Kfz-Betrieb bekommt satte Mieterhöhung
"Das ist mehr als unpassend"

Die Mieterhöhung für seinen Kfz-Betrieb trifft Gerald Kopp mitten in der Corona-Krise doppelt hart.
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Corona- Unternehmens-Ticker

Die Corona-Krise trifft Gewerbetreibende besonders hart. Schlimm, wenn in dieser Zeit auch noch eine drastische Mieterhöhung ins Haus flattert. Passiert ist das dem Kfz-Meisterbetrieb „Gerald’s Garage“.

Sorgen um die Miete musste sich Gerald Kopp bisher nicht machen. Über 15 Jahre blieb sie stabil. Nun aber flatterte dem Kfz-Meister zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ein ärgerliches Schreiben ins Haus. Mitten in der Corona-Krise dreht seine Vermieterin an der Mietschraube und kündigt ein satte Erhöhung an. 1679 Euro soll er ab dem 1. Mai zahlen – statt bisher 980 Euro. „Das sind 700 Euro mehr im Monat, die wir erst mal erwirtschaften müssen“, sagt Gerald Kopp. Das sei unter normalen Umständen schon schwierig. „Aber jetzt die Gewerbemiete um 70 Prozent zu erhöhen, wo uns die Aufträge wegbrechen und Kunden wegbleiben, das ist mehr als unpassend. Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt ja noch nicht einmal, wie es mit der Firma über den April hinaus weitergeht.“

Bis 20. April soll Kopp unterschreiben

Die Firma ist „Gerald’s Garage und Autovermietung“ GmbH in der Neuen Bergstraße. Das Grundstück liegt auf dem Gewerbegebiet „Alexander Barracks“ an der Neuendorfer Straße. Eigentümerin und Vermieterin ist eine Bundesbehörde, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Die setzte am 9. März besagtes Schreiben an die beiden GmbH-Inhaber Gerald Kopp und Ralph Koller auf. Darin heißt es: „Die Überprüfung hat ergeben, dass das derzeitige Nutzungsentgelt von bisher 980 Euro monatlich nicht mehr ortsüblich ist.“ Bis zum 20. April sollen die Geschäftsführer den Nachtrag zu ihrem Mietvertrag unterschreiben.

Mieterhöhung ist in Ordnung,
aber angemessen sollte sie sein

Auf die angekündigte Mieterhöhung, die am 18. März in „Gerald’s Garage“ eintraf, haben die zwei Firmeninhaber nun ihrerseits geantwortet. In ihrem Brief an die BImA weisen sie auf die „momentan prekäre Lage“ hin und bitten darum, auf die Mietanpassung zu verzichten, bis sich die wirtschaftliche Lage wieder normalisiert hat. „Gegen eine Mieterhöhung wollen wir uns ja nicht gänzlich aussprechen, aber sie sollte angemessen sein“, sagt Gerald Kopp. Immerhin habe der Betrieb vier Mitarbeiter, darunter drei Festangestellte. Und wenn die Mietsteigerung schon so hoch sein solle, sollte doch ein Teil davon ins Gelände reinvestiert werden. „Es ist nicht zu übersehen, dass das Areal mehr und mehr verwahrlost und für Kunden nicht gerade sehr ansprechend ist“, so Gerald Kopp.

Bundesbehörde will
nach Lösung suchen

Warum die Mieterhöhung ausgerechnet in der Corona-Krise kommt, begründet die BImA auf Nachfrage so: „Im vorliegenden Fall erfolgten die Überprüfung und die Festsetzung der neuen Miete zu einem Zeitpunkt, als die Folgen der Corona-Pandemie in diesem Ausmaß noch nicht absehbar waren.“ Die BImA sei selbstverständlich bereit, mit Gewerbemietern, die von der Corona-Krise betroffen sind, nach im Einzelfall angemessenen Lösungen zu suchen, teilt Sprecher Thorsten Grützner mit. Darauf hofft nun Gerald Kopp, eine Antwort von der BImA hat er bislang aber nicht erhalten.

Sollen Gewerbemieter
vertrieben werden?

Der Kfz-Meister vermutet hinter der drastischen Mieterhöhung aber noch etwas anderes. „Wahrscheinlich will man uns hier runterhaben.“ Denn wie berichtet will das Land Berlin das Gewerbegebiet zwischen Askanierring, Neue Bergstraße und Neuendorfer Straße mit Wohnungen und einem Bildungscampus für das Vivantes-Klinikum und die Charité bebauen. Wie viel Gewerbe dort am Ende übrig bleibt, ist unklar. Ihre Flächen hat die BImA nach eigenen Angaben bisher aber nicht an das Land veräußert. Dass es Bebauungspläne für das Areal gibt, weiß Gerald Kopp seit Ende 2005, als er den Gewerbemietvertrag unterschrieb. „Nach einem anderen Grundstück haben wir schon gesucht“, sagt der Spandauer. „Aber nichts gefunden.“

Autor:

Ulrike Kiefert aus Spandau

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