoke-In dann die Funktion als "Flankenschutz".

Abgesehen von der aus diesem Anlass großen Anzahl bekennender Kiffer sind Menschen, die mit einem Joint in der Öffentlichkeit unterwegs sind, eigentlich kein Aufreger mehr. Erst recht nicht im Görlitzer Park, dem wahrscheinlich bekanntesten Drogen-Eldorado in Berlin. Es war kein Zufall, dass der Aktionstag erneut dort stattfand. Manche Teilnehmer sahen das allerdings anders. Nicht nur argwöhnischen Blicken, sondern auch manchen Repressionen seien sie weiterhin ausgesetzt.

Der Besitz von geringen Mengen Cannabisprodukten wird inzwischen in der Regel nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Etwas anders sieht es aus, wenn jemand beim Kauf erwischt wird. Nur eine Ungereimtheit im Umgang mit bestimmten Substanzen, auf die natürlich auch der Hanfverband hinweist. Er sieht die völlige Freigabe weicher Drogen als Lösung für viele Probleme.

Unterstützung von Linken und FDP

Dafür gibt es auch politische Unterstützung. Sie war in Person von Pascal Meister, Bundestagsabgeordneter der Linken für Friedrichshain-Kreuzberg, und David Jahn, Berliner Landesvorsitzender der FDP-Nachwuchsorganisation Junge Liberale, vor Ort. Normalerweise verbindet diese beiden und ihre Parteien wenig. Bei der Cannabisdebatte argumentieren sie aber ähnlich. Es gebe einen riesigen Schwarzmarkt für diese Produkte. Warum den nicht in den regulären Wirtschaftskreislauf überführen, den illegalen Drogenhandel dadurch minimieren und darüber hinaus auch noch Steuereinnahmen generieren? Die Konsumenten wären besser vor schlechter Ware geschützt – ein Plus für den Gesundheitsaspekt. Dazu kämen positive Erfahrungen aus anderen Ländern oder US-Bundesstaaten, in denen die Freigabe inzwischen praktiziert werde. Alles, so wurde natürlich ebenfalls betont, unter strengem Einhalten des Jugendschutzes. Auch beim Aktionstag wurde darauf geachtet, dass sich nicht Minderjährige dem gemeinschaftlichen Kiffen anschlossen.

Was das Suchtrisiko angehe, sei es ein schlechter Witz, wenn Leute, die am Abend mehrere Maß Bier in sich hineinschütten, über die Gefahren von Cannabis schwafeln würden, ätzte Pascal Meiser. Sowohl in seiner, wie auch in anderen Fraktionen werde gekifft. Wenn die Leute dazu auch öffentlich stehen würden, wäre das schon ein weiterer Schritt. Dass in das Thema Bewegung kommt, sieht er aber aktuell nicht. Die Linken hätten dazu zwar einen Antrag im Bundestag eingebracht, der werde aber wohl erneut von den Regierungsfraktionen abgeschmettert. Die CDU sei ohnehin dagegen und bei der SPD gebe es keine einheitliche Haltung.

Auch die Forderung, Pilotprojekte einzurichten, werde wahrscheinlich nicht durchkommen. In dieser Richtung gab es bereits vor drei Jahren den Vorstoß von Friedrichshain-Kreuzbergs Bürgermeisterin Monika Herrmann (Bündnis90/Grüne) sogenannte Cofffeeshops einzurichten, bevorzugt im Görlitzer Park.

Gegner: Einfallstor für härtere Drogen

Von den Gegnern wird neben der Abhängigkeit und weiteren Gefahren für die Gesundheit auch die sogenannte Einfallstheorie für ihre Ablehnung ins Feld geführt. Werde an dieser Stelle nachgeben, sei mit weiteren Forderungen, auch andere Drogen zu legalisieren, zu rechnen.

So wird es wohl weiter bei der derzeitigen Situation bleiben, die vielleicht mit einem illegalen Laisser-faire zu umschreiben ist. Deutlich wurde das auch bei manchen Görli-Nutzern, die keinen Aktionstag brauchen, um an einem Joint ziehen zu können. "Es hätten trotzdem noch mehr kommen können", meinte ein Mann, der seine Rauchware in die Sonne hielt. Ein anderer, 22 Jahre alt, fällt durch ein Riesenrohr auf. Nach seinen Angaben hat es eine Länge von 42 Zentimetern. Vier Stunden brauche er, bis davon nichts mehr übrig sei.

Cannabisprodukte konsumiere er seit seinem 14. Lebensjahr, erzählt der junge Mann. Er sieht sie als Gegenmittel zu seinem ADS-Syndrom. Im Medizinprogramm sei er aber bisher nicht. "Ich suche noch nach einem Arzt, der mir das bestätigt."

