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Moderne Gladiatorenkämpfe: Zwei Filmstudenten und der College Football 

Nico Baumbach (links) und Fabian Jänsch zeigen die Faszination und Härten des College Footballs.
Nico Baumbach (links) und Fabian Jänsch zeigen die Faszination und Härten des College Footballs. (Foto: JoM)

Sechs Wochen in den USA, 28 Drehtage, unzählige Stunden im Schnittraum, ein Jahr Arbeit – dann präsentieren die Beuth-Studenten Fabian Jänsch und Nico Baumbach ihren Dokumentarfilm „Dreaming oft the NFL“ auf Amazon. Sie führen ihre Zuschauer mitten in die Arena des amerikanischen Footballs, ganz nah ran an die „modernen Gladiatorenkämpfe“, wie Baumbach sagt.

Schon lange vor ihrem Filmstudium an der Beuth-Hochschule für Technik haben Nico Baumbach und Fabian Jänsch in der Filmbranche gearbeitet – der eine zufällig, der andere gezielt. Baumbach spielte Badminton im Schillerpark, als er einen Kameramann kennenlernte, der dringend eine Aushilfe für Sat1 brauchte. Spontan sprang Baumbach ein und hangelt sich seitdem von Auftrag zu Auftrag. Jänsch hat eine Ausbildung zum Kameramann absolviert und ebenfalls Erfahrung beim Fernsehen gesammelt. Gemeinsam ist ihnen das Streben nach eigenen Projekten. Das Studium war der Weg dorthin.

Ein Filmstudium an der Beuth? Wenig bekannt, aber möglich. Im Fachbereich Acht, zwischen Maschinenbau und Veranstaltungstechnik, versteckt sich der kleine Studiengang Screen Based Media. Studierende lernen dort den gesamten Prozess einer Filmproduktion, von der Planung über die Umsetzung bis hin zur Vermarktung und Veröffentlichung kennen. „Das Fach ist sehr praktisch ausgerichtet“, sagt Jänsch. „Und man ist thematisch relativ frei.“ Nach der Produktion eines fiktiven Kurzfilms stand für die beiden fest: Der Abschlussfilm soll eine Dokumentation werden.

Auf dem Weg zum Profi

Zufällig ergab sich für die Football-Fans ein hollywoodreifes Thema. 2016 lernte Jänsch, selbst aus Köln, im Heimaturlaub den Kölner Footballspieler Fabian Höller kennen. Dieser spielte damals bereits seit vier Jahren an der Universität von Massachusetts Collage-Football und erwog, sich für die Auswahl der Profiliga (NFL) zu bewerben. Als er sich schließlich dazu entschied, waren Plot und Hauptfigur des Films gesetzt.

Kurzerhand organisierten Baumbach und Jänsch mit geringen finanziellen Mitteln für sechs Wochen eine bescheidene Bleibe auf dem Dachboden einer amerikanischen Familie. In den USA interviewten sie renommierte Football-Experten und College-Spieler und setzten, zurück in Berlin, aus zig Stunden Material einen differenzierten Blick auf die amerikanische Sportfabrik zusammen. „Wir wollten auch die Schattenseiten dieses Traumes zeigen“, sagt Baumbach.

Ein Vollzeitjob neben dem Studium

Gesplitterte Fußknochen, entzündete Gelenke, monatelange Ausfälle: Football ist gefährlich. Erwiesenermaßen erhöht er das Risiko, aufgrund zahlreicher Gehirnschäden früh zu sterben. Und doch ist die Sehnsucht danach, sich den Traum NFL zu erfüllen, bei den College-Spielern greifbar, treibt sie an, sich exzessiv in den Sportanlagen zu martern – 43 Stunden pro Woche, trotz Vollzeitstudiums. Ein Teil ihrer Motivation sind Gehälter ab 400 000 Euro im Jahr. Doch: Die Konkurrenz ist enorm und die Chance, es nach oben zu schaffen, sehr gering. Jederzeit können Verletzungen noch so glanzvolle Karrieren beenden. Ein Wahnsinn. Und dennoch eine nationale Passion.

Baumbach und Jänsch sind fasziniert von diesem Spannungsfeld. Auch wenn sie nicht direkt ein nächstes Projekt anschließen, können sie sich vorstellen, das Thema weiterzuverfolgen. Zum Beispiel, indem sie zeigen, wie deutsche Footballprofis ihren Lebenstraum im Kontrast zur NFL mit dem Mindestlohn verwirklichen müssen. Und noch ein ganz anderes Thema reizt sie: die indonesische Palmölindustrie, der zunehmend Regenwaldbestände zum Opfer fallen. Baumbach und Jänsch werden wohl umtriebig bleiben, eine Weddinger Keimzelle für spannende Weltansichten.

"Dreaming of the NFL" steht unter http://asurl.de/13ps bei Amazon zum Verleih und Download bereit.
Nico Baumbach (links) und Fabian Jänsch zeigen die Faszination und Härten des College Footballs.
Sechs Wochen drehten die Beuth-Studenten in den USA.
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