Rudolf-Wissell-Brücke
Bezirk hat eigene Idee für den Neubau

Zwischen der Rudolf-Wissell-Brücke und der bezirklichen Variante (orange) liegen derzeit 20 Hektar weitgehend brachliegende Flächen.
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  • Zwischen der Rudolf-Wissell-Brücke und der bezirklichen Variante (orange) liegen derzeit 20 Hektar weitgehend brachliegende Flächen.
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Das Bezirksamt hat während einer Pressekonferenz am 31. Mai eine alternative und spektakuläre Idee für den Neubau der überlasteten und maroden Rudolf-Wissell-Brücke präsentiert. Ihre Umsetzung würde mehr als 20 Hektar Fläche für die Stadtentwicklung frei machen.

Der Planskizze folgend, die Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) und Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) vorlegten, würden Kraftfahrer der A111 aus Richtung Heckerdamm kommend hoch auf das Brückeniveau gebracht, sich auf direktem Wege der Ringbahn annähern und ab dem Punkt, an dem die Gleise sich gen Süden biegen, exakt über dem Schienenverkehr weiterfahren – eine "Zwei-Etagen-Verkehrsführung" nannte Schruoffeneger das.

Ein abenteuerlich anmutender Entwurf, laut Schruoffeneger aber technisch machbar, wenn auch sicher etwas kostspieliger. "Und natürlich setzt er das Einverständnis der Bahn voraus." Vor allem aber trägt er dem Bedürfnis des Bezirks Rechnung: mehr Platz für Stadtentwicklung. Die bislang mehr oder weniger brach liegenden Areale zwischen der Trasse der Rudolf-Wissell-Brücke und der Bahnstrecke ließen sich so erschließen. Im Norden rechnet das Stadtentwicklungsteam mit einem Plus von mehr als acht Hektar, dann beispielsweise wieder nutzbar für Kleingartenanlagen.

Noch interessanter sind die 14 Hektar des derzeitgen Niemandslandes zwischen der Spree und dem Spandauer Damm. "Die beiden Gewerbegebiete an der Sophie-Charlotten-Straße und auf der westlichen Seite der Autobahn ließen sich relativ einfach verknüpfen. An- oder umgesiedeltes Gewerbe könnte an anderer Stelle Platz für Wohnbebauung schaffen", sagte Naumann. Langfristig biete sich in einem nächsten Schritt die Anbindung der "Sackgasse" Sophie-Charlotten-Straße an den Tegeler Weg an, die das gesamte Viertel verkehrlich erheblich entlasten würde. Fakt sei, so der Rathauschef: "So wie die Brücke jetzt verläuft, nimmt sie uns wertvolle Grundstücke in zentraler Innenstadtlage." Noch ein Vorzug der bezirklichen Variante: Dort, wo die Autobahn in nordsüdlicher Richtung wieder auf die bestehende Trasse münden würde, also nach der Westendbrücke, könnte zwischen den Fahrbahnen und der Wohnbebauung jeweils ein 25 Meter breiter Streifen freigemacht werden. "Gut, um die Lärmbelastung für die Anwohner zu reduzieren", sagte Schruoffeneger. 

Erst vor zwei Wochen hatte die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) den Siegerentwurf eines europaweit ausgeschriebenen Architekten-Wettbewerbs veröffentlicht, auf dessen Basis die Planungen nun voranschreiten sollen. Die Architekten Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) wollen für Baukosten in Höhe von 200 Millionen Euro bei annähernd gleicher Streckenführung aus einem Bauwerk zwei machen, eines für jede Fahrtrichtung. Damit ließe sich der Verkehr während der Bauzeit aufrecht erhalten – ein ganz wichtiges Kriterium. 

Naumann und Schruoffeneger halten den DEGES-Entwurf für "zu kurz gesprungen", Chancen zugunsten der Stadtentwicklung könnten leichtfertig vertan werden. Seine Bedürfnisse hatte der Bezirk in der Vergangenheit durchaus bei der DEGES vorgebracht. "Aber so richtig diskutieren wollte man mit uns nicht." Seitens der Pressestelle des Unternehmens heißt es dazu förmlich: "Auftraggeber ist das Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf wurde wie andere Träger öffentlicher Belange durch die DEGES in der Vergangenheit zum Stand der Planungen informiert. Für den Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke wurde ein Projektbeirat gegründet, in dem alle relevanten Akteure beteiligt sind – unter anderem das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. In diesen Projektbeirat können alle Ideen, Wünsche und Fragen eingebracht werden."

"Der Umgestaltung des Autobahndreiecks Funkturm wird ein städtebauliches Verfahren vorgeschaltet, da herrscht mit den beteiligten Senatsverwaltungen Einigkeit. Dabei wird geprüft, wie viel Stadt wieder freizubekommen ist", sagte Schruoffeneger bei der Pressekonferenz. "Für die Rudolf-Wissell-Brücke wünschen wir uns etwas Ähnliches." Mit dem veröffentlichten Vorschlag sei die DEGES diesem Wunsch im Moment nicht gefolgt. "Für den Bau braucht es ein Planfeststellungsverfahren, im Rahmen dessen, so finden wir, auch andere Varianten geprüft werden müssen. Es muss am Ende nicht unser Vorschlag werden, aber wir werden ihn als bezirkliche Stellungnahme in die Debatte werfen", so der Baustadtrat. Natürlich müssten für den eigenen Entwurf Grundstücksfragen geklärt und der Bund dazu gebracht werden, auch die Mehrkosten zu tragen. Wichtig sei es zunächst, dass das Thema auf Landesebene überhaupt diskutiert werde.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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