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

23 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Genießen Sie kulinarische Köstlichkeiten im Spitzenrestaurant "Machiavelli".
  4 Bilder

Restaurant "Machiavelli" am Roseneck
Seit 10 Jahren eine der besten Adressen in Grunewald

Dass das Spitzenrestaurant "Machiavelli" zu den ersten Adressen in der Hauptstadt gehört, ist berlinweit bestens bekannt. So überzeugt die Location seit dieser Zeit mit einer landestypischen italienischen, aber auch alpenländischen Kulinarik vom Feinsten. Darüber hinaus präsentiert sich das "Machiavelli" als wahre grüne Oase inmitten der Großstadt. Aktuell überrascht das Team selbstverständlich auch mit diversen Pfifferlingskreationen, wobei der beliebte, schmackhafte Pilz gern mit einem...

  • Grunewald
  • 04.08.20
  • 159× gelesen
WirtschaftAnzeige
Das Team der Fleischerei Haroun freut sich auf Ihren Einkauf.

Fleischerei Haroun
Wir haben Ihre Grillspezialitäten!

An der Prinzenallee, zwischen dem U-Bahnhof Pankstraße und der Bellermannstraße, gibt es eine stadtweit bekannte Institution: die Fleischerei Haroun. Ihr Besitzer Youcef Haroun ist der in seiner Familie traditionsreichen Berufung zum Fleischer gefolgt. Sein nach Tradition verarbeitetes Fleisch in Halal-Qualität zaubert Kennern ein Lächeln auf die Lippen. Zu seinen Stammkunden zählen die französischsprachige, aber auch in der deutschen und sogar der rumänischen beziehungsweise bulgarische...

  • Wedding
  • 04.08.20
  • 102× gelesen
SozialesAnzeige
In der Gruppe werden Erfahrungen ausgetauscht.
  2 Bilder

Kontaktstelle PflegeEngagement Reinickendorf
"Der Austausch mit anderen tut mir gut"

Inge M. freut sich schon. An zwei Montagen im Monat besucht sie das Angehörigencafé der Kontaktstelle PflegeEngagement, eine Gesprächsgruppe für pflegende und betreuende Angehörige, Freunde und Nachbarn. „Die Pflegesituation zu Hause ist oft sehr anstrengend“, sagt Inge, „das ständige Angebundensein, die körperliche Belastung und Freunde, die sich abwenden. Es gibt natürlich auch schöne Momente. Trotzdem habe ich mir meine Rente anders vorgestellt. Hier in der Gruppe treffe ich Menschen,...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 04.08.20
  • 80× gelesen
WirtschaftAnzeige
  3 Bilder

IdeeZaun
Ihr Wunschzaun wird hier Wirklichkeit

Wir, die Firma IdeeZaun, sind im Zaunhandel bereits seit 2008 tätig. Als mittelständisches Unternehmen an den Standorten Tempelhof und Hermsdorf sehen wir uns als Partner zwischen der Produktion und unseren Kunden. Wir beliefern Privatkunden sowie Garten- und Landschaftsbauer. Mittlerweile sind wir ein etabliertes Unternehmen in Berlin und Brandenburg. Daher würden wir uns freuen, Ihnen auch Ihren Wunschzaun zu planen und zu verwirklichen. Von der Beratung bis zum Aufbau: alles aus...

  • Hermsdorf
  • 04.08.20
  • 132× gelesen
BildungAnzeige
  4 Bilder

Jeder kann was!
Freie Ausbildungsplätze an der Emil Molt Akademie

Wir sind eine Berufsfachschule, Fachoberschule und Fachschule in freier Trägerschaft. Vor zwei Jahren im neuen Vollholzgebäude in Schöneberg eingezogen, freuen wir uns, Ihnen mit neuer Kapazität folgende Bildungsgänge anbieten zu können: Die Ausbildung zum Sozialassistenten, in zwei Jahren - Voraussetzung: Berufsbildungsreife (BBR) Die Ausbildung zum Kaufmännischen Assistenten, in zwei Jahren - Voraussetzung: Mittlerer Schulabschluss (MSA) Die Allgemeine Fachhochschulreife,...

  • Schöneberg
  • 01.07.20
  • 524× gelesen
  •  2
WirtschaftAnzeige
  3 Bilder

Wie hat sich das Einkaufsverhalten in Berlin und Brandenburg verändert?
Mehr Wertschätzung für regionale Lebensmittel?

Der Agrarmarketingverband pro agro und der Verband Digitalwirtschaft Berlin-Brandenburg (SIBB e.V.) befasst sich mit dem Thema:  Mehr Wertschätzung für regionale Lebensmittel.  Toilettenpapier, Hamsterkäufe, Begrenzungen der Kundenzahlen in den Geschäften - die mediale Berichterstattung der vergangenen Monate zum Einkaufsverhalten der Verbraucher war bestimmt von diesen drei Schlagzeilen.  Doch wie hat sich das Einkaufsverhalten in Berlin und Brandenburg verändert? Wurde häufiger im...

  • 03.07.20
  • 792× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen