Viel mehr als ein Computer-Club
In Friedrichsfelde beschäftigen sich Senioren mit PC, Tablet und Co.

Gisela Seifert, Susanne Simon, Dieter Gericke und , Sabine Strandt von der Fotogruppe im DSCC sind sehr anspruchsvoll, wenn es um Resulate geht.
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  • Gisela Seifert, Susanne Simon, Dieter Gericke und , Sabine Strandt von der Fotogruppe im DSCC sind sehr anspruchsvoll, wenn es um Resulate geht.
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Oma bekommt zum Geburtstag ein Smartphone, damit die Tochter ihr ab und an ein Foto vom neuen Enkelchen schicken kann. Oder eine schnelle Nachricht. Nun hatte Oma so ein Gerät noch nie in der Hand. Sie traut sich den Umgang damit nicht zu, will sich vor der Familie aber keine Blöße geben. Was tun? Eine Variante: Beim Deutschen Senioren-Computer-Club (DSCC) anmelden.

Vor ein paar Jahren kaufte sich Stephan Streicher eine teure neue Videokamera. Die nächste Fernreise stand an und sollte in bewegten Bildern dokumentiert werden. Doch so einfach, wie er sich das vorgestellt hatte, war’s eben nicht. „Dieser ganze Technikkram hatte einen Rattenschwanz“, erinnert er sich. „Um einen anständigen Film zu machen, muss man auch die Software kennen.“

Bei der Suche nach Rat und Tat stieß Streicher auf den Deutschen Senioren-Computer-Club und dessen Videogruppe. Inzwischen beherrscht er nicht nur seine Kamera von A bis Z. Seit dreieinhalb Jahren ist der Rentner außerdem Vizepräsident des Computer-Vereins mit knapp 600 Mitgliedern. Er kümmert sich um Geschäftliches und die Pressearbeit, außerdem leitet er selbst Kurse.

Im fünften Stock eines Plattenbaus an der Einbecker Straße 85 sitzt der DSCC, der in diesem Jahr den 22. Geburtstag feiert. Viel Platz haben die Computerfreunde dort. Von einem langen Flur gehen links und rechts Zimmer ab, drinnen treffen sich die Interessengruppen. Sie heißen Linux, Internet und Homepage, Sound, und Fotografieren. Es gibt die Gruppen Video, PC-Arbeit für Sehschwache und Flugsimulation. Wer irgendwo mitmachen will, muss 55 plus sein. Das ist die Voraussetzung.

Alltägliche Herausforderungen

Viele Senioren klopfen aber erst einmal beim Club an, weil sie sich Grundkenntnisse am PC, Tablet oder Smartphone verschaffen möchten. Die eine bekam ein digitales Gerät vererbt oder geschenkt, nun will sie es auch benutzen. Der andere möchte in die WhatsApp-Familiengruppe und lernen, wie der Dienst funktioniert. Stephan Streicher: „Mit der modernen Technik einigermaßen klar kommen – das ist es, was die meisten Leute wollen.“

Das Kursangebot beim DSCC ist deshalb vielfältig. Es reicht von Windows für Anfänger und Fortgeschrittene über Einführungen in Word, Excel und Power Point, in E-Mailprogramme, Tablet und Internet bis zu Videoschnitt und Bildbearbeitung. Aber nicht nur lernen, auch eigenes Wissen weitergeben können die Senioren. Wer sich schon etwas auskennt, assistiert den Kursleitern – und lernt immer mehr hinzu. Das Prinzip der gegenseitigen Hilfe ist Credo im Club. Niemand brauche Berührungsängste zu haben, sagt Streicher. Vom absoluten Anfänger bis zum Linus-Freak sei alles dabei. Und jeder willkommen.

Keine Freaks aber nicht minder anspruchsvoll sind Gisela Seifert, Susanne Simon, Sabine Strandt und Dieter Gericke. In der Fotogruppe widmen sich die Vier mit Akribie der Bildbearbeitung. Mal tüfteln sie an mitgebrachten Aufnahmen herum, mal touren sie zusammen durch die Stadt und knipsen. Anschließend werden die Bilder am Computer optimiert, zu Diashows oder Fotobüchern zusammengestellt. Dabei zählt Qualität. „Ich komme nicht her, um Zeit totzuschlagen, das Ergebnis ist mir wichtig“, erklärt Dieter Gericke und deutet auf einen Tisch mit Hochglanz-Fotomappen. Eine zeigt Bilder einer Norwegen-Reise, die nächste prächtige Aufnahmen von der letzten Bundesgartenschau. Die Dritte mit der Aufschrift „Buch der Familie“ enthält Fotos aus den Jahren 1938 bis 2000, zum Teil in Schwarz-Weiß. Fotografieren ist für die meisten ein langjähriges Hobby. Viermal im Jahr gestaltet die Gruppe eine Ausstellung für den Flur der Clubetage. Die Auswahl gehe nie ohne engagierte Diskussionen vonstatten, berichtet Dieter Gericke.

Im Alter Programmieren lernen

Ein paar Zimmer weiter sitzen zwei Frauen an Laptops und plaudern dabei, ohne vom Bildschirm aufzublicken. IG Homepage steht an der Tür. Leiterin Antje Arnold ist seit 20 Jahren Mitglied im DSCC. „Als ich damals Rentnerin wurde, musste ich mich ja beschäftigen“, erzählt sie. „Irgendwann waren zu Hause aber alle Schubladen aufgeräumt.“ Weil sie schon immer wissbegierig war, fing sie im Computer-Club an und brachte sich dort das Webseiten-Gestalten mit ein wenig Hilfe quasi selbst bei. Sie beherrsche auch HTML, erwähnt sie noch. „Das möchte schon sein!“

Brigitte Lauch kam vor 13 Jahren zum ersten Mal in die Einbecker Straße und hat zunächst in unterschiedliche Kurse hineingeschnuppert. Hängen blieb sie in der IG Homepage, weil ihr das am meisten Spaß machte. Jetzt kümmert sie sich um eine Subdomain der Seite. „Wenn man hier Mitglied ist, qualifiziert man sich automatisch immer weiter.“ Wobei es im Club keineswegs nur um die Computer gehe. „Die Geselligkeit ist einfach schön. Das Geben und Nehmen. Ich habe hier in traurigen Zeiten viel Beistand erlebt.“

Einer für alle

Mit Bits und Bytes hat Ute Sorge gar nicht viel am Hut. „Ich bin Mädchen für alles und Kulturtante“, scherzt die Seniorin, die gerade zwei Neulinge herumführt. Seit neun Jahren reist sie mindestens einmal pro Woche extra aus Lichtenrade an und wirkt im Organisationsteam für Veranstaltungen, Vorträge und Ähnliches mit. „Ich habe lange nach einem Ort für mich gesucht und fühlte mich hier gleich am wohlsten, weil alles auf Solidarität beruht. Jeder ist davon abhängig, dass einer mehr kann als der andere. Alle helfen einander.“ Das gilt auch für die Interessengruppen beim DSCC, die ohne digitale Technik auskommen: Sprachen, Handarbeit, Spiele, Lesen, Wandern und Radeln, Singen.

Die Aufnahme in den Club kostet zehn Euro, der Mitgliedsbeitrag 7,50 Euro pro Monat. Vom Geld werden die Betriebskosten der Räume, die Technik und Wartung finanziert. Infos gibt es in der Einbecker Straße 85 oder unter www.dscc-berlin.de. Die Geschäftsstelle öffnet montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr und 12.30 bis 16 Uhr sowie freitags von 8.30 bis 12 Uhr.

Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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