Trend abgewendet?
Ergebnisse der Einschulungsuntersuchungen zeigen leichte Besserung

Unter anderem Größe, Gewicht, Zahngesundheit werden bei den Einschulungsuntersuchungen ermittelt.
  • Unter anderem Größe, Gewicht, Zahngesundheit werden bei den Einschulungsuntersuchungen ermittelt.
  • Foto: Bezirksamt Lichtenberg
  • hochgeladen von Berit Müller

Es ist der bislang einzige ärztliche Pflichtcheck in Deutschland – umso repräsentativer sind die Ergebnisse: Das Bezirksamt Lichtenberg hat jetzt den Bericht der Einschulungsuntersuchungen (ESU) für das Schuljahr 2016/2017 veröffentlicht. Das Papier analysiert Daten von 2239 Kindern. Es zeigt, dass der Anteil von Erstkässlern mit einem Förderbedarf im Vergleich zum Jahr davor abgenommen hat. Allerdings nur leicht.

Im jährlich erscheinenden Bericht der Gesundheitsämter geht es nicht nur um medizinische oder entwicklungsphysiologische Daten. Der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD), der die obligatorischen Checks jeweils vorm Schulstart vornimmt, notiert zwar den Stand der sprachlichen, motorischen und kognitiven Fähigkeiten. Gewicht, Zahngesundheit, Vorsorge- und Impfstatus der Kleinen werden ermittelt. Aber auch Einkommen, Medienkonsum und Rauchverhalten der Familien spielen eine Rolle. Anhand der Auswertung entwickeln Fachleute Präventionsmaßnahmen im Bereich Kindergesundheit.

„Der Bericht gibt uns regelmäßig einen Einblick in die Gesundheit und den Entwicklungsstand der Lichtenberger Eingeschulten“, sagt Gesundheitsstadträtin Katrin Framke (parteilos, für die Linke). „Diese Kenntnisse sind wichtig, um jedem Kind einen guten Einstieg in die Schule zu ermöglichen. Die Ergebnisse und daraus definierten Handlungsfelder stellen zudem eine wichtige Grundlage für unsere weitere Arbeit dar.“

Weniger auffällige Kinder

Im Vergleich zum Vorjahr fällt in der neuesten Studie der Anteil an Kindern mit negativ auffälligen Ergebnissen geringer aus, sowohl hinsichtlich des Denk- und Auffassungsvermögens als auch in puncto Sprache und Motorik. Dennoch bescheinigt der Gesundheitsdienst fast der Hälfte, nämlich 48,1 Prozent aller untersuchten Mädchen und Jungen, einen schulischen Förderbedarf. Der Vorjahresbericht hatte dies für 50,7 Prozent der Kinder festgestellt.

Was laut ESU nach wie vor gilt: Die soziale Herkunft hat den größten Einfluss auf die Gesundheit der Einzuschulenden. Kinder von Eltern mit niedrigem Sozialstatus leben häufiger in Raucherhaushalten, sie haben öfter Karies, sind häufiger übergewichtig und verbringen mehr Zeit vor dem TV- oder Computerbildschirm.

Im Untersuchungszeitraum lebten 54,9 Prozent der Lichtenberger Schulstarter in Familien mit mittlerem Sozialstatus. Ein knappes Viertel (24 Prozent) zählte zur oberen, 21,2 Prozent zur unteren Statusgruppe, die unter anderem anhand der Haushaltseinkommen ermittelt wird. Im Bezirksvergleich lag Lichtenberg damit im Mittelfeld. 

Unterschiede zwischen Ortsteilen

Die meisten Mädchen und Jungen – 302 an der Zahl – lebten im Süden von Alt-Hohenschönhausen. In der Rummelsburger Bucht waren nur 35 Kinder zu Hause und somit die wenigsten. Alt-Lichtenberg war die Region mit dem größten Anteil an Familien der niedrigen Sozialstatusgruppe (35 Prozent). In der Rummelsburger Bucht lebten drei von vier Kindern in einer wohlsituierten Familie. Das Quartier war der einzige Ortsteil mit der im Berlinvergleich niedrigen Förderquote von 20 Prozent. Neu-Hohenschönhausen Nord lag mit Abstand an der Spitze in Bezug auf Alleinerziehende (44 Prozent). In den „Dörfern“ wuchsen fast 90 Prozent aller Kinder mit beiden Elternteilen auf.

Die Testergebnisse im Bereich der Visuomotorik zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich sich die Situation in den einzelnen Lichtenberger Stadtteilen darstellt: Insgesamt hatten hier etwa 23 Prozent der Kinder negativ auffällige Resultate. In Alt-Hohenschönhausen Nord erfüllten aber nur 10,4 Prozent die Kriterien nicht in ausreichendem Maße, während in Friedrichsfelde Nord und Süd 38 beziehungsweise 30 Prozent aller Kinder schlecht abschnitten.

Ein ähnliches Bild offenbart sich bei der Übung zum Nachsprechen von Sätzen. In Friedrichsfelde Süd, Neu-Hohenschönhausen Nord und Neu-Hohenschönhausen Süd wurden fast jedem fünften Kind Auffälligkeiten attestiert. Der Lichtenberger Durchschnitt lag hingegen bei 12,4 Prozent. In Karlshorst hatten nur 4,5 Prozent der Mädchen und Jungen besorgniserregende Testergebnisse. In ganz Neu-Hohenschönhausen und in Friedrichsfelde Nord konstatierte der KJGD einen hohen Anteil an Kindern mit einer nicht altersgemäßen Entwicklung. Entsprechend lag die Quote für die schulische Förderung in diesen Regionen bei fast 60 Prozent.

Hohe Impfquoten

Präventionsangebote nehmen die Lichtenberger Eltern überdurchschnittlich häufig wahr. Die Impfquoten sind hoch, im Bezirksvergleich liegt Lichtenberg auf dem zweiten beziehungsweise dritten Rang. Die meisten Familien – 88,7 Prozent – gehen mit ihrem Nachwuchs zu den freiwilligen Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U8. Fast alle Lichtenberger Vorschüler (93,9 Prozent) besuchten eine Kita, allerdings knapp sieben Prozent davon für einen Zeitraum von unter zwei Jahren.

Im aktuellen ESU-Bericht sind nun zum ersten Mal auch Handlungsfelder formuliert – Ansatzpunkte für die bezirkliche Arbeit. Dazu zählen die Themen Kitabesuch, Medienkonsum, Alleinerziehende, Deutschkenntnisse bei Kindern nicht deutscher Herkunft. Zusätzliche Angebote in diesen Bereichen will der Bezirk nun gezielter platzieren.

Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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