Nikolaus mit der CDU Weißensee
Der frühere Bundestagsabgeordneter Jochen Feilcke erinnert sich an 1989

Jochen Feilcke mit einem Aufkleber seiner Berlin-Hauptstadt-Kampagne.
  • Jochen Feilcke mit einem Aufkleber seiner Berlin-Hauptstadt-Kampagne.
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Den Fall der Mauer am 9. November 1989 hat Jochen Feilcke (77), wenn auch nicht direkt vor Ort, so doch mit dem Herzen eines Berliners „hautnah“ erlebt.

Noch heute sind Jochen Feilcke die Gefühle anzusehen, die ihn geradezu übermannten. An diesem Tag, so erzählt er in einer Veranstaltung seines Ortsverbands Innsbrucker Platz, habe er als CDU-Bundestagsabgeordneter für den damaligen Wahlkreis Schöneberg-Kreuzberg in seinem Büro in Bonn gearbeitet, als sich die Nachricht von der Öffnung verbreitete. „Wie von der Tarantel gestochen“ sei er hinüber in den Plenarsaal des Bundestags gerannt.

„Niemand hat bis zum 9. November 1989 im Traum daran gedacht, dass die Wiedervereinigung kommt.“ Feilcke erinnert sich an den Ausspruch Willy Brandts 1973, es sei für ihn härter gewesen, das Rauchen aufzugeben, als eine Hälfte Deutschlands.

Beim Blick zurück auf die Marksteine bis zur Wende 1989 vergisst Jochen Feilcke nicht den berühmten Ausruf des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan: „Mr. Gorbachev, tear down this wall”, der den Führer der Sowjetunion in seiner Rede anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins 1987 auf der westlichen Seite des Brandenburger Tors aufforderte, die Berliner Mauer zu öffnen.

Ein halbes Jahr vor dem Mauerfall, so erinnert sich der Schöneberger, sei er von US-Kongressabgeordneten gefragt worden, ob er an die Wiedervereinigung glaube. Jochen Feilcke: „Ich sagte ihnen: Ich glaube daran. Ich hoffe, es noch zu erleben. Ich hoffe, noch in diesem Jahrhundert zu Fuß durch das Brandenburger Tor gehen zu können." 1989 sei es Schlag auf Schlag gegangen, von den letzten Todesschüssen an der Mauer am 5. Februar über die Kommunalwahlen in der DDR am 7. Mai, deren Auszählung erstmals von Bürgerrechtlern kontrolliert wird, die friedlichen Demonstrationen Hunderttausender in Ost-Berlin und anderen Städten der DDR, das „paneuropäische Picknick“ an der österreichisch-ungarischen Grenze, bei dem 600 DDR-Bürger in den Westen gelangen, die spektakuläre Ausreise von 6000 DDR-Flüchtlingen über die Botschaft in Prag bis hin zum neuen Reisegesetz, das die SED-Führung am 7. November erlässt, und Günter Schabowskis „Ab sofort, unverzüglich“ am 9. November. Die Mauer fällt.

Anderntags ist Jochen Feilcke zu Hause in Berlin. Am Abend erlebt er die eher improvisierte Kundgebung vor dem Rathaus Schöneberg. Traurig ist er noch heute darüber, wie Bundeskanzler Helmut Kohls (CDU) Rede in Pfiffen und Buhrufen unterging. „Das Publikum war gegen die Regierung aufgehetzt.“ Danach habe er „nur noch die Situation in Ost-Berlin beobachtet“, erzählt Jochen Feilcke. Er ist für geraume Zeit der einzige Politiker, der im März 1990 fordert, den Regierungssitz nach Berlin zu verlegen. Von allen Seiten wird er als „wildgewordener Abgeordneter“ und „vorwitziger Berliner“ gescholten. Wie wir wissen, ist es Berlin geworden – wenn auch mit der knappen Mehrheit von 18 Stimmen.

Erfolgreicher gestalten sich die Patenschaften, die West-Berliner CDU-Kreis- und Ortsverbände für ihre Pendants im Ostteil übernehmen. Die CDU Innsbrucker Platz wird Patin von Weißensee. „Das war der einzige Bezirk in Ost-Berlin, den ich kannte“, so Feilcke.

Den 6. Dezember 1989 wird der Christdemokrat nie vergessen. Da feierten Innsbrucker Platz und Weißensee im Friedenauer Lokal „Gewürzkiste“ Nikolaus. Unter den Feiernden war Sabine Bergmann-Pohl. Sie sollte von April bis Oktober 1990 Präsidentin der letzten frei gewählten Volkskammer und das letzte Staatsoberhaupt der DDR werden. „Ich habe sie wortwörtlich an der Hand in die Politik geführt“, sagt Jochen Feilcke.

Sein schönstes vorweihnachtliches Geschenk erhält Jochen Feilcke am 22. Dezember. Zigtausende wollen dabei sein, um die Öffnung des Grenzübergangs am Brandenburger Tor zu feiern.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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