Schwarz-Grünes Ehepaar mischt in der Politik mit
Martina Zander-Rade und Christian Zander sind in verschiedenen Parteien aktiv

Auf Bundesebene steht der Beweis noch aus, dass Schwarz-Grün funktioniert. Dass es privat geht, zeigen Martina Zander-Rade und Christian Zander.
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Diese Kombination ist ungewöhnlich. Martina Zander-Rade und Christian Zander sind seit neun Jahren verheiratet, aber in unterschiedlichen Parteien aktiv. Als Bezirksverordnete treffen sie außerdem regelmäßig in BVV- und Ausschusssitzungen aufeinander. Sie vertritt dann die Interessen der Grünen, er die Interessen der CDU. Verbale Zurückhaltung gibt es dabei nicht. Privat sind sie dennoch ein „super Team“.

Dass sie politisch unterschiedliche Ansichten haben, war ihnen bereits klar, als sie sich kennenlernten. Es war 2001, nachdem die Bezirke Tempelhof und Schöneberg im Zuge der Verwaltungsreform fusionierten und aus zwei Parlamenten eines wurde. Zander-Rade war zuvor Bezirksverordnete in Schöneberg, Christian Zander in Tempelhof. „Wir hatten erstmal gar kein persönliches Interesse aneinander“, blickt die Fraktionsgeschäftsführerin der Grünen zurück. Sie seien sich jedoch oft über den Weg gelaufen, weil sie ihre Parteien in gleichen Ausschüssen vertraten. In der Kantine kamen sie ins Gespräch, auch über Privates. Weil sie zu der Zeit nicht weit voneinander entfernt in Marienfelde wohnten, bildeten beide bald eine Fahrgemeinschaft und fanden sich zunehmend sympathischer. „Unter den anderen Bezirksverordneten gab es schon dieses Gerücht, dass Zander und Rade ja was miteinander haben, da wussten wir es selbst noch nicht“, erinnert sie sich. „Dieses blöde Getratsche fanden wir völlig absurd. Daher haben wir das natürlich auch abgestritten und klargestellt. Das war dann irgendwann obsolet – und die haben sich im Nachhinein natürlich auch gefreut, dass es doch so gekommen ist, wie sie prophezeit haben.“

Zander-Rade (51) ist zehn Jahre älter als ihr Mann und war schon einmal verheiratet. Als sie und Christian Zander ein Paar wurden, hatte sie bereits zwei Söhne, die heute erwachsen sind. Gemeinsam bekamen sie 2009 eine Tochter. Innerhalb ihrer Familien seien ihre unterschiedlichen Parteizugehörigkeiten längst kein Thema mehr. „Ich habe ja Verwandte in Bayern. Für die bin ich eigentlich auch eher der Punk, also erstens aus Berlin und zweitens dann noch bei den Grünen. Die haben sich auch daran gewöhnt und trotzdem mag man sich. Wir sind von unserer Grundeinstellung her tolerant“, erklärt Martina Zander-Rade. Auch in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hätten sich mittlerweile alle daran gewöhnt. Das liege auch daran, dass sie in den Sitzungen als ganz normale Verordnete miteinander umgehen. „Wenn ich in einer Diskussion anderer Meinung bin und finde, er oder jemand anderes ist uneinsichtig, dann argumentiere ich auch noch mal ein bisschen temperamentvoller. Mir ist dann völlig egal, ob mein Mann das ist. Er kriegt dann auch Breitseite“, sagt sie. „Ich halte mich sowieso grundsätzlich eher zurück, bin auf Ausgleich bedacht und pragmatischer“, meint Christian Zander. Seine Frau stimmt ihm teilweise zu. „Was ich grundsätzlich nicht mache ist, dass ich unter die Gürtellinie gehe. Ich werde nie verletzend. Aber trotzdem diskutiere ich schärfer und bin dann auch jeweils nicht nachsichtig.“

Einmal sei es in der BVV zu einer ungewollt witzigen Situation gekommen. „Christian hatte irgendwas gesagt zu einem Thema und ich mich danach zu Wort gemeldet. Und ich fand das, was er gesagt hat, so absurd, dass ich begonnen habe mit den Worten: Herr Zander, Sie wissen, ich schätze Sie sehr, aber …“ Martina Zander-Rade hatte sich diesen Satz nicht zurechtgelegt. Er sprudelte einfach aus ihr heraus. „Alle lachten sich halb schlapp und der BV-Vorsteher musste erstmal um Ruhe bitten.“

Obwohl sich dadurch Konflikte nicht vermeiden lassen, klammern sie das Thema Politik auch privat nicht aus. Oft sind sie sich über das zu erreichende Ziel einig, jedoch nicht über den Weg. Ein aktuelles Beispiel ist die Diskussion um eine bessere Anbindung der südlichen Bezirksregionen an das öffentliche Verkehrsnetz. Christian Zander macht sich als CDU-Fraktionsgeschäftsführer für eine Verlängerung der U 6 von Mariendorf nach Lichtenrade stark. Martina Zander-Rade sieht eine neue Straßenbahnverbindung als die bessere Lösung an. „Manchmal streiten wir uns sogar ziemlich doll“, erzählt sie. Andererseits sei es aber auch schon vorgekommen, dass sie zusammen Anträge ausgearbeitet haben, wenn Grüne und CDU ein Anliegen gemeinsam voranbringen wollten.

Toleranz und die Akzeptanz für andere Auffassungen sind laut Christian Zander Voraussetzung, um trotz aller politscher Differenzen eine glückliche Ehe zu führen. Für seine Frau ist gegenseitiger Respekt „super wichtig“, auch wenn die Ansichten des Partners manchmal nerven. Ab 2021, wenn die Legislaturperiode endet, könnten sie sich womöglich nicht mehr so oft begegnen. Während Martina Zander-Rade weiter die grüne Politik im Bezirk gestalten möchte, strebt Christian Zander an, den Lichtenrader Wahlkreis für die CDU im Abgeordnetenhaus zu vertreten.

Autor:

Philipp Hartmann aus Tempelhof

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