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"Es dürfen mehr Touristen kommen": Wirtschaftsförderer Patrick Sellerie im Interview

Patrick Sellerie kam Ende 2015 von der Senatsverwaltung zurück in den Bezirk. Jetzt leitet er die Wirtschaftsförderung.
Patrick Sellerie kam Ende 2015 von der Senatsverwaltung zurück in den Bezirk. Jetzt leitet er die Wirtschaftsförderung. (Foto: Ulrike Kiefert)

Die Spandauer Wirtschaftsförderung liegt seit zwei Jahren in den Händen von Patrick Sellerie. Damit leitet der 42-Jährige auch die lokalen Geschicke in puncto Tourismus und Marketing. Im Interview spricht er über sein Aufgabenfeld, die Stärken der Altstadt, und warum Spandau ein Tourismuskonzept braucht.

Wirtschaft, Tourismus, Marketing und Europa: All das ist bei Ihnen gebündelt. Was gibt es konkret für Sie zu tun?

Patrick Sellerie: Um es mal salopp zu sagen, ich halte den Laden zusammen. Aber ernsthaft. Ich leite zwar die Wirtschaftsförderung, bin mit all den Aufgaben aber nicht allein. Zu meinem Team gehören mein Stellvertreter, unsere Mittelstandslotsin, der Europabeauftragte und seit Kurzem auch die Tourismusbeauftragte. Die Wirtschaftsförderung und somit ich als Leiter sind aber vor allem der Ansprechpartner für die knapp 7000 Unternehmen im Bezirk.

Was heißt das konkret?

Sellerie: Wir begleiten und beraten jedes Unternehmen und jeden Betrieb, der sich erweitern, neu gründen oder hier ansiedeln will. Egal, ob es Siemens, BMW oder der Kiosk von nebenan ist. Die Wirtschaftsförderung steht ihnen bei allen Fragen zu Fördermöglichkeiten, Zuschüssen, nötigen Baugenehmigungen oder Nutzungsänderungen mit Rat und Tat zur Seite, leitet sie quasi durchs große Rathaus. Wir helfen auch bei der Grundstückssuche.

Sie sprachen es schon an. Spandau hat als erster Bezirk einen Tourismusbeauftragten, genauer gesagt eine Beauftragte.

Sellerie: Ja, richtig. Jana Friedrich, so heißt unsere Tourismusbeauftragte, ist seit Mitte Januar bei uns. Sie ist die Anlaufstelle für unsere touristischen Akteure wie Hotels, Restaurants, Kultureinrichtungen, aber auch für die Geschäftsleute. Spandau hat bei seinem touristischen Image großes Potenzial, das es zu heben gilt. Ich nenne hier nur die Stichworte Wasserlage, sehr gute Verkehrsanbindung, die historische Altstadt mit Berlins größter Fußgängerzone, Zitadelle, Museen, Theater, Musikschule, ausgeprägter Gastronomie und inhabergeführten Fachgeschäften. Wir haben zwar durchaus hohe Übernachtungszahlen, aber es dürfen gern noch mehr Touristen kommen. Dafür müssen die aber erst einmal wissen, was Spandau alles zu bieten hat. Deshalb erstellen wir gerade gemeinsam mit einer Agentur ein Tourismus-Konzept für die Altstadt. Es wird eine Dachmarke, ein eingängiger Claim mit Wiedererkennungswert entwickelt und ein Internetportal für Buchungen, touristische Angebote und Events aufgesetzt, um nur einige Beispiele zu nennen.

"Die Stärken sind bisher nur uns Spandauern bekannt"

Wie gelingt der Altstadt ein „einheitlicher Auftritt“?

Sellerie: Teil des Marketing-Konzepts, das aktuell erarbeitet wird, ist auch eine genaue Standortanalyse, die die Stärken, aber auch die Schwächen der Altstadt aufzeigt. Neben den Stärken, die bisher nur uns Spandauern bekannt sind, hat die Altstadt einen guten Mix aus großen Ankermietern, kleineren Geschäften und Gastronomie. Was aber fehlt, ist eine Art Werbegemeinschaft, ein gemeinsamer Auftritt aller Geschäfte in der Altstadt. Dazu gehören unbedingt verlässliche Schließzeiten. Wir haben 215 Läden in der Altstadt. Wenn jeder zu einer anderen Zeit schließt, ist das für den Kunden nicht verlässlich. Wer arbeitet, besucht nach Feierabend nicht mehr unbedingt die Altstadt, wenn er nicht sicher weiß, ob er dort noch einkaufen oder etwas essen kann. Hier sage ich: Leute, testet gemeinsam längere Öffnungszeiten! Es spricht sich herum, und die Kunden haben eine verlässliche Adresse.

Und die sogenannte Dachmarke?

Sellerie: Ja, sie ist natürlich für den einheitlichen Auftritt unabdingbar. Wie auch das Gestaltungshandbuch für Hauseigentümer und Geschäftsinhaber, das eine Voraussetzung war, damit die Altstadt bis 2025 insgesamt 50 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz erhält. Was als nächstes kommt, ist eine professionelle Standortbroschüre mit wichtigen Daten beispielsweise zu Kaufkraft, Kundenzahl, Lage und Erreichbarkeit der Altstadt. Die erarbeitet das Altstadtmanagement in unserem Auftrag und richtet sich vornehmlich an Unternehmen, die nach Berlin kommen wollen, aber noch nicht genau wissen wohin. Die wollen wir über diese Broschüre für Spandau begeistern und gewinnen.

Wie sieht für Sie die ideale Altstadt im Jahr 2030 aus?

Sellerie: Sie ist die Berliner Geschäftsstraße schlechthin. Ohne Autoverkehr, mit einem Restaurant-Schiff am Lindenufer, verlässlichen Öffnungszeiten und dem perfekten Mix aus Geschäften, Gastronomie und Kultur. Ein Zentrum also, das jeder einmal gesehen haben muss.

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