Anwohner ärgern sich über Public Viewing am Beach Mitte

Teures Public Viewing am Beach Mitte. Voll ist es nur zu den Deutschlandspielen.
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Mitte. Kostenpflichtiges Fußballgucken sorgt bei den Nachbarn der größten innerstädtischen Beachvolleyballanlage Europas für Verärgerung. Die Sportanlage wird immer mehr zur Eventlocation.

Abgesperrte Bereiche, private Firmenfeiern, Eintritt für Veranstaltungen - die Betreiber von Beach Mitte am Nordbahnhof machen Teile der Anlage immer öfter zur VIP- oder Bezahlzone. Dass man beim vom Sender Star FM gepowerten Public Viewing jetzt zwischen vier und neun Euro Eintritt zahlen muss, bringt vor allem die Anwohner auf die Palme. Denn sie hören seit Jahren das Ploppen der Bälle, und immer öfter Partymusik von den Feiern. In den Vorjahren war in Beach Mitte Fußballgucken wie fast überall in Berlin umsonst.

Jetzt haben die Beachbarmacher zur Fußball-WM Ohrstöpsel an die Bewohner der Gartenstraße verteilt. Mit einem Flyer, auf dem steht, diese zu benutzen, wenn es zu laut wird oder rüberzukommen, um im Liegestuhl bei einem kühlen Getränk die Spiele zu verfolgen. Dass der chillige Platz neun Euro kostet, steht nicht auf dem Flyer.

Für Anwohner Mario Kurth ist der Ohrstöpsel-Flyer "eine Frechheit." "Wir wollten den Nachbarn eigentlich etwas Gutes tun", sagt Beach-Mitte-Chef Stephan Eckardt. Der Flyer sollte als Gratisticket gelten - allerdings nur für ein einziges Spiel. Die Agentur habe versäumt, das eindeutig zu formulieren. Eckardt betont, dass ihn das Public Viewing eine sechsstellige Summe kostet, weshalb er Eintritt kassieren müsse.

Erst Ende Mai war der untere Bereich zwischen Kletterturm und Pavillon ein Wochenende gesperrt, weil dort die Festa do Brasil stattfand. Das Tagesticket kostete zehn Euro. "Wir versuchen, für unsere Gäste neue Angebote zu machen", sagt Stephan Eckardt zu der Veranstaltung. Doch dies ist "grenzwertig", wie Thomas Vogeley vom Sportamt sagt. "Eine Eventlocation darf das dort nicht werden", so Vogeley. Der Grund, warum der Bezirk ein Mitspracherecht hat, ist der Pachtvertrag zwischen Eckart und dem Bezirk. Die Nutzung der knapp zwei Hektar großen Fläche im früheren Grenzstreifen ist "Betreiben einer Beachvolleyballanlage". Der Bezirk wollte auf dem Gelände ursprünglich einen Sportplatz bauen. Die Pläne wurden 2008 aufgegeben, weil die denkmalgeschützte Hinterlandmauer für das geplante Großspielfeld nicht abgerissen werden konnte. Der Pachtvertrag mit der Firma Beach Mitte wurde bis 2035 verlängert, weil die Betreiber an der Caroline-Michaelis-Straße eine drei Millionen Euro teure Beachhalle bauen wollten. Die Bezirksverordneten wollten das, um die angespannte Hallen- und Sportplatzsituation im Bezirk zu entkrampfen. Eckardt sprach im Sportausschuss vom Familiensportzentrum. Doch die Beachhalle wird nicht gebaut. "Mittlerweile gibt es fünf in Berlin, der Zug ist abgefahren, das lohnt sich nicht mehr", so der Beach-Chef. Stattdessen wurde vor ein paar Jahren ein großer Pavillon hingestellt, der fast ausschließlich für geschlossene Veranstaltungen genutzt wird. Und auf der Fläche dahinter, wo die Halle hin sollte, gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz.

"Die BVV hat sich nicht vor Jahren zugunsten einer Beachvolleyballhalle für Beach Mitte gegen das Bezirksamt durchgesetzt, um nun einen kostenpflichtigen Parkplatz mit Eventcharakter zu bekommen", sagt der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Grünen, Frank Bertermann.

Dirk Jericho / DJ
Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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