Was tun gegen Schulschwänzer?
Bußgelder nur als allerletztes Mittel

Im Schuljahr 2017/18 hat es im Bezirk insgesamt 370 sogenannte Schulversäumnisanzeigen gegeben.

Die Zahl beinhaltet alle Schüler, die mehr als fünf Tage unentschuldigt gefehlt haben. Wer darunter liegt, ist deshalb nicht erfasst. Es besteht auch keine absolute Gewähr dafür, dass alle Fälle übermittelt wurden.

Welche Gründe es gibt, dem Unterricht mehr oder weniger regelmäßig fernzubleiben, ist zumindest statistisch nicht erfasst. Sie seien "vielfältig und sehr stark vom Einzelfall abhängig", erklärte Schulstadtrat Andy Hehmke (SPD) auf eine entsprechende Frage des Grünen-Bezirksverordneten Dr. Wolfgang Lenk. Übersetzt heißt das wohl: Ursachen für die Schuldistanz kann "null Bock" ebenso sein wie familiäre oder persönliche Probleme.

Wer als Schulschwänzer auffällig wird, bekommt in Friedrichshain-Kreuzberg zunächst vor allem sozialpädagogische Nachhilfe. Wie erfolgreich die ist, wollte Wolfgang Lenk ebenfalls wissen. Konkret, wie viele Schüler werden trotzdem wieder rückfällig?

Auch das ließe sich zunächst nicht eruieren, weil noch keine Zahlen für das abgelaufene Schuljahr vorliegen. Für das Schulamt sei dabei entscheidend, dass es nach individuellen Gesprächen mit den Unterrichtsverweigerern sowie ihren Erziehungsberechtigten wieder zu einem Schulbesuch beziehungsweise einer Ersatzmaßnahme komme, führte der Stadtrat aus.

Er widersprach auch einmal mehr dem immer wieder erhobenen Vorwurf, Friedrichshain-Kreuzberg belege häufig auftretendes Schwänzen nicht durch Bußgelder. Er wurde unter anderem von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erhoben, die einen Verzicht auf diese Sanktion "unverantwortlich" fand.

Der Bezirk lehne Bußgelder nicht grundsätzlich ab und habe sie auch schon verhängt, machte Andy Hehmke klar. Das passiere dann, wenn den Eltern nachgewiesen werden könne, dass sie nicht dafür sorgen, dass ihr Kind dem verpflichtenden Schulbesuch nachkommt. Allerdings, auch das wurde deutlich, werden Bußgelder als eine Art allerletztes Mittel gesehen. Oberste Priorität sei, die Ursachen für die Schuldistanz zu ergründen und zu beseitigen.

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