Deutsch lernen mit Einstein: In Willkommensklassen endete das erste Schuljahr

Vereinte Nationen. Alexandra Treske (zweite von rechts) mit Schülern ihrer Willkommensklasse.
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Kreuzberg. Die Schüler bewegen sich durch verschiedene Zeiten der deutschen Grammatik: "Ich bin berühmt, ich war berühmt, ich bin berühmt gewesen."

Die Gegenwarts- und Vergangenheitsformen sind nicht nur an dieser Willkommensklasse in der Ferdinand-Freiligrath-Schule an der Bergmannstraße ein Unterrichtsthema. Vier solcher Klassen für Flüchtlingskinder oder aus Einwandererfamilien gibt es dort. Im ganzen Bezirk waren es zuletzt mehr als 70. Vor allem die deutsche Sprache steht auf dem Stundenplan. Wenn sie ein Schüler einigermaßen beherrscht, kann er in eine reguläre Klasse wechseln, sagt Lehrerin Alexandra Treske.

Besuch von Merkel

Die Studienrätin kümmert sich seit fünf Jahren um Kinder, die aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind. Lange sei diese besondere Schulform kaum beachtet worden und führte auch zahlenmäßig eher ein Schattendasein. Mit dem Zustrom der Flüchtlinge seit Sommer 2015 hat sich das geändert. Beim Unterrichtsmaterial wurde nachgerüstet. Es gibt begleitende Angebote und Programme. Und Alexandra Treske und ihre Klasse erlebten im vergangenen Herbst allerhöchste Aufmerksamkeit durch einen Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Um andere Berühmtheiten geht es bei den Grammatikübungen. Alexandra Treske zeigt Bilder von Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Epochen. Die Konterfeis samt Begleittext haben die Schüler auch vor sich liegen. Zu sehen sind zum Beispiel Physikgenie Albert Einstein, Urwalddoktor Albert Schweitzer, Modeschöpferin Jil Sander oder Sängerin Nina Hagen. Mit ihrer Hilfe sollen nicht nur Zeitenfolgen, sondern im Nebeneffekt auch eine Facette deutscher Landeskunde vermittelt werden.

Auch das Thema Vorbilder kommt zur Sprache. Apropos: "Was bedeutet dieser Begriff?", fragt Alexandra Treske. "Idol", sagt ein Mädchen, was als einigermaßen stimmiges Synonym durchgeht. Betim (17) kann sogar ein konkretes Vorbild nennen: "Mutter Teresa, denn die kam aus Albanien."

Typische Jugendliche

Zehn Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren besuchen diese Willkommensklasse. Acht sind an diesem Tag anwesend, von denen zwei nicht auf das abschließende Gruppenfoto wollen oder dürfen. Außer Syrien und dem Irak nennen andere Schüler auch Mazedonien, Nepal, Kroatien oder Spanien als ihre Herkunftsländer. Mit einer Ausnahme sind alle im Verlauf des vergangenen Jahres nach Deutschland gekommen. Und nach und nach im Unterricht von Alexandra Treske gelandet.

Sieht man von diesen Besonderheiten ab, läuft der Unterricht nicht viel anders als in einer "normalen" Klasse. Das gilt gerade für das Binnenverhältnis. Auch hier gibt es das typische Rollenverhalten einer Schülergruppe, erst recht im Pubertätsalter. Einige zeigen sich sehr präsent und ziehen mit vielen Kommentaren Aufmerksamkeit auf sich. Andere sind zurückhaltender, dafür umso aussagekräftiger, wenn sie etwas sagen. Manche versuchen, sich einigermaßen unfallfrei durch die Texte und die Grammatik zu hangeln. Ihnen gegenüber stehen Mitschüler, denen das anscheinend kaum noch Schwierigkeiten macht. Und mittendrin immer Alexandra Treske, die lobt, animiert und korrigiert und sich häufig auch einzelnen besonders widmet.

Ähnlich wie andere Gleichaltrige haben auch diese Schüler mehr oder weniger konkrete Vorstellungen, was ihre Zukunft betrifft. Schule, Beruf, "vielleicht an die Uni gehen", fallen da ebenso als Schlagworte wie "die Welt bereisen" oder allgemein "ein gutes Leben".

Für etwa die Hälfte der Klasse folgt jetzt der nächste Schritt. Ihre Sprachkenntnisse sind inzwischen so gut, dass sie nach den Ferien eine Regelklasse besuchen können.

Alexandra Treske hat dafür das Fundament gelegt. Sie wird jetzt neue Schüler bekommen. Und auch die nicht nur mit Grammatikübungen auf ihren weiteren Weg vorbereiten. tf

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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