Richard Mischau hat darauf 13 Jahre gewartet
Kultwurst ohne Pelle jetzt mit Patent

13 Jahre hat Richard Mischau auf das Patent gewartet. Jetzt gehört die Berliner Curry-Kultwurst wirklich den Berlinern.
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Corona- Unternehmens-Ticker

Die „Berliner Currywurst ohne Darm“ darf nur noch in Berlin produziert werden. Das Deutsche Patentamt hat die Wurst geschützt. Traditionell hergestellt wird das Berliner Original bei „Mischau“ in Spandau.

Richard Mischau hat es jetzt schwarz auf weiß aus München: Die „Berliner Currywurst ohne Darm“ gehört den Berlinern. „Sie darf nur noch in der Hauptstadt produziert werden, nicht in Brandenburg, Thüringen oder anderswo.“ Denn das Deutsche Patent- und Markenamt hat die Kultwurst geografisch schützen lassen. Was Richard Mischau ganz besonders freut, denn die Original Berliner Currywurst stellt er selbst her, im Spandauer Familienbetrieb „Mischau Fleischwarenfabrik" am Wiesendamm 29.

Nach Thüringer und Nürnberger Rostbratwurst jetzt "Currywurst ohne Darm"

Beantragt hat Richard Mischau das Patent aber nicht allein. Antragsteller ist die „Interessengemeinschaft Berliner Traditionswurstwaren e.V.“, die sieben Mitglieder zählt. Richard Mischau ist ihr Vorsitzender. Und als solcher ging es für ihn lange um die Wurst. 13 Jahre, um genau zu sein, denn so lange dauerte das Antragsverfahren beim Patentamt in München. Den Schutz wollte der Spandauer, weil einige Hersteller die Wurst auch außerhalb Berlins produzieren wollten. Von Plagiaten aber hält Richard Mischau wenig. „Wir haben die Currywurst ohne Darm zuerst produziert, sind also Marktführer“, sagt er. Das bestätige nun das Patent. „Die Thüringer haben ihre Rostbratwurst schützen lassen, die Nürnberger auch, und jetzt folgen wir Berliner mit der Currywurst als erstem patentierten Fleischprodukt in der Hauptstadt überhaupt.“ Das sei etwas ganz Besonderes, sagt der Unternehmer, und bestärke die Verbraucher hoffentlich darin, vermehrt Produkte aus der Region zu kaufen.

Großvater gründet vor über 80 Jahren in Breslau das Familienunternehmen

Die Original Berliner Currywurst mit oder ohne „Pelle“ hat Richard Mischau schon lange im Sortiment. Er liefert sie auch an Supermärkte, Imbissbuden wie das legendäre „Curry 36“ und an Kantinen aus, beispielsweise an die Charité, die Berliner Stadtreinigung, die Wasserbetriebe oder an Siemens. Den Familienbetrieb am Wiesendamm führt der gelernte Fleischer mit seiner Schwester Britta. Zum Team gehören 72 Angestellte in Produktion und Verkauf. „Mischau“ hat eine lange Tradition. Die Wurzeln liegen in Breslau, wo der Großvater, der ebenfalls Richard Mischau hieß, 1936 ein Fachgeschäft für Fleisch- und Wurstwaren eröffnet – damals noch ohne Currywurst. Nach dem 2. Weltkrieg kommt er nach Berlin-Spandau und fängt an der Pichelsdorfer Straße 54 mit einem neuen Geschäft von vorne an. Sein Sohn baut dann später das Firmengelände am Wiesendamm auf, das 1962 in Betrieb geht. Richard Mischau und seine Schwester leiten das Unternehmen heute in dritter Generation.

Das "Geheimnis" der Wurst ohne Darm

Was aber macht die Currywurst ohne Darm denn nun so besonders, außer, dass sie nicht ganz so knackig ist? „Geschmacklich ist da kein großer Unterschied zur Wurst mit Darm“, sagt Richard Mischau. „Aber das Curry wird beim Würstchen ohne Darm direkt bei der Herstellung verwendet und nicht erst hinterher als Pulver auf die Wurst gestreut.“ Seine Currywurst isst der 45-Jährige natürlich selbst auch gerne. „Was für eine Frage.“ Zu seinen Favoriten gehört aber auch die Berliner Schinkenknacker, schiebt Mischau nach.

EU-weiter Patentschutz soll kommen

Die patentierte Currywurst ohne Darm können die Spandauer ab sofort kaufen, denn der Werksverkauf von „Mischau“ am Wiesendamm läuft auch in der Corona-Krise weiter. Was der Currywurst aber noch fehlt, ist das blau-gelbe Siegel „Geschützte Geografische Angabe“ auf der Verpackung. Wegen der vierwöchigen Einspruchsfrist gegen die Eintragung muss sich Richard Mischau damit noch gedulden. Ist die Entscheidung des Patentamtes dann rechtskräftig, wird der Antrag an das Bundesministerium für Verbraucherschutz und von dort an die Europäische Kommission weitergeleitet. „Fällt die Prüfung in Brüssel positiv aus, haben wir für unsere Currywurst auch den EU-weiten Schutz.“ Damit ist es für Richard Mischau aber noch nicht getan. Als nächstes will er die Currywurst mit Darm patentieren lassen.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Spandau

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