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Wie das K zum Kotti kam

Wo: Kottbusser Tor, Kottbusser Tor, 10999 Berlin auf Karte anzeigen
Kottbusser Tor: nicht nur wegen der Schreibweise ein besonderer Ort.
Kottbusser Tor: nicht nur wegen der Schreibweise ein besonderer Ort. (Foto: Thomas Frey)

Der Platz, einschließlich U-Bahnhof, heißt Kottbusser Tor. Ebenso wie die Kottbusser Straße, der Kottbusser Damm und die Kottbusser Brücke. Alle benannt nach der Stadt Cottbus in Brandenburg.

Moment. Cottbus schreibt sich mit C. Wie kam also das K zum Kotti? Der Grund: eine Rechtschreibreform vor mehr als 100 Jahren. Sie wurde zwar teilweise wieder zurückgenommen, aber eben nicht am Kreuzberger Verkehrsknotenpunkt.

Die Reform trat 1901 in Kraft. Bis dahin gab es manchmal mehrere, auch parallel existierende Schreibweisen für einen Ort oder Wort. Das Kottbusser Tor ist dafür ein gutes Beispiel. Im 18. Jahrhundert taucht es bereits als Cottbusserthor auf. Als Name für ein Berliner Stadttor, an dem der Weg aus Richtung Cottbus endete. Im 19. Jahrhundert finden sich Bezeichnungen wie Cottbuser Tor, so 1875, oder Kottbuser Tor, 1893. Die zweite nahm die veränderte Rechtschreibung einige Jahre später bereits teilweise vorweg. Sie hatte es unter anderem darauf abgesehen, viele Begriffe, die mit C begannen, durch ein K zu ersetzen. „Eindeutschen“ hieß das damals. So wurde auch aus Cassel Kassel oder aus Cöln Köln. Ebenso sollte das häufig nach einem T folgende H in vielen Fällen ersetzt werden. Also etwa bei T(h)or. So entstand das Kottbusser Tor. Wobei das Doppel-s im Städtenamen ebenfalls einigermaßen phonetisch fragwürdig war.

Die Stadtväter von Cottbus leisteten allerdings Widerstand gegen den Verlust ihres C. Sie erreichten zunächst, dass beide Schreibweisen erlaubt waren, ehe 1905 die ursprüngliche Bezeichnung ein für alle Mal festgeschrieben wurde. Das sollte dann auch überall gelten, wo eine Straße oder Platz an die Lausitzmetropole erinnerte. Erst recht in Berlin. Dort hatte das Kottbusser Tor inzwischen durch die 1902 eröffnete U-, beziehungsweise Hochbahnlinie zwischen Potsdamer Platz und Warschauer Straße zusätzliche Bedeutung bekommen. War das ein Grund, warum die Berliner Stadtväter die Forderung ignorierten? Genau bekannt ist das nicht. Vielleicht hatten sie auch andere Sorgen oder sahen nicht ein, dem Anliegen des Bürgermeisters einer Provinzstadt Folge zu leisten. Nur bei der s-Folge hat es anscheinend noch Variationen gegeben, denn 1926 taucht wieder das Kottbuser Tor auf. Vier Jahre später hieß es dann endgültig Kottbusser Tor. Dabei ist es bis heute geblieben. Hat sich auch sonst überall der Name Cottbus wieder durchgesetzt, am Kotti war das anders.

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