Auferstanden aus Ruinen
Mittes Filetgrundstück rund um die berühmte Tacheles-Ruine wird Nobelviertel

Jochen Sandig war einer der ersten Besetzer der Tacheles-Ruine. Der Kulturfachmann zeigt ein Bild von sich 1990 im Tacheles.
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  • Jochen Sandig war einer der ersten Besetzer der Tacheles-Ruine. Der Kulturfachmann zeigt ein Bild von sich 1990 im Tacheles.
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Vor dreieinhalb Jahren rollten die ersten Bagger auf dem 2,5 Hektar großen Parkplatzareal zwischen Friedrichstraße, Oranienburger Straße und Johannisstraße. Jetzt wachsen die zehn Neubauten rund um die berühmte Tacheles-Ruine sichtbar in die Höhe. Die internationalen Investoren haben jetzt den Grundstein für das Luxusquartier „Am Tacheles“ gelegt.

Nach den vielen Reden der Investoren und Architekten über diesen historischen einzigartigen Ort ist Jochen Sandig noch ein Coup gelungen: Kurz bevor die Edelstahlröhre verschlossen wurde, um per Kran in den Grundstein gehievt zu werden, sprang der Künstler auf die Bühne und stopfte Karten mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN in die Grundsteindose. Sandig, Ehemann von Sasha Waltz, hat 1990 die Tacheles-Ruine besetzt und war die ersten Jahre Chef des Tacheles e.V. Unter dem Motto „Tacheles for Future“ fordert er jetzt eine Tacheles Foundation, „in der sich alle einbringen können: der Investor, die öffentliche Hand, Non-Profit-Organisationen und die Individuen der Gesellschaft“.

Die Kunsthausruine wurde 2012 nach jahrelangen Querelen und Klagen geräumt. Der Spirit ist längst verschwunden. Diesen Mythos von damals könne ein internationaler Entwickler auch nicht wiederbeleben, sagte Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) bei der Grundsteinlegung. Die Schweizer Stararchitekten von Herzog & de Meuron, die den Masterplan für Mittes letztes Filetstück entwickelt haben, sanieren auch das frühere Kaufhaus denkmalgerecht. Die Graffitis und die nackten Wände bleiben; nur der beißende Uringeruch aus den wilden Tacheles-Tagen ist verschwunden.

Tacheles bleibt Kulturort

Das Tacheles muss laut Bebauungsplan Kulturhaus bleiben. Aber wird es zukünftig von einer Stiftung betrieben? Der Projektentwickler pwr development verhandelt derzeit über ein „internationales Museumskonzept, inklusive Restaurant und Veranstaltungsmöglichkeiten“, wie es heißt. Gespräche laufen intensiv mit dem schwedischen Fotomuseum „Fotografiska“. Entschieden ist noch nichts, „wir sprechen auch mit anderen Interessenten“, sagt pwr-development-Chef Sebastian Klatt. „Fotografiska“ würde das gesamte Gebäude bespielen. Es gab auch ein Kinokonzept, „aber das ging nicht, weil die einzelnen Säle sich in dem Haus akustisch gestört hätten und ein Umbau ein immenser Aufwand gewesen wäre“, so Klatt. Gespräche habe es auch mit Stiftungen, dem Goethe-Institut und der Senatskulturverwaltung gegeben.

Das Tacheles-Gebäude wird mit dem Torbogen Eingang zu der rekonstruierten Friedrichstraßenpassage zwischen Oranienburger Straße und Friedrichstraße. Das war eine überdachte Einkaufspassage mit riesiger Kuppel. Die wird es nicht mehr geben, weil die neue Passage nicht wie eine Mall aussehen sollte, sagt Ascan Mergenthaler von Herzog & de Meuron. Dort, wo einst die Kuppel war, entsteht jetzt ein offener Okatagon-Platz, auf dem man wie auf den anderen Stadtplätzen an der Johannisstraße und dem großen Bernsteinplatz verweilen kann. Die Passage sei wie die öffentlichen Plätze im Quartier jeden Tag 24 Stunden geöffnet. In den Erdgeschossen gibt es Geschäfte, oben drüber Büros. In sieben Wohnhäusern entstehen insgesamt 275 exklusive Eigentumswohnungen, vom Mikroappartement bis zum Loft. Zu den Preisen wollte Sebastian Klatt vor Vermarktungsbeginn nichts sagen. Das auffälligste Haus ist das „Oro“, das die Architekten von Herzog & de Meuron neben dem Tacheles-Baudenkmal an der Oranienburger Straße gebaut haben. Markant ist auch das moderne Passagengebäude, das die Lücke an der Friedrichstraße schließt. Der Eingang ist ein erhöhter Torbau. Insgesamt investiert der Immobilienfonds Perella Weinberg Real Estate einen „hohen dreistelligen Millionenbetrag“ in das Gesamtprojekt. Bis zur Milliardengrenze sei noch etwas Abstand, sagt Klatt.

Neben den Schweizer Masterplanern von Herzog & de Meuron haben die Büros Grüntuch Ernst Architekten und das Büro Brandelhuber + und Muck Petzet Gebäude entworfen. Das Tacheles mit der Friedrichstraßenpassage soll 2022, die letzten Gebäude Anfang 2023 fertig sein. Alle Dächer werden begrünt, 170 Bäume gepflanzt.

Künstler verhinderten Abriss

Das fünfgeschossige Haus wurde 1909 als „Friedrichstraßenpassage“ mit rund 100 Läden gebaut. 1928 übernahm die AEG den Passagenkomplex und nutzte ihn als „Haus der Technik“ für Ausstellungen. Zu DDR-Zeiten verrottete das im Krieg stark beschädigte Gebäude weiter. Neben dem Filmtheater Camera und der Artistenschule nutzte die Nationale Volksarmee den Tresorkeller. Anfang der 80er-Jahre wurden die Passagengebäude gesprengt, um Platz für eine Straße zu machen. Das Haus an der Oranienburger Straße sollte auch abgerissen werden. Doch durch die Wende wurde das verhindert. Künstler besetzten 1990 das Haus. Die Kölner Fundus-Gruppe (Hotel Adlon, Kempinski Heiligendamm) hatte das Areal inklusive der Tacheles-Ruine 1998 vom Bund gekauft. Fundus wollte auf dem Gelände ein Johannishof genanntes Viertel mit Büro- und Geschäftshäusern, Eigentumswohnungen, Hotel, Läden und Restaurants bauen. Doch wegen Zahlungsschwierigkeiten kam das Areal unter Zwangsverwaltung. 2014 wurde es mit der Kaufhausruine vom Fonds gekauft.

Infos zur Geschichte des Areals und Pläne unter https://amtacheles.de.

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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