Seit zwei Jahren ist Stefan Böltes BV-Vorsteher
"Ich habe schon sehr viel Spaß"

Mit Augenmaß auf dem Präsidium: Stefan Böltes.
  • Mit Augenmaß auf dem Präsidium: Stefan Böltes.
  • Foto: KEN
  • hochgeladen von Karen Noetzel

„Ich bin ein Linker“, gibt Stefan Böltes zu. Und ein Fan von Iron Maiden, wäre noch hinzuzufügen. Aber das Amt des Bezirksverordneten-Vorstehers gebietet dem langjährigen SPD-Mitglied, die Sitzungen überparteilich und neutral zu leiten.

Vor zwei Jahren hat der Jurist aus Schöneberg, der als Referent der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus sein Brot verdient, diese Aufgabe übernommen. Die Berliner Woche sprach mit dem 52-jährigen gebürtigen Bremerhavener über sein Amt und sein „Leben in der Politik“.

Wie haben sie die ersten beiden Jahre in Ihrer Funktion als BV-Vorsteher wahrgenommen?

Stefan Böltes: Durchweg positiv. Es ist nicht immer einfach, allen Kolleginnen und Kollegen gerecht zu werden. Aber ich habe schon sehr viel Spaß in meiner Funktion. Ich war in der Vergangenheit ja gern ein aggressiver und deutlicher Debattenredner. Ich habe aber schon in der letzten Wahlperiode als Hauptausschussvorsitzender eine eher moderierende Rolle eingenommen und war deshalb gut auf die Vorstehertätigeit vorbereitet.

Wie bewerten Sie Disziplin und Respekt der Verordneten? Ist der Ton rauer geworden?

Stefan Böltes: Die Verordneten gehen, bei aller leidenschaftlich geführten politischen Auseinandersetzung, insgesamt respektvoll und fair miteinander um. Ich habe nicht den Eindruck, dass der Ton rauer geworden ist. Die Atmosphäre schon. Die Verordneten sind bisweilen dünnhäutig.

Zeigt das Bezirksamt zu wenig Respekt? Immerhin ist zu beobachten, dass die Stadträte lieber Akten lesen als der Debatte zu folgen.

Stefan Böltes: Wenn Stadträte in der BVV ihre Akten lesen, finde ich das weniger dramatisch als wenn sie Fristen nicht einhalten oder Beschlüsse ignorieren.

Welche Aufgaben haben Sie abgesehen von der monatlichen Sitzungsleitung?

Ich bin noch Vorsitzender des Ältestenrates und des Geschäftsordnungsausschusses. Selbstverständlich beteilige ich mich auch weiterhin an der Arbeit meiner Fraktion. Ich vertrete den Bezirk nach außen. Außerdem bin ich für das Personal im BVV-Büro und den Haushalt der BVV zuständig. Meine Arbeitswoche ist sicher mindestens um 20 Stunden angestiegen.

Haben Debatten Sie schon mal genervt?

Natürlich. Wenn Sie 15-mal und öfter die gleichen Argumente hören, sich Kolleginnen und Kollegen beschimpfen oder sich gegenseitig der Lüge bezichtigen, dann ist das sehr anstrengend. Es ist nicht immer leicht, die Ordnung aufrechtzuerhalten.

Wie fanden Sie zur Sozialdemokratie? Wie sehen Sie deren Zukunft?

Ich bin seit 31 Jahren Mitglied der SPD, übrigens immer in Tempelhof-Schöneberg. Den Entschluss einzutreten, habe ich am 25. Januar 1987 – nach der verlorenen Wahl mit Johannes Rau an der Spitze – getroffen, nach einer langen Phase der Analyse und Entscheidungsfindung seit 1985. Politisch aktiv war ich bereits in meiner Schulzeit, wenn auch nicht bei der SPD. Wenn es gelingt, die SPD zurück zu einer Partei zu entwickeln, für die das Gemeinsame, Einigende in der Gesellschaft an erster Stelle steht, eine gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen, anstatt sich kleinteilig mit vielen kleinen Problemen zu beschäftigen, hat sie eine Zukunft.

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