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Studie zur energetischen Sanierung für die Frankfurter Allee Nord vorgestellt

Wie Altbauten im Norden der Frankfurter Allee saniert werden könnten, das zeigt die vom Bezirk in Auftrag gegebene und nun vorgestellte Studie.
Wie Altbauten im Norden der Frankfurter Allee saniert werden könnten, das zeigt die vom Bezirk in Auftrag gegebene und nun vorgestellte Studie. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Kann eine energetische Sanierung ein Gewinn sowohl für Vermieter als auch für Mieter sein? Diese Frage wollte der Bezirk mit einer Studie beantworten. Die Antwort ist für Mieter enttäuschend.

Das Ziel der Studie war ehrgeizig: "Wir wollten zusammen mit privaten Einzeleigentümern von Häusern innovative Strategien für eine energetische Sanierung der Häuser entwickeln", sagt die bezirkliche Klimaschutzbeauftragte Kirsten Schindler. Unter anderem galt es herauszufinden, wie eine effektive energetische Sanierung aussehen muss, damit auch die Mieterstruktur erhalten bleibt. Denn gerade Mieter fürchten eine energetische Sanierung. Die ist zwar gut fürs Klima, aber erhöht die Miete. In der Vergangenheit haben Mieter zudem den Eindruck gewonnen, Häuser würden allein aus dem Grund saniert, um kräftig die Miete nach oben schrauben zu können.

Das Bezirksamt Lichtenberg wollte nun in einer Pilotstudie herausfinden, ob das geht: eine sinnvolle Sanierung zu erträglichen Kosten für Hauseigentümer und Mieter.

Zwei Jahre dauerte die in Auftrag gegebene Studie, bei der Privateigentümer von 17 Gründerzeit-Häusern mit insgesamt 611 Wohneinheiten im Stadtumbaugebiet Frankfurter Allee Nord zur Teilnahme gewonnen wurden. In einem Planspiel wurden mögliche Sanierungsarten der Häuser durchgespielt, und wie sie sich am Ende auf Mieterstruktur, Ökologie, aber auch auf die Wirtschaftlichkeit auswirkten, wenn sie umgesetzt würden. Ende vergangenen Jahres zogen die Projektbeteiligten im Rathaus Lichtenberg eine Bilanz. Die offenbarte, dass hohe Hürden bei einer energetischen Sanierung zu überwinden sind, will man die Mieterstruktur erhalten und trotzdem wirtschaftlich kalkulieren.

So wurden für jedes Gebäude Ansätze entwickelt, wie eine energetische Sanierung aussehen könnte: Dazu gehörten thermografische Aufnahmen der Häuser, die Wärmelecks offenbarten. Bauteile wie Fenster und Türen wurden genau unter die Lupe genommen. Immer im Fokus standen Teil- statt Vollsanierungen: Mal reichte der Austausch der Fenster, mal die Dämmung der Brandwände, um eine effektive Energieeinsparung zu erreichen.

"Bezogen auf alle Objekte könnte mit den Maßnahmen eine Emissionseinsparung von 183 000 Tonnen im Jahr erreicht werden. Das ist in etwa so viel wie 100 Autos emittieren", bilanzierte der an der Studie beteiligte Ingenieur Michael Krätschell vom Büroc "CDP Bauingenieure".

Als problematisch indes stellte sich die Berücksichtigung der Belastung von Mietern und die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen heraus. Noch immer bleibt die Umlage auf die Mieter die attraktivste Methode, um alle Investitionskosten für die energetische Sanierung möglichst schnell wieder reinzuholen. Denn ohne die Umlage ergeben sich Amortisationszeiten zwischen 15 und 35 Jahren, wenn sie über die Energiekosteneinsparung berechnet werden.

"Mit der Umlage der Kosten auf die Mieter amortisiert sich die Investition deutlich schneller", gab Krätschell zu bedenken. Heißt also, dadurch bekommen die Eigentümer ihre Kosten am schnellsten wieder rein. Derzeit können Vermieter die Jahresmiete durch die Umlage um bis zu elf Prozent erhöhen. Diese Erhöhung gilt auch dann, wenn die Investitionskosten sich längst amortisiert haben.

Das Gebiet

Die Frankfurter Allee Nord wurde vor fast sechs Jahren zum Sanierungsgebiet erklärt. Mehrere Millionen öffentlicher Fördergelder sollen es an die Anforderungen eines modernen Stadtbilds anpassen. KW

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