Der Otto-Weidt-Platz – ein kleines Wunder: Initiative der NS-Zeitzeugin Inge Deutschkron

Es braucht noch etwas Phantasie, um sich hier einen weitläufigen begrünten Platz vorzustellen.
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Inge Deutschkron, Ehrengast beim symbolischen ersten Spatenstich für den neuen Stadtplatz in der Europacity, sprach von einem „kleinen Wunder“. Denn entgegen dem Beschluss der BVV Mitte, Straßen und Plätze nur nach Frauen zu benennen, bis Gleichheit erreicht sei, hat es die jüdische Schriftstellerin und Zeitzeugin Inge Deutschkron erreicht, dass dem Platz der Name Otto Weidts gegeben wurde, ihrem Überlebenshelfer in der Nazi-Diktatur.

Deutschkron hat die Initiative zur Namensgebung ergriffen. Sie hat eine Unterschriftensammlung gestartet und dafür geworben, dass Otto Weidt ein bleibendes Andenken im Berliner Stadtraum erhält. Das hat dann auch die Bezirksverordneten überzeugt.

Otto Weidt, der eine Blindenwerkstatt, eine kriegswichtige Besen- und Bürstenbinderei in der Rosenthaler Straße betrieb, hat ab Oktober 1941, als in Berlin die Deportationen jüdischer Bürger begannen, viele seiner jüdischen Mitarbeiter vor dem Abtransport in die Konzentrationslager bewahren können – mit viel Geschick, Einsatz, organisatorischem Aufwand und unter ständiger Lebensgefahr.

Stefan Tidow, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz würdigte den Namensgeber: „Er hat der Menschenwürde Raum gegeben in einer Zeit, die keinen Platz mehr für Menschenwürde hatte. Er hat viel riskiert, um das Leben von anderen zu retten und hat von Beginn an und in immer schwieriger werdenden Lage vieles getan, um verfolgte Jüdinnen und Juden zu retten.“ Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem verlieh Otto Weidt posthum 1971 den Ehrentitel eines „Gerechten unter den Völkern“.

Laut Stefan Tidow wird für das neue Quartier der Europacity mit dem Stadtplatz ein Ort geschaffen, der zum einen durch Geschäfte und Restaurants sehr lebendig ist, zum anderen zu Begegnung und „Kontemplation“ einlädt.

Der künftige Otto-Weidt-Platz wird ein weitläufiger und begrünter Platz sein. 10 000 Quadratmeter misst er. In der Mitte wird ein Brunnen aus einem großen Naturstein stehen, um den sich flache Sitzsteine gruppieren. Am Spandauer Schifffahrtskanal wird eine großzügige Treppenanlage gebaut. Von dort führt eine Fußgängerbrücke über den Kanal in das Stadtviertel auf der anderen Seite.

Ursprünglich sei an der Stelle des Platzes ein kleiner Hafen geplant gewesen, ergänzt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Das sei nicht umsetzbar gewesen, weil Berlin zu wenig Fördermittel zur Verfügung hatte, so Lüscher. Und das, obwohl die privaten Entwickler der Europacity sich in städtebaulichen Verträgen zu einer Beteiligung an den Kosten für die Infrastruktur des neuen Quartiers verpflichtet haben. In zwei Jahren soll der Otto-Weidt-Platz fertiggestellt sein.

In ihrem Grußwort, das der frühere Kulturstaatssekretär André Schmitz verlas, ließ Inge Deutschkron noch einmal die Zeit in der Blindenwerkstatt Otto Weidts Revue passieren. Inge Deutschkron war von 1941 bis 1943 seine Mitarbeiterin. Otto Weidt besorgte ihr falsche Papiere und bot ihr Tarnung und Schutz.

Während der Feierlichkeiten zum ersten Spatenstich für den Otto-Weidt-Platz gab Staatssekretär Tidow bekannt, dass der Berliner Senat wenige Stunden zuvor den Beschluss gefasst hat, Deutschkron die Ehrenbürgerschaft Berlins zu verleihen. Neben ihr wird auch Margot Friedlaender, eine weitere Zeitzeugin, zur Ehrenbürgerin ernannt.

Es braucht noch etwas Phantasie, um sich hier einen weitläufigen begrünten Platz vorzustellen.
Zeitzeugin Inge Deutschkron beim Spatenstich.
Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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