Deutlich mehr Wohnraum entsteht
Wohntürme an der Reichsstraße werden durch Blockrandbebauung ersetzt

Wann sie fallen, ist noch nicht ganz klar, aber sie werden fallen: Die beiden Wohntürme an der Reichsstraße 53-58.
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  • Wann sie fallen, ist noch nicht ganz klar, aber sie werden fallen: Die beiden Wohntürme an der Reichsstraße 53-58.
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Der Fall der beiden Wohnheim-Türme auf dem Grundstück Reichsstraße 53-58 ist beschlossene Sache. Der Investor, die Gesellschaft Lagrande Group Projektmanagement, wird die Hochhäuser abreißen und durch eine Blockrandbebauung ersetzen.

Der Bauausschuss hatte das Projekt im Delta zwischen Spandauer Damm und Reichsstraße für gut befunden, als er es in einer seiner Sitzungen vorgestellt bekam. Weil aus 63 sanierungsbedürftigen Wohnungen 270 neue werden und davon 70 preisreduziert in den Besitz der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo übergehen und dann als Sozialwohnungen für aktuell 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Die Degewo wird auch eine Kita errichten. Ebenfalls nach dem Modell der kooperativen Baulandentwicklung löst der Bauherr 55 Grundschulplätze ab. Geld, das der Bezirk in den Schulbau stecken kann.

Die IHK Berlin hatte auf ihrem Grundstück die Wohnheim Reichsstraße GmbH gegründet mit dem Ziel, Wohnraum für Arbeitskräfte der Berliner Wirtschaft zu schaffen. Handwerker, Bauarbeiter, Studenten und Auszubildende sowie Geflüchtete, die über einen Aufenthaltstitel verfügen, konnten sich zimmerweise und temporär einmieten. Weil die IHK es heute nicht mehr als ihre primäre Aufgabe sieht, ein Wohnheim zu betreiben, hat sie die Gesellschaft aufgelöst und das fast 11.000 Quadratmeter große Grundstück mit den beiden Hochhäusern über ein Bieterverfahren verkauft. Die Lagrande Group hatte im April vergangenen Jahres den Zuschlag erhalten. Das achtgeschossige Hochhaus ist über einen Verbindungsbau mit dem 13-geschossigen Turm verbunden. Das Gesamtobjekt wurde 1964 in Stahlbetonplattenbauweise gebaut und wäre instandsetzungs- und sanierungsbedürftig.

Niklas Schenker, Vorsitzender der Linken-Fraktion in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf, hätte das gerne gesehen. Er hatte als Kiezentdecker der Berliner Woche jüngst einen Beitrag veröffentlicht, in dem er das Projekt scharf kritisiert. „Die Wohnsituation in Berlin wird nicht nur für Studierende immer prekärer, auch Auszubildende haben große Probleme, ein bezahlbares Zimmer zu finden. An dieser Stelle ist das noch möglich. Vor diesem Hintergrund sind Verkauf und Abriss absurd. Auch ökologisch wäre es sinnvoller, den Bestand, zum Beispiel mit den neuen Förderprogrammen des Senats, energetisch zu sanieren.“

Wolfgang Tillinger von der SPD-Fraktion zeigte sich darüber erstaunt. Nun habe man einmal einen Investor mit hehren Absichten und dann passe es wieder nicht, erklärte er auf Nachfrage der Berliner Woche. „Überrascht aufgehorcht“ habe auch er, sagte Philipp Mühlberg von der Gesellschaft SKS, der den Bauherren in Sachen Kommunikation und Strategie berät und durch den Paragrafen-Dschungel eines Baunehmigungsverfahrens navigiert. „Niemand hatte bei der Sitzung ein Haar in der Suppe gefunden“

Und er widerlegte Schenkers These, hier würde günstiger Wohnraum zerstört: „Schon allein der Vergleich zwischen der aktuellen Wohnnutzfläche von etwa 4.900 Quadratmetern in den Wohntürmen, die aktuell zu fast 14 Euro pro Quadratmeter vermietet werden, zu den entstehenden Wohnungen auf den 5000 Quadratmetern Nutzfläche der Degewo macht den Sinn des Vorhabens deutlich.“ Nach einer Sanierung und einem Umbau zu studentischem Wohnen müssten 17 Euro pro Quadratmeter verlangt werden. In die neuen Sozialbauwohnungen könnten übrigens auch Studenten einziehen, wenn sie Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben, so Mühlberg.

Die Blockrandbebauung soll sich direkt an das derzeitige Ende der Wohnbebauung an der Reichsstraße anschließen und auch den gründerzeitlichen Stil dieser Häuser aufnehmen. Im Innenhof entsteht ein öffentlicher Spielplatz und zusätzliches Stadtgrün. Mühlberg hofft, dass das Baugenehmigungsverfahren zur Bauperiode zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 so weit fortgeschritten ist, das mit der Baufeldvorbereitung begonnen werden kann.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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