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Ernst-Thälmann-Park: 1984 wurden die markanten Gasometer gesprengt

Wo: Ernst-Thälmann-Park, Greifswalder Str., Berlin auf Karte anzeigen
Die Gasometer (Foto von 1972) prägten, wenn man in Richtung Osten über den S-Bahnhof Prenzlauer Allee schaute, den Blick.
Die Gasometer (Foto von 1972) prägten, wenn man in Richtung Osten über den S-Bahnhof Prenzlauer Allee schaute, den Blick.

Im März 1983, also vor 35 Jahren, begannen die Bauarbeiten am Ernst-Thälmann-Park.

Zuvor befand sich auf der Fläche zwischen den S-Bahngleisen, Greifswalder Straße, Danziger Straße und Prenzlauer Allee die IV. Städtische Gasanstalt. Sie war ab 1873 am damaligen Stadtrand errichtet worden und versorgte die Berliner über 100 Jahre lang mit Gas und Koks.

Schon bald wuchs die Stadt über diese Industrieanlage hinaus. Dämpfe und Staub belasteten die umliegenden Wohngebiete. Aber erst 1981 wurde das Gaswerk stillgelegt. Die DDR-Führung entschied sich, auf der Fläche ein großes Wohnungsbauprojekt umzusetzen.

Dass das Gaswerk, das fast ein Jahrhundert die Umgebung mit Abgasen und Ruß belastete, stillgelegt wurde, stimmte Anfang der 80er-Jahre kaum jemand traurig. Allerdings entbrannte ein Streit über die Nutzung der alten Gasometer. Bei Künstlern und Anwohnern gab es nämlich etliche Ideen für die riesigen runden Behälter: vom Freilichtkino bis hin zu Ausstellungsräumen oder einem großen Gewächshaus.

Doch die Partei- und Staatsführung der DDR beschloss, dass die drei riesigen Gasbehälter abgerissen werden sollen. Dagegen bildete sich eine erste Bürgerinitiative in Prenzlauer Berg, die mit unterschiedlichen Aktionen gegen den Abriss protestierte. Jedoch ohne Erfolg. Am 28. Juli 1984 wurden die Gasometer gesprengt.

Als 1986 das Wohngebiet Ernst-Thälmann-Park übergeben wurde, waren in knapp drei Jahren Bauzeit auf 26 Hektar circa 1400 Wohnungen für etwa 4000 Mieter sowie weitläufige Grünanlagen entstanden. Zur Greifswalder Straße hin wurde außerdem das 50 Tonnen schwere Thälmann-Denkmal aufgebaut, das nach einem Entwurf des russischen Bildhauers Lew Kerbel entstand. Ein Jahr später wurde außerdem das Zeiss-Großplanetarium am Rande des Parks eingeweiht.

An die drei Gasometer und den damaligen Bürgerprotest gegen den Abriss erinnern Tafeln mit Fotos und Text in dem noch heute vorhandenen Gaswerk-Verwaltungsgebäude in der Danziger Straße 101. Dort haben heute die Galerie Parterre und das Theater unterm Dach ihr Zuhause. Und auch im S-Bahnhof Greifswalder Straße sind seit einigen Monaten historische Fotos von diesem Areal zu sehen. Kurios aus heutiger Sicht ist, dass die über 100 Jahre alten Gasometer, die nach Meinung von Fachleuten auch als Industriedenkmale zu erhalten gewesen wären, seinerzeit abgerissen wurden. Der Ernst-Thälmann-Park ist indes knapp 30 Jahren nach Fertigstellung unter Denkmalschutz gestellt worden.

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