Hoffen auf ein Happy End
Kinobetreiberin Andrea Stosiek und ihre aktuelle Lage

Seit 2008 betreibt Andrea Stosiek das Sputnik am Südstern.
  • Seit 2008 betreibt Andrea Stosiek das Sputnik am Südstern.
  • Foto: Thomas Frey
  • hochgeladen von Thomas Frey
Corona- Unternehmens-Ticker

Am 14. März um 20 Uhr liefen auch im Sputnik-Kino von Andrea Stosiek die letzten Filme. Seither ist ihr Filmtheater am Südstern, wie alle anderen, geschlossen. Berliner-Woche-Reporter Thomas Frey sprach mit der Betreiberin über die Folgen der Corona-Schließung für ihren Betrieb.

Wie wurden Sie mit dem Ende konfrontiert?

Andrea Stosiek: Sehr schnell. Denn kurz nachdem die Schließung angekündigt wurde, trat sie bereits in Kraft. Wir hatten schon zuvor überlegt, wie wir mit der Situation umgehen, auch im Hinblick auf die zunächst angekündigte Regelung, nach der sich maximal 50 Personen in einem Raum aufhalten dürfen. Unser großer Saal hat 70 Plätze, der kleine 25. Wir hatten bereits die Besucherkapazität auf 25 beziehungsweise zwölf begrenzt. Das war ein Einschnitt, aber wäre finanziell einigermaßen tragbar gewesen. Sehr schnell hatte sich das aber erledigt.

Was bedeutet das erzwungene Aus konkret für Sie?

Stosiek: Keine Vorstellungen heißt keine Einnahmen bei gleichzeitig weiter laufenden Ausgaben. Die Monate Januar bis März gehören für ein Indoor-Kino zu den wichtigsten des Jahres. Während dieser Zeit setzen wir finanziell Speck an, ehe die Sommermonate kommen. Auch um mögliche Reparaturen damit bezahlen zu können. Dadurch, dass wir nur den halben März spielen konnten, haben wir bereits jetzt in diesem Monat einen Einnahmerückgang zum Vorjahr von 31 Prozent.

Lässt sich der wahrscheinliche Ausfall schon jetzt einigermaßen beziffern?

Stosiek: Grob geschätzt sind es rund 25 000 Euro. Die Gewinnmargen im Kino liegen durchschnittlich bei nur zehn Prozent des Ticketumsatzes und sind jetzt natürlich gleich Null. Ich habe sechs Mitarbeiter, zwei davon Vollzeit, einen in Teilzeit, drei Minijobber. Da geht es jetzt um Kurzarbeitergeld und welche Voraussetzungen dafür gegeben sein müssen. Sich darüber zu informieren, ist gerade eine Aufgabe. Auch was mögliche Hilfsmaßnahmen und Förderungen anbelangt. Manchmal lassen sich aber schon entsprechende Formulare nicht herunterladen, weil das Netz und die Telefonhotlines hoffnungslos überlastet sind. Nicht nur deshalb nimmt das alles viel Zeit in Anspruch.

Stichwort Unterstützung: Worauf hoffen oder setzen Sie?

Stosiek: Etwas hilft schon, wenn die Leute jetzt Gutscheine kaufen für Vorstellungen, die hoffentlich irgendwann wieder stattfinden. Wobei ich nicht glaube, dass das vor Ende April passieren kann. Die Gutscheine können bei uns über die Website bezogen werden. Sie bedeuten wenigstens ein bisschen Einnahmen, wenn auch bereits im Vorgriff.

Außerdem planen wir privat betriebenen Arthouse-Kinos eine Crowdfunding-Kampagne. Auch um auf unseren Stellenwert aufmerksam zu machen. Wir sehen uns als wichtigen Teil der nicht subventionierten Kulturszene. Und ebenso wie bei freien Theatern, Ensembles und allem was daran hängt, wäre es kaum vorstellbar, wenn große Teile davon demnächst nicht mehr existieren würden. Deshalb setzen wir auch auf staatliche Hilfe.

Sie betreiben jeden Sommer auch das Freiluftkino Insel auf dem RAW-Gelände. Soll das bisher stattfinden?

Stosiek: Ja und wenn möglich sofort nach Aufheben des Vorführungsverbots. Also im besten Fall ab Mai.

Was machen Sie ansonsten in diesen Tagen und Wochen?

Stosiek: Im Kino zum Beispiel Renovierungs- und Frühjahrsputzarbeiten und das Aufarbeiten der Bürokratie – alles, was liegengeblieben ist und was jetzt geregelt werden muss. Privat die neue Wohnung einrichten. Es bleibt jetzt auch mehr Zeit für mein dreijähriges Kind. Es gibt die eine oder andere positive Seite in dieser Situation. Für das Klima ist es beispielsweise gut und vielleicht entschleunigt die Krise auch die Gentrifizierung in den Berliner Kiezen. Das bleibt natürlich abzuwarten. Überlagert wird das aber von der Frage, wie es weiter geht.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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