Die AG Flucht + Menschenrechte setzt sich für geflüchtete Menschen ein

Mitglieder der AG Flucht + Menschenrechte in einem Flüchtlingsheim.
  • Mitglieder der AG Flucht + Menschenrechte in einem Flüchtlingsheim.
  • Foto: Foto: AG F+M
  • hochgeladen von Angelika Ludwig

Treptow-Köpenick. Die Berliner Woche besucht engagierte Flüchtlingsinitiativen, um über deren Ziele und Aktivitäten zu berichten. Dieses Mal steht Rebecca Sommer im Mittelpunkt, die im vergangenen Jahr eine AG ins Leben rief, die heute viel Zuspruch erfährt.

Gülsor, Asylbewerber aus Pakistan, schaut interessiert auf den PC. Rebecca Sommer erklärt ihm gerade geduldig, wie die digitale Wohnungssuche funktioniert und tippt ein Anschreiben an einen Wohnungsanbieter ins Netz.

Die engagierte Menschenrechtlerin, Fotografin und Journalistin zog 2012 von New York nach Berlin. Sie wollte sich hier lokal für die Flüchtlinge engagieren. In Köpenick gab es eine Bürgerinitiative, die sich um die Flüchtlingsunterkunft im Salvador-Allende-Viertel kümmerte. Doch Rebecca Sommer hatte Probleme, ihr ehrenamtliches Engagement dort sinnvoll einzusetzen. Kurzerhand suchte sie sich gleichgesinnte Einzelkämpfer, mit denen sie die AG Flucht + Menschenrechte im Frühjahr 2014 gründete. 23 Leute kamen zusammen, heute sind es 150 Unterstützer. Darunter vor allem Schüler, Studierende und Rentner aus den unterschiedlichsten Berufen - aber auch Flüchtlinge, die schon länger hier sind und sich mit ihrer Erfahrung einbringen möchten.

Über einen Blog wird der Bedarf an Unterstützung verbreitet. Wer Zeit hat, macht mit und meldet sich. Zur AG gehören 60 Lehrer, die Deutschunterricht und Nachhilfeunterricht anbieten. Das Besondere ist, dass es für Neuankömmlinge erst einmal Einzelunterricht gibt. Denn erst nach einer längeren Aufenthaltsdauer werden offiziell Sprachkurse angeboten. Im Einzelunterricht lernt man sich kennen und baut so Vertrauen auf.

Viele Ziele, viele Aufgaben

Außerdem bietet die AG Tanzgruppen für Kinder und Erwachsene an. Geprobt werden traditionelle Tänze der Länder, aus denen die Flüchtlinge kommen, meistens sind es Ringtänze. „Nicht immer ganz einfach, es begegnen sich hier unterschiedliche Kulturen, christliche und muslimische“, lächelt Sommer. Da muss sich dann schon einmal ein Araber auf den Tanz eines Eritreers einlassen und umgekehrt, „das übt Toleranz auf unterhaltsame Weise“.

Tanzgruppen, Jugend- Familienfeste und Deutschunterricht werden von der AG gezielt organisiert. Alle weiteren Aktivitäten und Anfragen kommen von den Flüchtlingen selbst und werden von den Ehrenamtlichen unterstützt. Dazu gehört nicht nur die Begleitung zu Behörden, Ärzten und die gemeinsame Wohnungssuche, sondern auch die Nachversorgung, wenn sie bereits in anderen Bezirken wohnen. Dann übernimmt die AG zum Beispiel die Koordination von Einrichtungsgegenständen und Spenden. Das kann schnell und unbürokratisch geschehen. Die Basis bilden gut funktionierende Kooperationen in Treptow-Köpenick. Die AG hält ständigen Kontakt zu den Heimen, zur Kirche, zu Jugendgruppen im Kiez, Sportclubs, religiösen Gemeinden.

Sie möchte Flüchtlinge begleiten, sich gemeinsam mit ihnen für ihre Rechte einsetzen, ihnen Hilfestellung beim Verstehen der deutschen Sprache und Kultur geben, aber gleichzeitig dafür sorgen, dass sie ihre Kultur pflegen können und sich untereinander vernetzen. „Am Ende kann durch die Flüchtlinge ein reiches und farbiges Deutschland entstehen“, hofft Rebecca Sommer. Gerade in Köpenick sei das wichtig, wo sie oft kleinkarierte und rassistische Reaktionen erlebe. AL

Autor:

Angelika Ludwig aus Weißensee

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