Zerstörungswut statt Silvesterspaß
CDU will Böllerei im Steinmetzkiez testweise verbieten

Nach Silvester ist vor Silvester: Die Parteien diskutieren über ein Böllerverbot zum nächsten Jahreswechsel.
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Die Böller sind verstummt. Die Schwefelschwaden haben sich verzogen. Das Thema Silvesterfeuerwerk bleibt. Die CDU fordert den Test eines „Böllerverbots“ im Steinmetzkiez.

In den sozialen Netzwerken ist ein Video im Umlauf. Es zeigt, wie Polizisten, Passanten und vorbeifahrende Autos aus einer Gruppe von Jugendlichen heraus mit Böllern gezielt beschossen werden. Gröbste Beleidigungen fallen. Es kommt zu Rangeleien. 27 Festnahmen, 31 Strafermittlungsverfahren sind die Bilanz. Aufgrund der Ausschreitungen fordert die CDU-Fraktion in der BVV jetzt, zum kommenden Jahreswechsel Feuerwerk und Böller rund um Pallas- und Potsdamer Straße testweise zu verbieten.

Die allermeisten Menschen gingen verantwortungsvoll mit dem Abbrennen von Feuerwerk um. Die Tradition müsse jedoch zunehmend für Frustabbau und blinde Zerstörungswut herhalten, beklagt Fraktionschef Matthias Steuckardt.

Fragt man Leute auf der Straße, gibt es ganz unterschiedliche Meinungen. Die einen halten nichts vom Verbot dieses alten Brauchs. Allerdings: Wo Kulturgut in Gefahr sei, dürfe nicht geböllert und kein Feuerwerk gezündet werden, so eine Seniorin. Ein Passant ist ganz klar für ein Verbot und schlägt vor, ein zweites zentrales Feuerwerk zu veranstalten: auf dem Tempelhofer Feld. Ein Paar Mittdreißiger möchte weiterhin Feuerwerkskörper kaufen dürfen. Er könnte sich aber vorstellen, „an wenigen zentralen Plätzen“ ein Böllerverbot zu verhängen.

Rainer Penk, Frontmann der grünen Fraktion, begrüßt die CDU-Forderung als gute Grundlage für Beratungen im zuständigen Fachausschuss der Bezirksverordnetenversammlung. Gleichzeitig kritisiert Penk, die CDU habe nicht warten können und von Rot-Rot-Grün abgeschrieben. Das Abgeordnetenhaus bereite die Verabschiedung eines Gesetzes zur Silvesterböllerei vor.

Die Grünen wollen ein Böller- und Feuerwerkverbot auf die Umgebung historisch bedeutender und denkmalgeschützter Gebäude, Krankenhäuser, Pflegeheime und anderer Orte mit besonders schutzbedürftigen Menschen ausdehnen. Aus Rücksicht auf die Tierwelt sollen auch bestimmte Parkanlagen und Naturschutzgebiete berücksichtigt werden.

Auf ein anderes Problem, die Feinstaubentwicklung, geht Rainer Penk nicht ein. Laut Umweltbundesamt jagen die Deutschen zum Jahreswechsel 4500 Tonnen Feinstaub in die Luft. Das entspricht 15,5 Prozent des jährlich im Straßenverkehr produzierten Feinstaubs.

Die SPD will nichts verbieten, sonern attraktive Alternativen anbieten, damit die Menschen „etwas anderes als die aus dem Ruder laufende Böllerei ausprobieren“, sagt Fraktionschef Jan Rauchfuß. Rauchfuß schlägt neben der zentralen Feier am Brandenburger Tor kommunale Feuerwerke in den Berliner Ortsteilen vor. „Ich bin sicher, es würden sich in Berlin schnell kiezbezogene Traditionen entwickeln und man könnte sich für diejenige Veranstaltung entscheiden, die einem am ehesten interessiert oder die im eigenen Ortsteil stattfindet.“

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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