Beruhigung in drei Phasen
Ein kompakter Informationsabend zum Verkehr im Samariterkiez

Felix Weißbrich und vor ihm viele Besucher.
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Es begann mit einigen Turbulenzen und einer aufgeladenen Atmosphäre. Knapp drei Stunden später hatten sich die Gemüter weitestgehend beruhigt und es gab sogar einige Ergebnisse oder besser Wünsche.

Das war, grob zusammengefasst, der Verlauf der Informationsveranstaltung am 19. Februar zur Verkehrsberuhigung im Samariterkiez. Ein Thema, das auch emotional bewegt. Seit die zwei Diagonal- und eine Komplettsperre dort an drei Kreuzungen installiert wurden, sei nicht nur das Gebiet getrennt, sondern auch seine Bevölkerung gespalten, beklagten Gegner der Maßnahme, deren Sprachrohr vor allem die Initiative "Verkehr und Vernunft" ist.

Eingerichtet worden waren die Hindernisse nicht zuletzt auf Betreiben der Gruppierung "Verkehrsberuhigter Samariterkiez". Die erkennt zwar einige Nebenwirkungen an, steht aber weiter hinter dem Vorhaben. Es habe mehr Sicherheit speziell für Kinder und größere Lebensqualität gebracht. Ansichten, die sich zunächst konträr gegenüber standen. Ehe sich, trotz weiter bestehender Gegensätze, die Tonlage beruhigte. Was in drei Phasen erfolgte.

Phase 1: Der Veranstaltungsort, die Musikschule an der Zellestraße, fasst ungefähr 200 Menschen. Er reichte bei weitem nicht aus. Noch nach dem offiziellen Beginn stand eine lange Schlange vor dem Eingang. Viele kamen nicht mehr hinein. Sie mit eingerechnet wollten rund 300 Interessierte an diesem Abend teilnehmen. Für eine Menge Besucher blieb nur Stehen. Was auch daran lag, dass die Sitzplätze wegen später vorgesehener Gruppenarbeit reduziert und in mehrere Kreise gestellt waren. Das alles hat zur zunächst erhitzten Stimmung beigetragen. Befürworter und Gegner bedachten eigene Argumente mit lautstarkem Applaus, Konträres mit Missfallen. Zunächst schien es, als seien beide Lager ungefähr gleich stark. Im weiteren Verlauf war aber mehr Zustimmung für den "verkehrsberuhigte Samariterkiez" zu beobachten. Außerdem gab es nicht wenige Besucher, die keiner Formation zuzurechnen waren.

Phase 2: Einnorden, ordnen, das vorgesehene Programm durchziehen. Diese Aufgabe lag bei Moderatorin Konstanze Fritsch von der Stiftung SPI. Sie leistete dabei den wichtigsten Beitrag zur Beruhigung: So viel Frustabfuhr zulassen, wie in diesem Moment nötig, gleichzeitig Grenzen setzen. Und das kurzweilig und witzig, statt belehrend.

Auch Felix Weißbrich, Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes, trug seinen Teil dazu bei. Er machte zunächst klar, dass das Einrichten der Sperren und Poller auf einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zurückgehe. Seine Verwaltung wäre nur ausführendes Organ der politischen Willensbildung. An der Entscheidung werde sich erst einmal auch nichts ändern. Allerdings werde es nach einem Jahr eine Evaluation geben.

Nicht nur deshalb gebe es diese Veranstaltung. Auch, weil dem Amt das Für und Wider im Kiez ebenfalls nicht verborgen geblieben sei. Und ja, nicht alles an der Verkehrsberuhigung wäre gelungen. An manchen Stellen hätte sie keine Entlastung gebracht. Ein Problem sei auch weiter der sogenannte "U-Turn" an der Bäschstraße. Auch das übergeordnete Ziel benannte Felix Weißbrich, nämlich den Durchgangsverkehr weitgehend aus den Wohngebieten heraushalten.

Phase 3. Was folgt daraus? Und was wird künftig gewünscht? Zunächst wurden Vertreter von "Verkehr und Vernunft" und "Verkehrsberuhigter Samariterkiez" in einem Podiumsgespräch nicht nur mit diesen Fragen konfrontiert. Noch einmal mit der bekannten Frontstellung, aber schon in reduzierter Tonlage. Nicht weniger, sondern mehr Verkehr hätten die Sperren gebracht, fanden erstere. Schon, weil manche Bewohner jetzt größere Umwege fahren müssen. Noch weniger Autos im Kiez sei das Ziel, meinten die Sprecher der Verkehrsberuhigten. Gerne auch durch weitere Ideen und aktive Mitarbeit der Bewohner.

Die gab es dann auch bei den Kleingruppendebatten in den vorher aufgebauten Stuhlkreisen mit bereits reduzierter, aber immer noch sehr großer Teilnahme.

Mehr Maßnahmen, um den Durchgangsverkehr zu verhindern, eine intelligente Einbahnstraßenregelung, die Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung auf das gesamte Gebiet, die Berücksichtigung des Lieferverkehrs, ein Zuschütten der Schlaglöcher – das sind nur einige Beispiele aus einem sehr breiten Ideenarsenal, zu der auch die Forderung einer rechtzeitigen und durchgehenden Information gehörte.

Fazit: Die gesamte Wunsch- und Verbesserungsliste landet beim Straßen- und Grünflächenamt. Welche Konsequenz das nach sich zieht, ist eine fachliche, aber vor allem politische Entscheidung. In den entsprechenden Gremien, konkret im Umwelt- und Verkehrsausschuss sowie der BVV, könnten sich die Bürgerinnen und Bürger ebenfalls Gehör verschaffen, erinnerte Felix Weißbrich. Außerdem soll es eine weitere Veranstaltung geben – schon für diejenigen, die dieses Mal keinen Einlass gefunden hatten.

Am Ende waren sich die meisten einig, dass der Austausch, gerade in der Gruppenphase, sehr zielführend gewesen sei und sich auch einige Spannungen dadurch gelöst hätten.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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