Trotz Kälte draußen bleiben: Manche Obdachlosen wollen in keine Notunterkunft

In diesem Schlafsack liegt ein Mensch.
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Friedrichshain-Kreuzberg. Gerade an sehr kalten Tagen wie zuletzt fallen diese Menschen besonders auf. Etwa in manchen Parks, wo sie, bepackt mit ihrer wenigen Habe, auf Bänken oder im Gras sitzen. Auch vor dem Rathaus Kreuzberg haben manche schon ihr Lager aufgeschlagen. Und nicht zu übersehen sind die Obdachlosen auf der Oberbaumbrücke.

Ein Schlafsack liegt dort ausgebreitet. Weil er sich ab und zu bewegt, wird deutlich, dass sich in ihm eine Person befindet. Eine Meter weiter steht ein Zelt.

Schon tagsüber ist das Leben auf der Straße beschwerlich. Erst recht gilt das für die Nacht. Aber trotz Temperaturen bis zum zweistelligen Minusbereich lehnen es viele Obdachlose weiter ab, eine Notunterkunft aufzusuchen. "Wieso sollte ich das tun?", antwortet einer auf die entsprechende Frage. Aussagen, mit denen auch die Helfer im Kältebus der Berliner Stadtmission immer wieder konfrontiert werden.

Vertrauen aufbauen

Zwingen, eine Notunterkunft aufzusuchen, könne man dazu erst einmal niemanden, erklärt Ortrud Wohlwend, Sprecherin der Stadtmission. Es bleibe dann nur das regelmäßige Vorbeischauen an den bekannten Schlafplätzen, wie der Oberbaumbrücke oder am Ostbahnhof.

Natürlich seien den Mitarbeitern diese und andere Übernachtungsorte im Freien vertraut. Manchmal passiere es auch, dass sich nach einigen Tagen doch jemand entschließt, sich in ein Notquartier fahren zu lassen. Der regelmäßige Kontakt sei deshalb wichtig, sagt Ortrud Wohlwend. Auch um Vertrauen aufzubauen. Und bei einer ernsthaften Krankheit oder sogar Lebensgefahr kann ein Betroffener auch gegen seinen Willen in ein Krankenhaus gebracht werden.

Zu wenige Notübernachtungsplätze

Entgegen mancher landläufiger Meinung werden die Obdachlosen nach ihrer Ansicht sehr wohl registriert. "Das haben wir ganz konkret in einer der sehr kalten vergangenen Nächte erfahren." Rund 100 Anrufe seien da eingegangen, die auf Menschen auf der Straße hingewiesen hätten.

Wie hoch deren Zahl insgesamt in Berlin ist, darüber gibt es keine genauen Angaben. Die Stadtmission-Sprecherin schätzt, dass es zwischen 5000 und 6000 sind. Ihnen stehen aktuell rund 750 Notübernachtungsplätze in der Stadt gegenüber. Davon befinden sich mehr als 200 in Friedrichshain-Kreuzberg. Das bedeutet im Umkehrschluss, es würde gar nicht Platz für alle geben. Gleichzeitig gilt aber auch: Niemand, der gerade in frostigen Nächten eine Schlafstelle sucht, soll abgewiesen werden. tf

In diesem Schlafsack liegt ein Mensch.
Ein Zelt als Wohnung auf der Oberbaumbrücke. Foto: Frey
Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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